[…]

Und genau in diesen Kontext fällt die Forderung von Winkel und seinen Mitstreitern. Deutschland hat bereits heute kein einheitliches Gesundheitssystem. Privatversicherte genießen kürzere Wartezeiten, bessere Zimmer, direkten Zugang zu Fachärzten. Gesetzlich Versicherte sind demgegenüber längst auf ein Minimum zurückgestutzt. Wer nun für Bürgergeld-Empfänger eine dritte, noch weiter abgespeckte Versorgungsstufe einführt, schafft keine Gerechtigkeit. Er schreibt eine Drei-Klassen-Gesellschaft in der Medizin fest: oben die Privatversicherten, in der Mitte die GKV-Versicherten mit einem System, das gerade erst weiter beschnitten wurde, ganz unten die Ärmsten – mit Notfallversorgung als einzigem Sicherheitsnetz.

Kein Zahnarzt außer bei Notfällen. Keine Physiotherapie. Keine Vorsorgeuntersuchungen. All das wäre unter einem solchen „Notfalltarif“ schlicht gestrichen. Menschen, die bereits in einer der verletzlichsten Lebenssituationen stecken, würden systematisch schlechter versorgt als der Rest der Gesellschaft – nicht weil ihre Erkrankungen weniger real wären, sondern weil ihr Kontostand es nicht hergibt. Das ist keine Reform. Das ist eine Bestrafung.

[…]

  • rbn@sopuli.xyz
    link
    fedilink
    arrow-up
    12
    ·
    5 hours ago

    So meinte ich das nicht mit meinem Wunsch, das Zweiklassensystem abzuschaffen…

  • Edna (dey/sie)@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    15
    ·
    16 hours ago

    Die CDU dreht mal wieder komplett frei mit ihrer Verachtung armer kranker Menschen. Ich hasse Neoliberalismus so sehr!

    Wir brauchen neue Linke Strömungen die in die Offensive gehen, damit sich die Konservativen wieder als “vernünftig” darstellen müssen.

  • glasratz@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    14
    ·
    edit-2
    17 hours ago

    Klingt für mich fast wie eine Angleichung an den Status von Asylbewerbern. Man muss sich das mal wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Nur noch Notfallbehandlung beim Zahnarzt. Das ist nach aktuellem Stand nur “Schmerzbeseitigung”, die vom MD (der in der Zahnmedizin nur aus den Kassen willfährigen Ärzten ohne einschlägige Erfahrung besteht) gerne man äußerst restriktiv ausgelegt wird: Zahn raus, sonst nichts.

  • Chemo@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    37
    ·
    edit-2
    21 hours ago

    Konkret will Winkel einen neuen „Gesundheitstarif“, der nur noch bei akuten Notfällen greift

    Von der Menschenverachtung abgesehen ist das allein schon volkswirtschaftlich so unglaublich dumm. Es ist völlig klar, dass man mit einem Notfall-Gesundheitssystem nicht weniger, sondern mehr Kosten hat, weil Menschen erst behandelt werden, wenn es zu spät ist und erst recht richtig teuer wird. Prophylaxe und frühzeitiges Erkennen und Behandeln von Krankheiten kosten nicht mehr Geld, sondern sparen Geld. Darum kriegt man ja zum Teil sogar Boni von der Krankenkasse, wenn man regelmäßige Checkup-Untersuchungen macht, z.B. beim Zahnarzt. Von den volkswirtschaftlichen Kosten abgesehen, die schwere Krankheit durch Arbeitsunfähigkeit verursacht.

    Das ganze ist einfach wieder reiner Populismus, der noch nicht mal seine eigenen bösartigen Versprechen hält.

    • Jumi@lemmy.world
      link
      fedilink
      arrow-up
      15
      ·
      21 hours ago

      Du musst aufhören zu denken, dass die auch nur eine Unze auf unser oder volkswirtschaftliches Wohlergehen geben. Des ist denen scheißegal, den gehts nur um ihren Geldbeutel und den von den Unternehmen, die sie in der Tasche haben.

      • sexy_peach@feddit.org
        link
        fedilink
        Deutsch
        arrow-up
        1
        ·
        40 minutes ago

        Nichtmal das, es geht auch um niedere Beweggruende und Hass. Wenn es den nichtarbeitenden wehtut, ist es fuer viele gut.

      • B0rax@feddit.org
        link
        fedilink
        arrow-up
        1
        ·
        48 minutes ago

        Aber welche Unternehmen denn? Die Krankenkassen kostet es am Ende mehr, den Steuerzahler kostet es mehr. Die Unternehmen kriegen schwieriger gesundes Personal und motiviert bekommt man damit auch keinen.

        Ich sehe wirklich keinen einzigen gewinner…

    • glasratz@feddit.org
      link
      fedilink
      arrow-up
      5
      arrow-down
      1
      ·
      17 hours ago

      Es ist völlig klar, dass man mit einem Notfall-Gesundheitssystem nicht weniger, sondern mehr Kosten hat, weil Menschen erst behandelt werden, wenn es zu spät ist und erst recht richtig teuer wird.

      Nicht, wenn man es ganz zynisch bis zu Ende denkt. Viele Leute schaffen es “zu spät” gar nicht mehr zur Behandlung und an denen kann man sparen. Und bei der zahnärztlichen Behandlung wird es für die Kassen nur dann teuer, wenn es die Leute irgendwann wieder in einen anderen Tarif schaffen.

      • plyth@feddit.org
        link
        fedilink
        Deutsch
        arrow-up
        2
        ·
        6 hours ago

        zynisch bis zu Ende denkt.

        Wichtiger ist, dass Arbeitende sich keine Kündigung mehr leisten können. Wir bekommen amerikanische Verhältnisse.

  • CyberEgg@discuss.tchncs.de
    link
    fedilink
    arrow-up
    54
    ·
    24 hours ago

    Tjoa, dann kann man sich davon verabschieden, Langzeitarbeitslose je wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Viele sind nämlich aufgrund gesundheitlicher Probleme überhaupt erst dort hingekommen.

    Aber tatsächlich Menschen zu helfen, darum geht es ja leider schon lange nicht mehr.

    • KatherinaReichelt@feddit.org
      link
      fedilink
      arrow-up
      14
      ·
      22 hours ago

      In der Tat. Wir wissen ja, dass ein Teil der Langzeitarbeitslosen aus gesundheitlichen Gründen arbeitslos ist. Seien es Erkrankungen, die ihnen die Arbeit schwer machen, wie Rücken oder überstandener Krebs oder auch einfach nur eine Suchterkrankung. Mit einer vernünftigen medizinischen Versorgung kann man diesen Menschen helfen und sie dann auch logischerweise aus der Langzeitarbeitslosigkeit führen. Streicht man hier die Versorgung zusammen, ist das eine absolute Katastrophe.

      • 5ibelius9insterberg@feddit.org
        link
        fedilink
        arrow-up
        9
        ·
        20 hours ago

        Naja… wenn man die nur notdürftig zusammenflickt, ist das vielleicht nicht so teuer und dann sterben die entweder früh oder machen den letzten scheißjob, damit sie nicht nur alle zwei Tage Reis mit Ketchup essen müssen. Ooooder man errichtet Orte, an denen „Schwer Eingliederbare“ unentgeltlich mit einfachen Aufgaben betraut werden um wieder „Arbeitsfähigkeit zu lernen“.

        /Zynismus aus

  • gabelstapler@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    4
    ·
    16 hours ago

    Sein CDU-Kollege Pascal Reddig macht seine Zustimmung davon abhängig, ob der Finanzminister die Gesundheitskosten für Bürgergeld-Empfänger vollständig aus dem Staatshaushalt deckt – andernfalls sei ein günstigerer Basistarif unausweichlich.

    Wenn man es positiv drehen will, dann sagen die das nur um die SPD zu erpressen. Ansonsten wäre das echt gruselig.

  • mustbe3to20signs@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    6
    ·
    18 hours ago

    Da wird doch wohl nicht jemand Optionen auf Kiefernholz halten?
    Denn die Einzigen, die von diesem (milde ausgedrückt) menschenverachtenden Bullshit profitieren, sind die Leute in der Beerdigungsindustrie.

    • plyth@feddit.org
      link
      fedilink
      Deutsch
      arrow-up
      1
      ·
      edit-2
      5 hours ago

      Krematorium geht (theoretisch) auch ohne Sarg, oder wenn mit Sarg, dann im nachhaltigen Sarg aus recyceltem Kunststoff. /s

        • plyth@feddit.org
          link
          fedilink
          Deutsch
          arrow-up
          1
          ·
          edit-2
          5 hours ago

          Das wird so sein aber das muss nicht so bleiben. Jeder kann einen Beitrag für die Zukunft Deutschlands leisten. /s

  • einfach_orangensaft@sh.itjust.works
    link
    fedilink
    arrow-up
    17
    ·
    23 hours ago

    Ok es reicht! Bis jetzt hatte ich den gedanklichen deal mit der regierung das ich mich nicht radikalisieren werde solange mein bürgergeld gezahlt wird (was ja ach schon öfters sehr kritisch war), ich ein dach über dem kopf habe, ich mir noch nudeln kaufen kann und die gesundheits versorgung ansatzweise abgesichert ist.

    Aber so langsam kommt mir dieser deal zunehmend scheiße vor. Wenn diese reform kommt dann [ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT und so richtig ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT und dann noch ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT den ganzen arm ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT ZENSIERT]

  • zwiebeltee@feddit.org
    link
    fedilink
    arrow-up
    9
    ·
    21 hours ago

    ACHTUNG: POLEMISCHER SARKASMUS AN:

    Man muss doch die Wirtschaft ankurbeln. Daher muss man Leute schlechter ärztlich versorgen, sonst geht es der Bestattungswirtschaft schlechter /s

    SARKASMUS AUS.

    Jetzt mal im Ernst: Ich musste erst einmal einen Faktencheck machen, weil ich die Idee selbst für die da kaum glauben konnte. War aber nicht mal die Rede von höheren Zuschüssen des Bundes an die GKVen? Aber aktuell halte ich das für ganz dummes Säbelrasseln. Die gesetzliche Krankenversicherung ist ein Meilenstein der sozialen Grundabsicherung, auch wenn sie nicht perfekt sein mag, aber man ist krankenversichert. Ich habe da meine Zweifel, dass dies mit dem verfassungsrechtlichen Sozialstaatsprinzip einhergeht.

    Aber wie eine andere Person bereits kommentierte, kostet das am Ende mehr. Es ist schon echt traurig. Da wird körperliche Gesundheit, Leib und Leben mit Geld gegeneinander abgewogen. Ich weiß nicht, was die da nicht verstanden haben.

    • plyth@feddit.org
      link
      fedilink
      Deutsch
      arrow-up
      1
      ·
      6 hours ago

      Die gesetzliche Krankenversicherung ist ein Meilenstein der sozialen Grundabsicherung

      Vorher hatten Gewerkschaften eigene Ärzte. Wie Bismarks Rente ist die gesetzliche Krankenversicherung ein Mittel der Elite, um eine Selbstorganisation der Arbeiter zu verhindern.