Ich denke, wenn man das 9-Euro-Ticket dauerhaft zurückholen würde, würde sehr schnell deutlich, wie vernachlässigt die Infrastruktur der Schiene ist und dann würden da auch Nachbesserungen nötig, was, soweit ich das beobachte, zumindest im Fall des Nahverkehrs weder von Bund, noch von Bahn beabsichtigt ist.
“Ahh ja wir würden ja so gern die Schienen erneuern, aber durch das SoZiALiStiScHe 9€-Ticket ist dafür eiiinfach kein Geld da. Tja. Der Pöbel wollte es ja so!”
Ich kopiere hier mal meinen Kommentar von gestern hin:
Das 9€ Ticket hat wohl ca. 2,5 Mrd. € gekostet. Bei 62 Millionen verkauften Tickets also 40€ pro Ticket und damit rund 50€ für ein kostenloses Ticket.
Ganz ohne Vorbereitung damals…
Es ist wohl daher nicht zu weit her geholt, zu behaupten, man könnte das heute immer noch machen. Für also damals 20 Millionen Personen pro Monat wäre das dann 1 Mrd. € pro Monat oder 12 Mrd. € im Jahr.
Deutschland gibt jährlich ca. 70 Mrd. € für Autos, deren Infrastruktur und alles drumherum aus. Dem stehen Einnahmen von ca. 50 Mrd.€ entgegen. Wenn man jetzt also diese Differenz in die Öffentlichen stecken würde, könnte man 20 Millionen Leuten (oder mehr) das ganze Jahr ein Null-Euro-Ticket gönnen und hätte dann noch 8 Mrd. € für Instandhaltung und Neubau übrig.
Das ist eine relativ privilegierte Sichtweise. Wichtig ist für viele vor allem, überhaupt erst Zugang zu haben, und je günstiger das Ticket ist, desto mehr Menschen haben überhaupt erst Zugang.
Oder anders ausgedrückt: wenn ich mir kein Ticket leisten kann, können die Züge noch so pünktlich sein.
Darüber hinaus sind nicht nur Züge Teil des ÖPNV, sondern auch die Busse und Stadt- bzw. U-Bahnen der städtischen Verkehrsnetze, die ebenfalls zugänglich sein müssen, die aber in den allermeisten Fällen tatsächlich schon akzeptabel pünktlich sind und auch so getaktet werden, dass eine einzelne verpasste Verbindung kein Weltuntergang ist.
Schlussendlich ist ein günstiges Ticket (oder gar ein kostenloser Zugang) eine Maßnahme, die man relativ einfach und ohne große Infrastrukturplanungskomittees umsetzen könnte, aber auch niemanden davon abhält, die notwendigen Investitionen, Reformen und Umbaumaßnahmen anzugehen, die für einen pünktlichen und weit verbreiteten (ländliche Regionen anzuschließen darf auch nicht vergessen werden) (Zug-)ÖPNV notwendig sind. Daher ist es kein konstruktives Vorgehen, erst pünktliche Züge und dann günstigen Zugang zu fordern.
Dann schau mal nach Japan. Es gibt Ticketdurcheinander und die Tickets sind ähnlich teuer wie Einzelfahrkarten in Deutschland. Es gibt noch nicht einmal etwas wie das Deutschlandticket. Die Japaner fahren 10X so viele Personenkilometer mit Schienengebundenen ÖPNV wie die Deutschen. Wahrscheinlich weil es genug, gute und pünktliche Züge gibt. Das alles übrigens mit einem kürzeren Schienennetz als Deutschland.
Man kann natürlich auch Fakten ignorieren und behaupten, dass sich eine Nation der Autofahrer, den schon jetzt günstigeren ÖPNV nicht leisten kann…
Man kann natürlich auch meinen Kommentar komplett falsch lesen.
Wo habe ich denn gesagt, dass der Ticketpreis die Leute anzieht? Ich habe formuliert, was meiner Meinung nach wichtig für einen fairen und zugänglichen ÖPNV wäre, den alle nutzen können sollten. Und für viele Menschen ist der ÖPNV leider tatsächlich zu teuer. Ich zum Beispiel bin Bürgergeldempfänger und kann mir das derzeitige Deutschlandticket schlicht nixht leisten. Ich frage mich auch jeden Monat wieder, ob ich mir nicht doch irgendwie günstig einen gebrauchten Drahtesel besorgen kann, weil die 40€ für das vergünstigte Sozialticket hart an der Grenze sind.
Deswegen habe ich meinen Kommentar eingeleitet mit “Pünktlichkeit>Preis ist eine privilegierte Perspektive.”
Das Problem ist doch gar nicht der Zugang zu ÖPNV sondern zu Mobilität allgemein. Sprich auf dem Land wäre das Fahrrad besser. Da ist es schlauer Bürgergeldempfängern und anderen Armen die 54€ einfach direkt zu geben(Sozialticket gibt es ja nicht überall). Dann können sie selber schauen, wie sie das Geld ausgeben und wenn sie zu Fuss gehen, dann halt für etwas anderes.
Damit spart man dann fast 2/3 der Kosten des Deutschlandtickets, was man dann schön in Infrastruktur stecken kann, womit man hoffentlich endlich pünktliche Züge kriegt.
Du kannst auch einen Haufen Geld sparen, wenn du den ÖPNV gleich kostenlos machst. Dann musst du nämlich weder Kontrolleure noch Ticketverkaufsinfrastruktur etc bezahlen.
Beim derzeitigen Zustand des Bürgergelds ist eine direkte Auszahlung auch schwierig, weil viele Empfänger*innen (gerade jene mit Familie) das Geld dann für Essen oder andere essenzielle Güter ausgeben (müssen). Außerdem schließt das z.B. auch wieder Menschen aus, die auf der Straße leben.
Wenn du das Geld führs Ticket direkt auf die Sozialhilfe draufschlagen wolltest, müsstest du also erst das Sozialhilfesystem reformieren. Nicht, dass ich etwas gegen eine Reform des Sozialhilfesystems hätte, ganz im Gegenteil. Aber weiter weg kann man von einfach und schnell umsetzbaren Maßnahmen, die den Zugang zum ÖPNV verbessern sollen, kaum sein.
Ich muss dich leider enttäuschen, dir übrigens 54€ vom 63€ Ticket werden in das Heilige Römische Reich deutscher Verkehrsverbünde verteilt, es ist kein Geld mehr übrig. Aber es fährt ja sowieso nur der Pöbel mit dem Regionalverkehr.
Ich denke, wenn man das 9-Euro-Ticket dauerhaft zurückholen würde, würde sehr schnell deutlich, wie vernachlässigt die Infrastruktur der Schiene ist und dann würden da auch Nachbesserungen nötig, was, soweit ich das beobachte, zumindest im Fall des Nahverkehrs weder von Bund, noch von Bahn beabsichtigt ist.
“Ahh ja wir würden ja so gern die Schienen erneuern, aber durch das SoZiALiStiScHe 9€-Ticket ist dafür eiiinfach kein Geld da. Tja. Der Pöbel wollte es ja so!”
Ja, so ähnlich denke ich auch. 9-Euro-Ticket wäre natürlich schön, aber noch schöner wären imho sinnvolle Investitionen in die Bahn-Infrastruktur.
Ich kopiere hier mal meinen Kommentar von gestern hin:
Das 9€ Ticket hat wohl ca. 2,5 Mrd. € gekostet. Bei 62 Millionen verkauften Tickets also 40€ pro Ticket und damit rund 50€ für ein kostenloses Ticket. Ganz ohne Vorbereitung damals…
Es ist wohl daher nicht zu weit her geholt, zu behaupten, man könnte das heute immer noch machen. Für also damals 20 Millionen Personen pro Monat wäre das dann 1 Mrd. € pro Monat oder 12 Mrd. € im Jahr.
Deutschland gibt jährlich ca. 70 Mrd. € für Autos, deren Infrastruktur und alles drumherum aus. Dem stehen Einnahmen von ca. 50 Mrd.€ entgegen. Wenn man jetzt also diese Differenz in die Öffentlichen stecken würde, könnte man 20 Millionen Leuten (oder mehr) das ganze Jahr ein Null-Euro-Ticket gönnen und hätte dann noch 8 Mrd. € für Instandhaltung und Neubau übrig.
Quellen: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.9-euro-ticket-kosten-bund-mhsd.a971672d-ee90-450d-b2d1-fd6326c7bc13.html
https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/oekonomie/autos-und-co.-decken-kostenbedarf-des-strassenverkehrs-kaum-13376725
Aber mein vroom vroom :(
Ey, Sherlock Holmes erstmal.
Ganz ehrlich:
Pünktliche Züge > 9€ Ticket
Sind diese pünktlichen Züge mit uns im Raum?
Das ist eine relativ privilegierte Sichtweise. Wichtig ist für viele vor allem, überhaupt erst Zugang zu haben, und je günstiger das Ticket ist, desto mehr Menschen haben überhaupt erst Zugang.
Oder anders ausgedrückt: wenn ich mir kein Ticket leisten kann, können die Züge noch so pünktlich sein.
Darüber hinaus sind nicht nur Züge Teil des ÖPNV, sondern auch die Busse und Stadt- bzw. U-Bahnen der städtischen Verkehrsnetze, die ebenfalls zugänglich sein müssen, die aber in den allermeisten Fällen tatsächlich schon akzeptabel pünktlich sind und auch so getaktet werden, dass eine einzelne verpasste Verbindung kein Weltuntergang ist.
Schlussendlich ist ein günstiges Ticket (oder gar ein kostenloser Zugang) eine Maßnahme, die man relativ einfach und ohne große Infrastrukturplanungskomittees umsetzen könnte, aber auch niemanden davon abhält, die notwendigen Investitionen, Reformen und Umbaumaßnahmen anzugehen, die für einen pünktlichen und weit verbreiteten (ländliche Regionen anzuschließen darf auch nicht vergessen werden) (Zug-)ÖPNV notwendig sind. Daher ist es kein konstruktives Vorgehen, erst pünktliche Züge und dann günstigen Zugang zu fordern.
Dann schau mal nach Japan. Es gibt Ticketdurcheinander und die Tickets sind ähnlich teuer wie Einzelfahrkarten in Deutschland. Es gibt noch nicht einmal etwas wie das Deutschlandticket. Die Japaner fahren 10X so viele Personenkilometer mit Schienengebundenen ÖPNV wie die Deutschen. Wahrscheinlich weil es genug, gute und pünktliche Züge gibt. Das alles übrigens mit einem kürzeren Schienennetz als Deutschland.
Man kann natürlich auch Fakten ignorieren und behaupten, dass sich eine Nation der Autofahrer, den schon jetzt günstigeren ÖPNV nicht leisten kann…
Man kann natürlich auch meinen Kommentar komplett falsch lesen.
Wo habe ich denn gesagt, dass der Ticketpreis die Leute anzieht? Ich habe formuliert, was meiner Meinung nach wichtig für einen fairen und zugänglichen ÖPNV wäre, den alle nutzen können sollten. Und für viele Menschen ist der ÖPNV leider tatsächlich zu teuer. Ich zum Beispiel bin Bürgergeldempfänger und kann mir das derzeitige Deutschlandticket schlicht nixht leisten. Ich frage mich auch jeden Monat wieder, ob ich mir nicht doch irgendwie günstig einen gebrauchten Drahtesel besorgen kann, weil die 40€ für das vergünstigte Sozialticket hart an der Grenze sind.
Deswegen habe ich meinen Kommentar eingeleitet mit “Pünktlichkeit>Preis ist eine privilegierte Perspektive.”
Aber man kann auch einfach Faktenferne vorwerfen.
Das Problem ist doch gar nicht der Zugang zu ÖPNV sondern zu Mobilität allgemein. Sprich auf dem Land wäre das Fahrrad besser. Da ist es schlauer Bürgergeldempfängern und anderen Armen die 54€ einfach direkt zu geben(Sozialticket gibt es ja nicht überall). Dann können sie selber schauen, wie sie das Geld ausgeben und wenn sie zu Fuss gehen, dann halt für etwas anderes.
Damit spart man dann fast 2/3 der Kosten des Deutschlandtickets, was man dann schön in Infrastruktur stecken kann, womit man hoffentlich endlich pünktliche Züge kriegt.
Du kannst auch einen Haufen Geld sparen, wenn du den ÖPNV gleich kostenlos machst. Dann musst du nämlich weder Kontrolleure noch Ticketverkaufsinfrastruktur etc bezahlen.
Beim derzeitigen Zustand des Bürgergelds ist eine direkte Auszahlung auch schwierig, weil viele Empfänger*innen (gerade jene mit Familie) das Geld dann für Essen oder andere essenzielle Güter ausgeben (müssen). Außerdem schließt das z.B. auch wieder Menschen aus, die auf der Straße leben.
Wenn du das Geld führs Ticket direkt auf die Sozialhilfe draufschlagen wolltest, müsstest du also erst das Sozialhilfesystem reformieren. Nicht, dass ich etwas gegen eine Reform des Sozialhilfesystems hätte, ganz im Gegenteil. Aber weiter weg kann man von einfach und schnell umsetzbaren Maßnahmen, die den Zugang zum ÖPNV verbessern sollen, kaum sein.
Ich muss dich leider enttäuschen, dir übrigens 54€ vom 63€ Ticket werden in das Heilige Römische Reich deutscher Verkehrsverbünde verteilt, es ist kein Geld mehr übrig. Aber es fährt ja sowieso nur der Pöbel mit dem Regionalverkehr.