Für die Verteidigung des Glaubens sterben und andere fundamentalistische Auswüchse: Eine neue Studie zeigt, dass muslimische Jugendliche häufiger antidemokratische, abwertende und gewaltaffine Haltungen vertreten

  • TheTiltster@feddit.org
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    26 minutes ago

    “Von 515 jugendlichen Muslimen aus Wien sehen 41% islamische Gebote über den österreichischen Gesetzen stehen”

    Bitteschön.

  • Aniki@feddit.org
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    51 minutes ago

    religiöse Gebote stehen über den Gesetzen

    Ich muss sagen dass ich das mittlerweile auch so sehe. Lass mich erklären:

    Im Wesentlichen sind viele “religiöse” Aussagen so Aussagen die man heutzutage als sozialistische Kernaussagen identifizieren würde: Menschen haben ein universelles Recht auf Erfüllung der Grundbedürfnisse. Da gibt es in jeder Religion dazu einschlägige Weisungen die das auch sehr deutlich machen. Z.B. Jesus mit dem “kümmere dich um deinen nächsten wie um dich selbst” und “alles was ihr für den Bettler von nebenan getan habt, habt ihr im Sinne der Religion richtig getan”. Das sind schon sehr deutliche Aussagen.

    In Italien z.B. wird die Religion heute oft noch als Beschützer der kleinen Menschen gesehen, da sie eben auch den kleinen Menschen die sonst Schutz- und Rechtelos wären eben noch gewisse Grundrechte zugesteht. Damit ist sie ein Druckmittel gegen den Staat, denn wenn der die nächste Plünderungsrunde gegen die Bevölkerung erlaubt/durchsetzt, sei es in Form von rücksichtslosen Unternehmensbewilligungen oder Steuern, dann können die Menschen sagen “das ist nicht der christliche Weg”. Und das wirkt. Hat es im Mittelalter auch schon. Nur um Beispiele zu nennen: In der frühen Neuzeit war die Bundschuh-Bewegung ein Bauernaufstand gegen Unterdrückung, usw. Die Forderungen wurden mit der Bibel begründet.

    In der islamischen Welt wird der sozialismus überhaupt mit dem Islam identifiziert. Der Grund warum die Berufung der iranischen Regierung auf den Islam so erfolgreich ist, ist großteils weil diese eben klarmacht, dass der Islam die Menschen vor Ungerechtigkeiten und unnötigem Leid schützt. Das ist auch sehr effektiv. Habe da vor kurzem einen Vortrag dazu gehört.

    Also ja, in dem Sinne das universelle Menschenrechte (die dann “Religion” genannt werden) wichtiger sind als arbiträr beschlossene und durch Lobbyismus beeinflussbare staatliche Gesetze sind, da stimme ich auch zu. Ja.

    • Melchior@feddit.org
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      17 minutes ago

      Al Qaida, die Trump Regierung und viele weitere benutzen Religion um wirklich grauenhafte Handlungen zu begründen. Religionen haben immer gute und schlechte Seiten. Von daher ist so eine Aussage wie “religiöse Gebote stehen über den Gesetzen” für mich halt moralisch falsch.

      Das geht auch in weniger radikal, wie man in der Umfrage erkennen kann:

      Ein ähnliches Bild zeigt sich in Bezug auf Selbstbestimmung. Da wird Männern unter den Jugendlichen generell mehr zugestanden als Frauen. Bei Jugendlichen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien sind die Werte allerdings teils auffallend hoch. Fast die Hälfte der Befragten findet, der Mann soll die wichtigen Entscheidungen treffen, ein Viertel möchte keine Frau als Chefin, und nur fast ein Drittel empfindet Homosexualität als okay.

  • ftbd@feddit.org
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    1 hour ago

    Da das Recht nicht zwangsläufig gerecht ist finde ich es nur richtig, eigene Moralvorstellungen zu haben die man als grundlegender ansieht. Diese Moralvorstellungen aus organisierter Religion statt aus eigener Reflektion zu beziehen finde ich prinzipiell problematisch, aber nachvollziehbar

    • Quittenbrot@feddit.org
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      1 hour ago

      Da das Recht nicht zwangsläufig gerecht ist finde ich es nur richtig, eigene Moralvorstellungen zu haben die man als grundlegender ansieht.

      Dann läuft man in der Gesellschaft aber zwangsläufig ins Problem, was das gemeinsame Fundament an Regeln ist, auf das man sich geeinigt hat.

      • 🦄🦄🦄@feddit.org
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        54 minutes ago

        Ich hab da nicht mit drüber entscheiden dürfen tbh. Aber ich hab halt auch keine Milliarden.

        • Quittenbrot@feddit.org
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          43 minutes ago

          Naja… du hast schon die Möglichkeit, regelmäßig und auf verschiedenen Ebenen deinen politischen Willen per Wahlstimme auszudrücken. Darüber, dass das noch lange nicht optimal läuft, brauchen wir uns nicht streiten. Aber die demokratische Legitimation ist schon gegeben.

          • 🦄🦄🦄@feddit.org
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            28 minutes ago

            Es ging ja aber um bestehende Gesetze, auf die man sich als Gesellschaft geeinigt hat. Das stimmt halt einfach nicht, wie wir bspw. an dem Paragrafen bzgl. Schwarzfahren sehen. Der existiert ganz ohne demokratischen Konsens, weil er halt von den Nazis eingebracht wurde.

            Edit: Nachdem ich nochmal drüber nachgedacht habe: Das stimmt auch einfach nicht. Ich habe als Bürgerin keinen direkten Einfluss auf Gesetze. Ich kann hoffen, dass die Partei, der ich meine Stimme gebe Gesetze verabschiedet, die mit meiner Position übereingehen, aber einen direkten Einfluss darauf nehmen, kann ich nicht.

            • Havald@lemmy.world
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              7 minutes ago

              Du kannst dich zu jedem Thema bei deinen Repräsentanten melden. Wenn du willst, das auf ein bestimmtes Gesetz ändert, dann haben die Politiker Email Adressen veröffentlicht bei denen sich Bürger melden können. Das geht auf kommunaler Ebene, da kriegst auch am ehesten eine Antwort, aber auch auf Lndes- und Bundesebene. Natürlich sind das nicht immer die Politiker selbst, die du da erreichst, aber sachlich formulierte Anfragen werden auch weitergeleitet.

              Wenn sich genug bei den “kleinen” Politikern melden oder es ihnen auch persönlich ein Anliegen ist, dann machen die Druck nach oben.

            • Quittenbrot@feddit.org
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              12 minutes ago

              Der existiert ganz ohne demokratischen Konsens, weil er halt von den Nazis eingebracht wurde.

              Naja. Die Entscheidung, das StGB in dieser Form in der Bundesrepublik zu übernehmen, haben demokratisch legitimierte Politiker getroffen. Seit dem gibt es ständige Novellierungen und Anpassungen durch demokratisch legitimierte Politiker. Wie ja auch die Diskussion über diesen Paragraphen.

              Die Tatsache, dass sich noch keine Mehrheit finden konnte, diesen Paragraphen zu ändern, lässt sich in meinen Augen nicht damit gleichsetzen, dass er nicht demokratisch legitimiert ist. Es hält ja auch niemanden davon ab, ganz explizit mit dem Versprechen anzutreten, diesen Paragraphen abzuschaffen und sich entsprechend wählen zu lassen.

              Ich kann hoffen, dass die Partei, der ich meine Stimme gebe Gesetze verabschiedet, die mit meiner Position übereingehen, aber einen direkten Einfluss darauf nehmen, kann ich nicht.

              Das wäre bei 90 Mio Leuten auch wenig praktikabel. Wir müssten jeden Tag alle über zig verschiedene Dinge entscheiden. Darum haben wir das outgesourced an Politiker, die das in unserem Namen und unserem Interesse lösen sollen (mit einem ganz dicken Sollen!)

      • Senseless@feddit.org
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        2 hours ago

        Rot: gar nicht Gelb: eher nein Hellgrün: eher ja Dunkelgrün: voll und ganz

        Standardisierte Befragung unter 1069 Personen, die zum Zeitpunkt der Erhebung zwischen 14 und 24 Jahre alt waren, in Wien wohnten und einer der folgenden zehn ethnischen Gruppen zugeordnet werden konnten: Österreichisch, Serbisch, Polnisch, Rumänisch, Bosnisch, Türkisch, Kurdisch, Syrisch, Afghanisch, Tscheschenisch.

        *Die letzten drei Fragen wurden nur muslimischen Jugendlichen gestellt (n=515)

    • schnurrito@discuss.tchncs.de
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      2 hours ago

      Ich denke, derstandard.at erlaubt unter allen Artikeln grundsätzlich Kommentare? Kann mich nicht erinnern, ein Gegenbeispiel gesehen zu haben. Dass deren Moderation oft völlig unsinnig ist, ist eine andere Sache.

      … und das hier ist ja auch ein Kommentarabschnitt, insofern scheinst du eine sehr positive Meinung zu dem zu haben, was du hier verwendest?!

      • Micromot@piefed.social
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        25 minutes ago

        Naja, das hier ist in meiner Erfahrung besser moderiert als unter den meisten Nachrichtenartikeln

        • Aniki@feddit.org
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          10 minutes ago

          ich glaube das hat nichts mit moderation zu tun

          wo wird denn hier in diesem thread überhaupt moderiert?

    • Latschenkiefer@feddit.orgOP
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      2 hours ago

      Ich finde da sind einige gute Ideen oder Vorschläge dabei, zb mehr Ethik und Demokratieunterricht schon in der Grundschule.

      Den einen Kommentar von Manfred88 der meint, dass man die alle abschieben soll kann man dann auch ignorieren.

      • Micromot@piefed.social
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        2 hours ago

        Ist ne Mischung die ersten 4-5 Kommentare waren ganz gut, aber danach kamen halt Leute die sich literally Faschismus gewünscht haben und meinten sie hätten das gewusst etc.

  • aaaaaaaaargh@feddit.org
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    2 hours ago

    Wär halt mal gut, zu wissen, wer da genau befragt wurde. “junge Muslime” ist nicht gerade eine homogene Masse. An anderer Stelle hieß es, dass 21% der jungen Christen das auch so sehen. Aha, vielleicht eher ein strukturelles Problem mit Religion und Sozialisierung anstatt nur böse Ausländer?

    Überhaupt: warum ist die Wissenschaft eigentlich nur noch dafür da, Ergebnisse an die Klatschpresse zur Skandalisierung zu liefern? Wo wird dieses Ergebnis wissenschaftlich eingeordnet?

    • Latschenkiefer@feddit.orgOP
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      1 hour ago

      Wär halt mal gut, zu wissen, wer da genau befragt wurde. “junge Muslime” ist nicht gerade eine homogene Masse.

      “Im Auftrag der Stadt hat ein Forscherteam 1200 Mädchen und Burschen im Alter von 14 bis 21 Jahren aus zehn ethnischen Gruppen interviewt. Vertreten sind Österreicher, Serben, Polen, Rumänen, Bosnier, Türken, Kurden, Syrer, Afghanen und Tschetschenen.”

      “Unter den Jugendlichen mit Pflichtschulabschluss sagen 64 Prozent uneingeschränkt oder eher ja, unter den Maturanten nur 43 Prozent. Doch es gibt auch einen starken Unterschied nach Glaubensrichtung. 73 Prozent der schiitischen und 68 Prozent der sunnitischen Muslime definieren sich als sehr oder eher religiös. Von den Christen behaupten das nur 41 Prozent (katholisch) und 38 Prozent (orthodox) von sich.”

      An anderer Stelle hieß es, dass 21% der jungen Christen das auch so sehen.

      "Der Aussage, “alle Menschen sollten sich an die Regeln meiner Religion halten”, stimmen 36 Prozent der Muslime voll oder eher zu, das ist ein doppelt so hoher Anteil wie bei den Christen. "

      Überhaupt: warum ist die Wissenschaft eigentlich nur noch dafür da, Ergebnisse an die Klatschpresse zur Skandalisierung zu liefern? Wo wird dieses Ergebnis wissenschaftlich eingeordnet?

      "Das führt auf die Fährte der Erklärungen. Die Studienautoren sind natürlich weit von einer platten Antwort wie “weil sie eben Muslime sind” entfernt. Stattdessen filterte das Team Einflussfaktoren heraus, die antidemokratische, abwertende und gewaltaffine Haltungen fördern.

      Die Wechselwirkungen sind komplex. Niedrige Demokratiequalität in den Herkunftsländern spielt ebenso eine Rolle wie eher geringe Bildung. Hohe Religiosität wird speziell dann zum Problem, wenn sich die Betroffenen damit viel online beschäftigen – und zum Opfer der von Algorithmen servierten Propaganda werden. Generell sind junge Männer anfälliger.

      Besonders starke Negativfaktoren sind auch Vereinsamung, Sinn- und Orientierungslosigkeit, was wiederum mit der wahrgenommenen Diskriminierung sowie einem auf Gehorsam und Bestrafung ausgelegten Erziehungsstil zusammenhängt. Besonders Jugendliche mit syrischer, afghanischer oder tschetschenischer Familiengeschichte berichten von solchen Erfahrungen. Mehr als die Hälfte der befragten Tschetschenen gab an, den Eltern nicht widersprechen zu dürfen. Jeder zehnte junge Afghane erzählt von Gewalt im Elternhaus."

      Ich muss ehrlich sagen, dass es so klingt, als hättest du nur die Überschrift gelesen. Es wird hier in keinster Weise gesagt, dass es nur die bösen Ausländer sind, allerdings scheint es ja ein Problem bei jungen muslimen zu geben, welches deutlich größer als bei jungen Christen. Finde ich persönlich wenig überraschend, dass sich viele von denen radikalisieren, angesichts der Hintergründe, wie zb Perspektivlosigkeit und fehlendes zugehörigkeitsgefühl. Gleiches kann man ja auch bei jungen männern im Osten beobachten, da geht es halt eher in richtung faschismus.

      • aaaaaaaaargh@feddit.org
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        57 minutes ago

        Hab auch überlegt, ob ich das so schreiben soll, da gebe ich dir einen Punkt. Allerdings macht die Studie eben gewisse Unschärfefehler, z.B. wie erwähnt, dass eine verhältnismäßig sehr kleine Gruppe von Muslimen eingeschlossen wurde (Ich glaube nur Syrer, Türken, Afghanen), die eben nicht repräsentativ sein dürften. Es nützt halt nichts, wenn sowas nicht ordentlich beleuchtet wird und die Ergebnisse so wie hier dargestellt werden - und ja, da spielen Titel und Einleitung des Artikels eine große Rolle zur Einordnung, auch, wenn das am Ende teils relativiert wird.