Hey zusammen,

ich studiere gerade und merk immer wieder, dass ich in Phasen, wo sich viel ändert, also wenn Entscheidungen fürs Studium, den Job oder einfach den nächsten Lebensabschnitt anstehen, ewig hin und her denke. Pro und Contra sammeln, nochmal drüber schlafen, nochmal umentscheiden… und am Ende entscheid ich dann doch eher aus dem Bauch raus, meistens ziemlich spät.

Mich würd mal interessieren, wie das bei euch so läuft:

  • Wie sortiert ihr euch in solchen Phasen? Aufschreiben, mit Leuten reden, spazieren gehen, einfach abwarten?
  • Merkt ihr dabei Muster bei euch, also dass ihr an ähnlichen Stellen immer wieder hängen bleibt oder ähnlich entscheidet?
  • Und wenn ihr mal was Wichtiges über euch gecheckt habt, wie sorgt ihr dafür, dass das nicht nach zwei Wochen wieder weg ist?
  • Was habt ihr ausprobiert, das am Ende eigentlich gar nichts gebracht hat?

Bin gespannt, ob da jemand nen echten Trick hat oder ob sich alle irgendwie so durchwurschteln 😅

  • thzihdd@feddit.org
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    1 hour ago

    Finde da immer wieder Richard Wiseman “59 Seconds” gut, da sind jede Mende Dinge aus der Psychologie für den Alltag drin. Unter anderem: der Mensch ist mit komplexen Entscheidungen schnell überfordert, also ist ein mögliches Vorgehen, den Kopf mit allen möglichen Informationen über das Problem vollzustopfen. Dann ein Kreuzworträtsel oder ähnliches zu bearbeiten, um den rationalen Teil beschäftigt zu halten. Schließlich ist der erste Gedanke danach die “optimale” Lösung. Dabei ist “optimal” natürlich individuell sehr verschieden und wurde in Studien dazu im Sinne der Zufriedenheit mit der Entscheidung untersucht.

    Mein persönliches Highlight aus diesem Buch: möchte man eine verlorene Geldbörse zurückbekommen, so sollte man diese in einem Umschlag mit der eigenen Adresse drauf mit sich führen. Bei Verlust denkt der Finder dann: Oh nein, so viel Pech kann doch keiner haben, erst selbst verlieren und dann verliert der erste Finder das Ding nochmal… 😉

    • Ben@feddit.orgOP
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      44 minutes ago

      Haha der Trick mit dem Umschlag ist genial, den merk ich mir. Und das mit dem Kreuzworträtsel klingt fast zu einfach um wahr zu sein, aber ich probier das echt mal aus beim nächsten Mal wo ich mich im Kreis dreh. Danke für den Buchtipp:)

  • Ediacarium@feddit.org
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    13 hours ago

    Eine Entscheidung wird oft formuliert als “soll ich x oder y machen”, besteht aber eigentlich aus zwei anderen Dingen:

    • Die Realisierung des einen Potenzials (ich kann x werden)
    • Der Verlust des anderen Potenzials (ich kann y nicht mehr werden)

    Und in der Situation vor der Entscheidung hat man noch das Potenzial, beides zu werden. Solange man in der Position bleibt, muss man keins davon aufgeben.

    Und, auch wenn ich gerne den magischen Mittelweg finden würde, der mir erlaubt, beides umzusetzen, oder eine Methode zu finden, die zeigt, dass die eine Entscheidung klar besser ist als die andere (‘Kein Potenzial durch die Entscheidung aufgegeben wird’), gibt es sowas leider nie.

    Das späte ‘aus dem Bauch heraus entscheiden’ passiert dann oft, wenn die Türen beginnen sich zu schließen und das Potenzial, irgendeines von beiden machen zu können, verschwindet.

    Deswegen dreht es sich bei mir eher darum, emotional mit der Verlustseite klarzukommen, also entweder z.B. die Jobmöglichkeiten zu betrauern, oder einen Plan B auszuarbeiten, falls man durch die Führerscheinprüfung fallen sollte.

    Carl Jung hat den Begriff des Puer Aeternus geprägt, für Leute, die mit Potenzial besessen sind und sich nicht trauen, etwas davon zu realisieren, um den Verlust des anderen zu verhindern. Dafür sind sie oft sehr charismatisch, weil das Sehen von Potenzial, das sie so sehr behindert, sie auch Hoffnung für andere Personen spenden lässt und sie gelernt haben, via Charisma sich aus jeder Situation zu winden, um das Potential zu behalten.

    Es hilft also leider nur aktiv Potenzial zu vernichten, um etwas Potenzial zu realisieren. Aktiv eine Tür zu schließen und proaktiv etwas werden, statt im Wartezimmer zu sitzen und zu träumen, wie es ist, wenn man beides gleichzeitig wird.

    Falls sich noch jemand mit Puer Aeternus identifiziert, mir hat damals das Video von Dr K. sehr geholfen: https://youtu.be/e0ec2-E5Xq8

    • Ben@feddit.orgOP
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      13 hours ago

      puh das trifft ziemlich genau meinen punkt. ich glaub ich hab das bisher immer als problem mit der entscheidung gesehen und nicht als problem damit was anderes aufzugeben. danke für das video, schau ich mir heut abend an

  • CyberEgg@discuss.tchncs.de
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    10 hours ago

    Ich zerdenke immer alles fünfzehn Mal, entscheide mich dann für das, was in dem Moment, in dem ich mich endlich zu einer Entscheidung durchringen kann und frage mich für den Rest meines Lebens “was wäre wenn” und wünsche mir, mit späteren Wissen eine andere Entscheidung treffen zu können.

    0/10, nicht empfehlenswert.

    • Ben@feddit.orgOP
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      9 hours ago

      uff das kenn ich leider viel zu gut. das was-wäre-wenn danach is oft schlimmer als die entscheidung selbst. hast du irgendwas gefunden das dagegen hilft, oder läufts immer so?

  • Ephera@lemmy.ml
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    8 hours ago

    Geht mir schon auch so wie dir, dass ich es ewig zerdenke und am Ende per Bauchgefühl entscheide, aber habe damit eigentlich meinen Frieden geschlossen.

    Also dass man sich nicht entscheiden kann, liegt ja daran, dass man die Auswirkungen nicht in Gänze begreifen kann. Also größtenteils kennt man die Auswirkungen einfach nicht, aber selbst das was man kennt, passt meist nicht auf einmal in den Arbeitsspeicher des Gehirns.

    Aber was man eben trotzdem sich erarbeiten kann, ist ein Gefühl. Z.B. bei Variante A kann ich nur 3 Aspekte ganz gut einschätzen von gefühlt 42 Aspekten, aber die klingen jeweils sehr gut.
    Und Variante B wirkt überschaubarer, wovon ich jetzt schon 7 Aspekte gesehen hab und wo auch ein Aspekt nicht so geil war, aber trotzdem könnte das insgesamt solide sein.

    Und dann kann man die beiden Gefühle eben in den Arbeitsspeicher laden und 'ne Bauchgefühlsentscheidung machen, womit man sich wohler fühlt.

    Also ich bin einfach der Meinung, dass das Bauchgefühl nicht in einem Vakuum existiert, sondern maßgeblich vom vorigen Zerdenken mitbestimmt wird, und daher ist es legitim beide zu durchlaufen.

    • Ben@feddit.orgOP
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      7 hours ago

      ja genau, das bauchgefühl als ergebnis vom vorherigen zerdenken macht irgendwie sinn. fühlt sich dann weniger nach raten an und mehr nach dem was man sich schon erarbeitet hat. danke für die aussicht :)

    • Ben@feddit.orgOP
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      11 hours ago

      haha sehr ehrlich, bauchgefühl gewinnt bei mir auch meistens. und zufall ist dann so der notfallplan wenn gar nix mehr geht oder

    • Ben@feddit.orgOP
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      13 hours ago

      oh stimmt, hätte da wahrscheinlich besser gepasst. danke für den hinweis, merk ich mir fürs nächste mal

  • fdnomad@programming.dev
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    13 hours ago

    Mit Leuten reden hilft mir. Einerseits zwingt es mich dazu meine Gedanken in eine Form zu bringen die man verbalisieren kann, was schon oft schon den Großteil der Verarbeitung bewältigt und andererseits haben andere Leute oft andere Perspektiven, die im Guten oder Schlechten erleuchtend sein können. Ich hab mich aber auch schon mehrfach von Leuten beschwatzen lassen und aufgrund dessen objektiv schlechte Lebensentscheidungen getroffen. Seine Gedanken einfach aufschreiben vor einer Konversation hilft mir auch viel und bewahrt mich oft davor was blödes zu sagen.

    • Ben@feddit.orgOP
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      13 hours ago

      ja das beschwatzen lassen kenn ich leider auch. vorher aufschreiben klingt nach nem guten mittelweg, dann weiß man wenigstens was man selbst eigentlich denkt bevor die anderen reinreden

    • RDogPinK@feddit.org
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      13 hours ago

      This! Ich schreib vor komplexen Entscheidungen Journal mit der Hand, geh Spazieren und lass meine Gedanken brüten. Unterbewusst passiert da sehr viel, die Informationen werden quasi mit deinen Werten abgeglichen. Klingt etwas esoterisch, hat mir aber immer geholfen. Am Ende muss man sich halt wortwörtlich mit seiner Entscheidung “Wohlfühlen”.

  • AGuyAcrossTheInternet@fedia.io
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    13 hours ago

    Tatsächlich habe ich häufig das gleiche Problem. Das geht teilweise bis hin zur Entscheidungslahmheit. Wenn das so aussieht wie bei mir, hab ich gleich sofort schon ein Bauchgefühl aber das stelle ich dann in Frage und dann gerate ich in die Spirale.

    TL;DR: Hab mich trainiert. mein Bauchgefühl nicht gleich in Frage zu stellen und ich ignoriere meine Angst vor dem Falschentscheiden.

    Aufgefallen, dass ich doch ohne ewige Daueranalyse entscheiden kann, ist es mir bei Deadlines. 'Ne Woche vor Anmeldung meines Themas für Hausarbeiten wusste ich auf einmal, worüber ich schreiben wollte. Wochen vorher hatte ich keinen richtigen Plan. Scheiße, meine Auswahl für Sekundärliteratur war auf einmal zwo Wochen vor Abgabe fest. Ich hab mich von meinem Drang zur Daueranalyse mit der Deadline effektiv abgelenkt.

    Was ich mir angewöhnt hab, ist, mir klar darüber zu sein, was mein Bauchgefühl zuerst gesagt hat und warum. Wenn ich diese Tendenz am Anfang habe, hat das ja einen Grund, den ich nur noch nicht ausdrücken kann. Also gehe ich da erstmal die Vorteile durch. Das hab ich eine Weile mit Zettel und Stift gemacht, heute eher im Kopf.

    Was mir zu Beginn geholfen hat, ist so ein Mini-Notizbuch für eben diese Fälle. Hat mich ausgebremst aber ich brauche bei sowas immer was vor den Augen. Ich sortiere Gedanken und Argumente beim händischen Schreiben. Kann eben nur von mir sprechen.

    Routine ist bei mir das A und O. Ich hab halt geübt, meinem Instinkt zu vertrauen und diese Angst vor dem Falschentscheiden auszusitzen (wie ich die dazu bringe, das Maul zu halten hab ich noch nicht drin). Das ist aber individuell, d.h. du musst deine ideale Methode finden. Das kann eine ganze Weile dauern, das ist aber in Ordnung.

    • Ben@feddit.orgOP
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      13 hours ago

      das mit der deadline kenn ich so gut, sobald es eng wird weiß ich plötzlich was ich will 😅 die idee, sich bewusst zu merken was das bauchgefühl zuerst gesagt hat und warum, find ich echt gut. probier ich mal aus