Wegen ihres Engagements für Palästina wurde ihr Rauswurf aus der Linkspartei beantragt. Ein Gespräch mit Hannah Bruns • Foto: privat
Wegen ihres Engagements für Palästina wurde ihr Rauswurf aus der Linkspartei beantragt. Ein Gespräch mit Hannah Bruns • Foto: privat
Ich hab jetzt ein bisschen gegoggelt und nichts “genozidales” gefunden. Hast du da mal ein paar Quellen?
Interessant find ich aber, dass du Israel nur “Weltschmerz” zuschreibst wärend du bei Hannah anscheinend kein Problem hast das Wort Genozid zu verwenden.
Politische Akteure nutzen selten die direktesten Begriffe - über einige Formulierungen kann man sich aber Gedanken machen. Bruns wurde konkret nach dem 7. Oktober gefragt und antwortet, dass sie keinerlei Grund sehe, sich davon zu distanzieren. In dem Kontext verstehe ich dann auch nie, wie man sich ernsthaft mit den Hamas solidarisieren kann. In deren Grundsatzdokument, der Hamas-Charta, steht ja schwarz auf weiß, dass die Vernichtung aller Ungläubigen das Ziel ist, plus Verweise auf die Protokolle von Zion. Und das schon seit bevor Bruns geboren ist und auch bis heute.
Interessant fand ich auch ihre Formulierungen “globale Intifada” und “Intifada bis zum Sieg” (allein schon die Grammatik von letzterem…). Auch da zählt für mich nicht ein Verweis auf ein Wörterbucheintrag, der mir eine direkte Übersetzung gibt. Intifada ist eine Referenz auf ein Ereignis, das mit hunderten Selbstmordanschlägen in Verbindung steht. Das ist vielleicht für deutsche Schreibtischtäter nur ein Begriff, in der Lebensrealität dieser Region aber ein psychologisches Trauma.
Kann sein, dass meine “Weltschmerz”-Bezeichnung auch eine Relativierung ist, mir fiel grad nichts besseres ein, um meine Emotion auszudrücken. Ich habe auch keine große Motivation, die israelischen Praktiken in dem Krieg zu verteidigen. Wer aber glaubt, dass der Frieden mit den Ideen solcher “Solidaritätsbekenner” eintritt, scheint mir ausgesprochen naiv und gar manipulierbar.
Ich hatte vorhin auch nur ein wenig geoogelt: Dieser Blogpost scheint meine persönliche Meinung, mit Quellen, recht gut zu treffen.
Nenn das Vorgehen von Israel doch einfach korrekt Genozid. Krieg ist das nicht und auch schon lange nicht mehr.
Das koloniale Vorgehen Israels und das gezielte Töten von Kindern ist kein Krieg, es ist Völkermord.
Ich finde die Darstellung der Person in dem Blogpost verkürzt.
Man kann so Sätze wie “Ich stehe uneingeschränkt hinter dem Recht der Palästinenser:innen auf bewaffneten Widerstand gegen Besatzung und Völkermord. Selbstverständlich lehne ich Gewalt gegen Zivilist:innen dabei ab.” als Lippenbekenntnis abtun. Er gehört aber mit zum Bild.
Ich will auch gar nicht so tun als hätte Hannah nur kluge Sachen gesagt. Natürlich hätte sie sich von dem Massaker am 7.10. Distanzieren sollen.
Der Aufruf zur Intifada ist selbst in diesem kritischen Blogpost als Hörensagen gekennzeichnet.
Das als Tatsache zu verkaufen und ihr unkritisch zuzuschreiben finde ich mindestens unsauber.
Eine Solidarisierung mit der Hamas habe ich ebenfalls nirgends gesehen, und auch deine Quelle behauptet das nicht. Gewalt gegen Zivilisten abzulehnen klingt nicht wie eine Solidarisierung mit einer Terrorgruppe.
Wie wäre es mit “Genozid” gewesen? Deine Hemmschwelle für den Begriff scheint ja recht niedrig zu sein.
Die zitierte Aussage ist aber »ich distanziere mich von gar nichts« mit dem direkten Verweis auf das Massaker; und dieses ist Hamas-“Politik”, deswegen habe ich auch die Verbindung gezogen. Die Intifada-Aussage findet man auch in der Quelle, ist allerdings auch ein Welt-Bezahlartikel. Ich habe diese Rekontextualisierungs-Versuche solcher Terrorbegriffe aber auch schon woanders in der Szene gehört und ist wohl auch ihrer Gruppe, der LAG Palästinasolidarität, eine bekannte Taktik. Ich glaube einfach nicht, dass sie mit solchen Aktionen und Sprachgebrauch netto ihrer eigenen Sache dienen. Letztendlich werden sie mehr Menschen, die sich in dem Thema unsicher sind, verschrecken statt für die Solidarität zu gewinnen.
Nene du hast nicht nur eine Verbindung gezogen du hast aus einem “Ich distanziere mich nicht” eine Solidarität erfunden. Die nicht-distanzierung ist auch zu kritisieren. Das ist aber trotzdem was anderes.
Abgesehen davon nimmst du ihre spätere Distanzierung von Gewalt gegen Zivilisten einfach komplett aus der Rechnung. Waum auch immmer…
Warum spricht der Blogpost dann nur von einem “Soll gesagt haben” und nicht wie sonst in dem Post von “hat gesagt”? Ich werd mich aus hoffentlich offensichtlichen Gründen nicht dazu herablassen Springer Geld zu geben um den Artikel zu lesen.
Das mag sein, das hat dann aber wirklich garnichts mehr mit dem Vorwurf von “genozidalen” Aussagen zu tun, sondern nur noch damit ob du die Strategie gut oder schlecht findest. Darüber will ich wirklich nicht diskutieren weil ich mit der Gruppe so gar nichts am Hut habe.
@Majoran @killingspark Vielleicht der Hinweis, das mindestens 2 Intifadas gezählt werden, eine erste ab 1989 die eher von Boykott, Streik und Steinwüfen geprägt ist (aber trotzdem 160 Tote Jüd*innen durch palästinensische Angriffe, 1160 Tote Palästinenser*innen durch isralische Armee/Siedler und hunderte Palästinenser durch Palästinenser getötet.) Der führte tatsächlich zu politischen Entwicklungen und einem Friedensabkommen, inklussive Einrichtung der Autonomiebehörde und Plan für die Zweistaatenlösung. Die zweite Intifada war eher von Anschlägen und Attentaten geprägt und führte zu mehr Toten Israelis und Palästinenser*innen.
Auch weitere Auseinandersetzungen nach der Zweiten werden z.t. als Intifada bezeichnet. Den Begriff zu benutzen, ohne auf die erste zu verweisen heißt dann vor allem den bewaffneten, gewaltsamen Widerstand gutzuheißen.
Intifada heißt erstmal nur Aufstand auf Arabisch. Das kann alles von friedlichem Aufstand bis zum brutalen Widerstand gegen einen Unterdrücker. Der Begriff an sich ist nichtmal gewaltsam
@Micromot Wenn du arabisch gelernt hast oder im Alltag sprichst, dann ist es sicherlich was anderes. Ich find die Arabisch-Verbote auf Berliner Demos Anfang letztes Jahr dürfen nicht wieder kommen.
Aber gerade für Leute die im Alltag nicht arabisch sprechen ist das im Kontext einer Palästinademo eine ganz bestimmte Bezugnahme eben auf diese Intifadas mit ihren Gewalttaten.
Z.B. würde ich das beim Wort Revolution anders sehen, weil der letzte revolutionäre Herrschaftswechsel in Deutschland 1989 friedlich abgelaufen ist (und wir kaum lebende Zeitzeugen der Revolution von 1918 haben).
Das hängt weiterhin stark vom Kontext ab. Auch in Hinsicht auf Palästina kann der Begrifd Intifada zum Aufstand des palästinensischen Volks aufrufen.
Wenn aber von “der” Intifada geredet wird, ist es logischer an die vergangenen Intifadas zu denken.
Bei der globalen Intifada ist meistens der Aufstand aller Unterdrückten Völker gegen ihre Unterdrücker gemeint.
" Es gab nun einmal im Neuköllner Verband immer wieder antisemitische Vorfälle. Etwa der Spruch »Yallah, yallah Intifada«. Sicherlich kann der Begriff Intifada als Referenz auf die erste Intifada gesehen werden. Als Aufstand gegen die illegale Besatzung. Aber das Wort »Intifada« lässt sich heute nicht mehr von der zweiten Intifada trennen, in der die Hamas massive Terrorangriffe gegen israelische Zivilist*innen verübte. Gerade Israelis, die diesen Terror erlebt haben, lesen den Aufruf »Yallah, yallah Intifada« als Aufruf zu Gewalt gegen Jüd*innen. "
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1203074.rot-gruen-rot-linke-berlin-einigungspapier-scheint-die-diskussion-zu-drehen.html