Der ganze Sermon lässt sich zusammenfassen mit “lieber gar nichts machen, solange nicht die ganze Welt das selbe macht”. Angenehmerweise wird das ziemlich sicher nie passieren, und damit sind wir von dem ärgerlichen Anspruch, als sechststärkste Volkswirtschaft auch mit gutem Beispiel voranzugehen, befreit. Das ist der alte Wein der Klimawandelleugner, die sich das totale Leugnen heute gegen erdrückende Beweise nicht mehr trauen, in neuen Schläuchen.
Der Artikel nimmt die richtige Erkenntnis, dass der “persönliche CO2 Fußabdruck” ein Marketinginstrument der Fossillobby ist, das die Verantwortung für Klimaschäden von den Ölkonzernen auf jeden einzelnen Verbraucher abwälzen soll, und skaliert sie hoch auf Deutschland, das ja auch nur “ein Einzelner” im Kreis der Nationen ist, und darum mal abwarten sollte, bis alle anderen auch was tun. “Persönliche Verantwortung? Wir? Wo denken Sie hin?”
Das ignoriert, dass Klimaschutzanstrengungen in reichen Staaten wie Deutschland oder einem bedeutsamen Teil der EU selbstverständlich auch dazu führen, dass die dazu notwendigen Technologien weiterentwickelt und marktreif werden, und dass ihre Anwendung so Stück für Stück auch in anderen Erdteilen zur wirtschaftlicheren Alternative wird, als die fossilen Gegenstücke. Und das ist schließlich der einzige Weg, auch die ins Boot zu holen, die auf Klimaschutz aus Verpflichtung gegenüber den eigenen Mitmenschen heraus nur pfeifen würden.
Alle Menschen um mich fliegen in der Welt rum, ohne Sinn und Verstand, und zeigen mit dem Finger auf andere. Ich kann die austauschbaren Geschichten aus den ganzen scheiss Urlauben nicht mehr hören und die kommende Kerosin-Knappheit kaum erwarten. Ach ja, die Menschen waren so freundlich und das Essen war lecker? Erzähl mir mehr!
Wir haben an der Grundschule fünf Vegetarier (ohne die muslimische Kinder), von ca 120 Schülis. Das ist peinlich wenig. Gleichgültig gegenüber den Problemen, gleichgültig gegenüber Lösungen.Alle Menschen um mich fliegen in der Welt rum, ohne Sinn und Verstand, und zeigen mit dem Finger auf andere.
Ich nehme es eher so wahr, dass den Leuten das Klima herzlich egal ist. In ihnen wurde durch massive Werbung und das generelle gesellschaftliche Elend Bedürfnisse geweckt. Die fliegen irgendwo hin um in einer Hotelanlage am Strand zu braten, sich durchs Buffet zu schaufeln und fürs Foto an einer instagram location.
Da kommt man mit moralisierenden Argumenten nicht weit. Da müssen wir Gemeinschaften schaffen, aus denen man nicht mit oberflächlichen und kurzfristigen splurges fliehen will.
Wir haben an der Grundschule fünf Vegetarier
Gibt es an der Schule ein veganes Angebot? Da würde ich schon die Schuld ein wenig vom Individuum wegschieben.
Also ich muss sagen mich überzeugt die Argumentation in dem Artikel nicht so ganz, bzw. deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung der Faktenlage. Sie sagt, dass die vereinbarten Maßnahmen im Pariser Abkommen nicht das vereinbarte Ziel erreichen können. Das war von Anfang an klar. Hier tut sie aber so, das sämtliche Maßnahmen wirkungslos sind. Das ist aber ja auch nicht der Fall. Wir produzieren global weniger CO2 als wie es vor dem Abkommen prognostiziert war. Das bringt das Kernargument zum wackeln, scheinbar bringt das Abkommen ja doch was, auch wenn es nicht reicht um die Pariser Ziele bzw §20a GG zu erfüllen.
Auch die Gegenüberstellung von persönlichen Freiheiten mit den angeblichen wirkungslosen Klimamaßnahmen halte ich für fragwürdig. Die meisten Klimaschutzmaßnahmen sind marktregulatorischer Natur. Sich Dinge nicht leisten können ist keine Einschränkung der Freiheiten. Die wenigen tatsächlich Freiheitseinschränkungen sind bspw. das Heizungsgesetz, welches effektiv verbietet seine Abfälle in Form von Abgasen einfach so in der Nachbarschaft abzuladen. Das ist doch jetzt aber auch nichts neues.
Ja mit einigen Sachen hat sie Recht. Persönliche Einschränkungen für den Klimaschutz sind weniger wirksam und mehr performativ. Hier zieht sie aber auch wieder mMn falsche Schlüsse oder lässt ihre subjektive Wahrnehmung mit einfließen idk. Es war schon immer ein Zeichen der obere Mittelschicht zu zeigen, dass sie sich die aktuellen gesellschaftlichen Ideale leisten können. Das erzeugt aber nicht plötzlich Grabenkämpfe. Die Grabenkämpfe entstehen, weil weite Teile der Bevölkerung mit alternativen Fakten gefüttert werden und der Diskurs dadurch flöten geht.
Sich Dinge nicht leisten können ist keine Einschränkung der Freiheiten.
Merkwürdiger Freiheitsbegriff.
Das erzeugt aber nicht plötzlich Grabenkämpfe.
Doch schon. Wenn die einen Verzicht fürs große Ganze gepredigt bekommen und sich das kleine bisschen bescheidenen Luxus dank marktregulatorischer Mechanismen und neoliberaler Kackpolitik (die die Grünen ja auch mittragen, Stichwort Kündigungsschutz, Sanktionen für Arbeitslose) nicht mehr leisten können, man den Reichsten aber weiterhin erlaubt mit ihren Privatjets die Umwelt zu verpesten, dann erzeugt das ein vages Ungerechtigkeitsempfinden und Elitenhass, durch den dann erst die “alternativen Fakten” verfangen können.
Merkwürdiger Freiheitsbegriff.
Sie wird als Rechtswissenschaftlerin eingeführt, die hauptsächlich eine Entscheidung des Bundesverfassungsgericht kritisiert. Da mein Kommentar sich auf ihre Argumentation bezieht, habe ich den in diesem Rahmen üblichen Freiheitsbegriff verwendet. Ist also nicht meiner, hätte man aber besser hervorheben können.
Und während ich den Frust im zweiten Teil des Kommentars durchaus nachvollziehen kann, verpasst du glaube ich etwas den Punkt den ich machen wollte.
Frau Rostalskis argumentiert, dass die Solaranlage auf dem Dach, das E-Auto in der Einfahrt und die Story, dass man dieses Jahr mit dem Zug statt dem Flieger nach Italien gefahren ist, die Gesellschaft trennt in Klimaheilige und Klimasünder und so den Diskurs unmöglich macht.
Ich sage, dass sich hier eine Gesellschaftsklasse einfach nur verhält, wie sie es schon immer getan hat und die eigentlichen Probleme woanders liegen, die die Menschen in diese Lager unterteilt. Am Ende ist es das, was du ansprichst, wachsende Ungleichheit, Abstiegs- und Existenzängste, ein Gefühl das es schlechter wird. Das habe ich versucht mit dem Symptom “alternative Fakten” abzukürzen. Auch hier hätte man(ich) das klarer formulieren können.
Guter Artikel und treffende Darstellung der polarisierenden sozialen Klima-Grabenkämpfe.



