Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.
Der US-Präsident räumte zwar ein, dass die Verhandlungen in Pakistan „gut“ verlaufen seien, erklärte jedoch, Teheran habe sich geweigert, in der Frage seines Atomprogramms Zugeständnisse zu machen.
Bei wem denn? Der Iran bittet alle Schiffe zur Kasse, ganz unabhängig davon, woher sie kommen - und nicht etwa nur amerikanische oder israelische. Wo macht das Sinn?
Welche internationale Schifffahrtsroute haben wir für alle (!) anderen blockiert? Hier fahren ja sogar noch fröhlich russische Schattenflottentanker vor unserer Küste rum. Sollen die Dänen und Schweden jetzt alle Schiffe von und nach russischen Ostseehäfen beschießen, wenn sie durch den Öresund wollen?
Angriff auf den politischen Willen, der den Krieg vorantreibt: Je unangenehmer die Konsequenzen des Angriffs der US-Israeli-Koalition für alle anderen sind, desto größer der außenpolitische Druck. Trump mag auf keine diplomatische Vernunft hören, aber kein Regent regiert alleine und wenn seine Politik zerstörerisch genug ist, kriegt er irgendwann auch aus den eigenen Reihen Probleme. Das mag eine Weile dauern, aber je länger die Schrauben dran sind, desto unangenehmer werden sie.
Es hat auch für Iran Vorteile, sich im strategischen Geflecht internationaler Beziehungen als einflussreich zu etablieren. Wer seine Souveränität behalten und verteidigen will, macht am besten deutlich, dass es zu teuer wäre, ihn anzugreifen. Wenn sie die Schrauben einmal so richtig angezogen haben, um allen zu beweisen wie fest sie die kriegen, können sie danach auch wieder lockern um diplomatisches Kapital zu schöpfen - Hauptsache jeder behält im Kopf, wie übel die Alternative zur Diplomatie ist.
Wenn hier Völkerrecht über Bord geht, ist das ein Opfer unbedachter Aggressionen. Ein Verteidiger, der in die Ecke gedrängt wird, will nicht warten, bis ihm ein Grabstein gesetzt wird “Sie waren im Recht”. Das erste und oberste strategische Ziel jedes Staats ist das Überleben.
Und wie sollen Indien oder China die USA davon abhalten, ihre militärischen Abenteuer nach eigenem Gutdünken durchzuziehen? China ist doch heute schon strategischer Rivale der Amis und würde die lieber heute als morgen loswerden.
Aus Sicht des Irans machen deren Pläne für den Moment auch Sinn. Aber, und das ist halt mein Punkt, aus spieltheoretischer Sicht eben auch der Schritt der Amerikaner nun als Antwort darauf. Der in Konsequenz dann dazu führt, dass am Ende keiner was hat. Und für die Drittländer ist es von Interesse, dass sich so ein Ansatz nicht etabliert.
Diplomatie ist leider nur so mächtig wie die Druckmittel, die man einsetzen oder zumindest androhen kann, falls der gute Wille versagt. Das sind üblicherweise wirtschaftliche (z.B. Sanktionen) oder militärische Mittel. Sprich: Wenn die USA militärische Abenteuer probiert, können Indien oder China versuchen, wirtschaftliche Daumenschrauben anzusetzen, oder ihrerseits militärisch kontern.
Iran hat nicht die Mittel, militärische Macht bis nach Amerika zu projizieren, und ist wirtschaftlich selbst vergleichsweise unbedeutend. Ihnen bleibt also nur die Option, die Wirtschaft der anderen unter Druck zu setzen.
Warum? Iran hat selbst wenig Nutzen davon, dass die Schiffe passieren, da sie selbst (dank Sanktionen) eh nicht so viel am Ölhandel verdienen wie ihre Nachbarn. Sie waren auch in der Vergangenheit nicht auf die Gelder angewiesen, die sie jetzt abfordern, und können vermutlich auch weiterhin ohne leben. Es geht Iran hier nicht um den eigenen Profit, sondern um den Schaden für die USA und ihre internationalen Beziehungen. Die zusätzliche Blockade trifft sie also nicht groß.
Wen sie noch am ehesten trifft sind die Staaten, die prinzipiell passieren könnten, weil sie keine Verbündeten der USA sind. Ich glaube nicht, dass “Sei mein Freund, sonst…” ein kluger Spielzug ist.
Dass die Gefahr einer Blockade besteht war seit dem ersten Golfkrieg klar, aber Iran hatte bisher wenig Interesse daran, den schwelenden Konflikt zu eskalieren. Das hätte aus einer drohenden Atommacht ein akutes Problem ohne Atomwaffen gemacht und somit all die Profiteure des Ölhandels zum Feind gemacht und vermutlich einen weiteren Krieg angefangen. Solange sie den Ärger nicht eh schon haben, lohnt sich das einfach nicht.
Entsprechend ist es für Drittländer von Interesse, dass sie diesen Ärger weiterhin nicht haben. Der “Iran-Deal” war ein Versuch, die Situation zu entschärfen: Hauptsächlich ging es drum, das Atomwaffenprogramm einzufrieren, wodurch die drohenden Atommacht zumindest gebremst wäre. Aufheben der Sanktionen würde zusätzlich bedeuten, dass Iran doch vom Ölhandel profitieren könnte, und somit auch ein Interesse daran haben, die Straße offen zu halten.
Und dann geht so ein Idiot her, führt die Sanktionen wieder ein, nimmt Iran damit den Grund, das Atomprogramm zu pausieren und den Profit an der Straße, und greift sie an, wodurch obiges “Solange sie den Ärger nicht eh schon haben” wegfällt: Jetzt müssen sie durch die Blockade keinen Krieg befürchten, weil sie ihn eh schon haben.
Das Kind ist also längst im Brunnen. Iran haben unter Zwang bewiesen, wie viel Einfluss sie auf den Ölmarkt haben. Die vorher schwer zu beziffernde Drohung ist jetzt ein handfestes Druckmittel. Wenn der letzte Iran-Deal “Sanktionen gegen Atomprogramm” schon schlecht war, wird der nächste “Sanktionen gegen Ölhandel, aber das Atomprogramm behalte ich diesmal” noch viel beschissener.
Zumindest den Punkt des militärischen Konters können wir wohl begraben. Einer nuklear bewaffneten Vetomacht, die meint, dass für sie die Regeln nicht mehr gelten, ist militärisch von einer anderen Großmacht nicht beizukommen. Das sieht man bei Russland in der Ukraine, das sieht man jetzt bei Trump. In beiden Fällen gibt es zwar Hilfe, aber kein direktes Eingreifen. So war es früher auch schon.
Und die wirtschaftlichen Daumenschrauben werden doch längst bespielt: ob nun “Strafzölle”, Importverbote, Joint-Venture-Zwang, jede dieser größeren Mächte nutzt seine wirtschaftlichen Hebel ganz bewusst, um die jeweiligen Konkurrenten zu behindern.
Das verstehe ich ja, aber es ist eben auch wie mit einer Schrotflinte in eine Menschenmenge zu feuern. Klar kannst du dein Ziel dabei treffen, aber primär eben auch die anderen.
Da wäre ich mir nicht so sicher. Sicher verdienen sie nicht so viel wie bspw ein Saudi-Arabien, dennoch sind die Einnahmen aus dem Rohstoffexport ein erheblicher Stützpfeiler der iranischen Wirtschaft. Das Wegbrechen dieser Einnahmen dürfte für erhebliche Verwerfungen sorgen.
So oder so funktioniert der Ansatz der Iraner jedoch nur, wenn ihn nur die Iraner verfolgen. Wenn sie also die einzigen sind, die die Kontrolle über die Straße von Hormus an sich reißen und fortan nach eigenem Ermessen entscheiden, wer zu welchen Konditionen passieren darf. In dieser Situation liegt der Nutzen nur beim Iran und der Schaden nur bei den USA (bzw. eigtl auch bei allen Ländern, die davon betroffen wären). Entscheiden sich die USA nun jedoch, ebenfalls die Straße zu kontrollieren, haben sie zwar keinen wirklichen Nutzen gewonnen (denn der Iran wird mit seiner Blockade dafür sorgen, dass niemand im Sinne der Amerikaner durchkommt) aber damit wird der Schaden auch auf den Iran verteilt, während der ursprüngliche Nutzen verschwindet. Daher gibt es eine große Motivation für die Amerikaner, so zu handeln und es ist aus spieltheoretischer Sicht logisch. Nur noch mal zur Sicherheit: die Vorzeichen “Iran” und “USA” sind für dieses Ergebnis im Übrigen vollkommen unerheblich, es wäre ebenso logisch, wenn stattdessen der Iran so auf eine Blockade + “Maut” der Amerikaner reagieren würde.
Nun haben die Drittländer jedoch diesen Ärger und werden im eignen Interesse gezwungen sein, darauf zu reagieren. Das kann, muss jedoch keinesfalls im Sinne des Irans sein. Die Wette, dass die Weltgemeinschaft in diesem Konflikt nun die USA als die “weichere” Position auffassen werden und diese zu beeinflussen versuchen, ist mindestens gewagt. Das Regime in Teheran steht der “negativen Beliebtheit” eines Trumps nicht unbedingt nach. Es wird sich die Frage stellen, auf welcher Seite man die schnellste/günstigste Lösung vermutet.
Ja, das war eher der Theorie halber. Dass das praktisch nur in Katastrophe enden würde ist uns allen klar.
Ist auch ein schwieriges Spiel, den anderen mehr zu behindern als man sich selbst dafür wirtschaftlich ins eigene Fleisch schneidet. Wir könnten glaube ich alle so viel besser dran sein, wenn nicht dauernd irgendwelche Astlöcher einander ausstechen wollten.
Wenn die anderen einen Aggressionskrieg dulden oder gar unterstützen sind sie aus Sicht des Verteidigers ebenfalls Ziele. Sonst sind sie Kollateralschäden der Notwehr, die das den USA anlasten sollten. Und wenn du nicht nah genug an das Ziel rankommst, um dich präziser zu verteidigen… Bei Ukraine sind wir alle eingesprungen und haben geholfen, aber Palästina schreit seit Jahren vergeblich um Hilfe.
Ja, ist beschissen, aber nicht ihre Schuld.
Laut https://www.worldstopexports.com/worlds-top-oil-exports-country/ waren das in 2024 21k USD. Klingt für mich danach dass der Stützpfeiler schon weggebrochen ist, wodurch wir wieder bei “haben nicht viel zu verlieren” wären.
Ich glaube, der Ansatz ist nicht primär das feine Kontrollieren sondern erstmal überhaupt das Stören. Das auf Dauer im Detail zu kontrollieren wäre erheblicher Aufwand bei der Menge an Schiffen, die normal durchfährt. Das geht, wenn man es als “begrenzte Ausnahme” einer Sperre macht, aber langfristig ist ja auch für Iran das Ziel, das wieder zu öffnen (nur halt nicht auf Kosten ihrer Souveränität).
Deswegen glaube ich nicht, dass das der Plan ist. Es reicht, wenn klar ist, dass sie zumachen können. In der Schrotflintenanalogie: “Solange auf mein Haus geschossen wird, ist die Straße nicht sicher.” Und das funktioniert auch wenn andere mitmachen.
Das sehe ich anders.
Die USA haben an der Region hauptsächlich das Interesse, dass Öl und Gas fließen. Das zu blockieren oder zu hemmen würde ihren eigenen Zielen schaden. Klar könnten sie eine Maut verlangen - das wird dann halt auf den Preis aufgeschlagen.
Iran hat hauptsächlich das Interesse, weiterhin zu existieren. Einen Krieg mit den USA zu riskieren würde das gefährden. Sie könnten sich die Blockade nicht leisten, wenn sie nicht eh schon im Kampf um ihr Überleben wären.
Wenn wie statt Iran China einsetzen, würde das schon mehr Sinn machen, von dem Risiko militärischer Eskalation abgesehen.
Selbst wenn die Weltgemeinschaft hinter Trump stünde, würde ein weiterer Golfkrieg massive Kosten fordern und signifikanten Schaden in der Region anrichten. Die Blockade ist ja nicht das einzige militärische Ziel. Bedenke, wie schwer es die Koalition schon in Irak hatte. Dann bedenke, dass Iran doppelt so viele Bürger hat, dreimal so groß ist und viel unwegsames Gelände hat, was eine Offensive auf dem Boden schwierig und teuer machen würde, selbst wenn sie keine Unterstützung von anderen Mächten bekämen, die dem US-Bündnis eine auswischen wollen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die politische Frage: Wie viele tausende Leben wollen wir diesmal opfern, um hoffentlich den Status Quo Ante wieder herzustellen?
(Abgesehen davon: Was hat Iran bei der Wette zu verlieren? Ihre Existenz steht ja schon auf dem Spiel.)
Das Regime in Teheran hat zumindest strategisch weniger den Ruf, unberechenbar und willkürlich wortbrüchig zu sein. Der Deal “Sanktionen gegen Atomwaffen” war für sie vorteilhaft, keine Frage, aber es bestanden vermutlich auch gerade deswegen laut der IAEA keine Indizien, dass sie sich nicht daran gehalten hätten (und verzeih mir, wenn ich den Behauptungen der USA, wer jetzt schon wieder vermeintlich Atomwaffen hätte, nicht mehr uneingeschränkt glaube).
Wenn ich überlege, wen ich aus sicherheitspolitischer Sicht eher beschwichtigen will, rechne ich mir doch bessere Chancen mit “Ich will vor allem überleben” als mit “Ich will alles haben - Kanada, Grönland, eigentlich soll mir die ganze EU zu Füßen liegen, Venezuella hab ich eh schon unterworfen und wer als nächstes dran ist muss ich mir noch einreden lassen - und mir sind alle Zusagen und Bündnisse egal.”
Iran wird die Blockade vermutlich im Gegenzug für Konzessionen aufheben. Bei den USA weiß ich nicht, ob die nicht nachher beschließen “Ach weißt du was, so ein Erpressungsschema ist doch eigentlich ganz nett. Fühlt sich nach Macht an. Ich mag Macht.”
Ja, Iran ist ein Problem und das Regime ist grausam zu seinen Bürgern. Die USA sitzen da leider gerade im Glashaus. Wir leiden auch drunter, wenn auch bisher weniger. Der ganze Scheiß geht so oder so auf den Nacken der Armen, und in diesem Fall sind die USA der Aggressor. Alle strategischen Überlegungen beiseite wäre das Grund genug, sie genauso zu verurteilen wie Russland.
Das stimmt. Tun sie aber, und offenbar werden es erst mal nicht weniger.
Naja… alle? Es gibt genügend Länder, die sich vornehm mit der Kritik zurückhalten. Von China, das das mit Rücksicht auf seinen Partner Russland bis heute nicht als “Angriffskrieg” bzw überhaupt “Krieg” bezeichnen will und stattdessen unter der Hand fröhlich dran verdient, bis zum besagten Iran, der auch keinerlei Probleme damit hat, Russlands völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein für sie vollkommen unbeschriebenes Land vor unserer Haustür zu unterstützen. Und selbst in Europa haben wir Länder, die erstaunlich viel Verständnis dafür haben, dass Russland einfach mal mit Krieg seine Grenzen verschieben will, wie als wären wir wieder in den 40ern. Und den weitaus meisten Ländern auf der Welt ist es vollkommen egal. Vielleicht allenfalls mahnende Worte vor der UN. Das ist doch die Welt, in der wir längst leben: am Ende interessiert es keinen, gehandelt wird nur unter Zwang oder wenn es opportun ist
Ich hatte von ~1.3 Mio Barrel pro Tag 2025 gelesen.
So wie ich die Äußerungen des Iran verstehe, möchte man das als dauerhaftes System etablieren, um sich eine ständige Einnahmequelle zu eröffnen. Und das wird wohl wenig Anklang bei den anderen Ländern finden. Denn es würde nicht zuletzt ein System normalisieren, nach dem Länder plötzlich nach Gutdünken in das Gemeingut freier Schiffsverkehr eingreifen, um sich zu bereichern. Das ist in niemandes Interesse.
Dann missverstehst du mich vielleicht: es geht mir darum, dass es bei dieser spieltheoretischen Betrachtung egal ist, welche Seite (aus welchen Gründen auch immer) zuerst den Schritt der Blockade + “Maut” geht. In beiden Fällen hat die jeweils andere Seite einen immensen Anreiz, ebenfalls zu blockieren und damit das System des ersten zu zerstören. Vergleich es vielleicht mit Atomwaffen: wenn die eine Seite es nutzen will, muss die andere Seite glaubhaft machen, dass sie es ebenfalls tut. Nur dann entsteht die Situation, dass sich keine Seite mehr einen Nutzen daraus erhoffen kann und darin eine gangbare Option sieht.
Hat er doch schon. Die Amerikaner und Israelis haben den Iran massiv bombardiert, der Iran dafür die Rohstoff-Infrastruktur der anderen Golfstaaten angegriffen. Die Schäden und Kosten, die Eskalation sind längst da, das “Eis” also längst gebrochen.
Wohl niemand ist so willkürlich wortbrüchig wie Trump. Aber ein Iran, der mit Raketen eine 4000km entfernte Militärbasis angreift, obwohl er jahrelang beteuert hat, gar kein Raketenprogramm dieser Reichweite zu besitzen oder anzustreben und deswegen die Sanktionen unberechtigt wären, der sich mit seinem Nuklearprogramm zumindest “sehr intransparent” verhalten hat, steht jetzt in der internationalen Liste des Vertrauens auch nicht wirklich weit oben. Dazu kommt, dass die USA wirtschaftlich erheblich mächtiger sind und sich die wenigsten Länder eine offene Feindschaft mit ihnen leisten können, während der Iran international bereits weitestgehend isoliert ist.
Saudi arabien, kuwait, oman welche den Löwenanteil des exports durch die meerenge haben und welche US militär garantien gegen permanente basen und USD Öl handel getauscht haben. Das ist definitiv relevanter Druck auf die USA.
Iran kassiert die Maut jedoch bisher von bspw. chinesischen oder indischen Schiffen. Also solchen, die nicht Teil der feindlichen US-Sphäre sind.
Schiffe, die von Teheran als feindlich eingestuft werden, dürfen überhaupt nicht passieren.
Diese Länder sind neutral. Freundlich sind die, wo die Botschafter ausgewiesen wurden oder die sich anderweitig auszeichnen wie Irak und Spanien.