Zwei neue Studien zeigen, dass Städte zugleich auch Potenzial besitzen, in ihren Grünanlagen Kohlenstoff zu speichern und die Emissionen teilweise zu kompensieren. “Die Bedeutung urbaner Grünflächen für den Klimaschutz ist bislang oft unterschätzt worden”, sagt einer der Studienautoren, der Landschaftsökologe Till Kleinebecker von der Justus-Liebig-Universität Gießen. “Dabei können Grünflächen als bedeutende Kohlenstoffsenken wirken.”
Das ist Desinformation und eine Unwahrheit. Ich hoffe, die Autoren haben das nicht so gemeint, weil ich nicht nachvollziehen kann, wie jemand der vom Fach ist, absichtlich so eine Falschbehauptung aufstellen kann.
Punkt 1:
Die Zeitskalen, um die es geht.
CO2 - Emissionen bestehen aus fossilem Kohlenstoff, der freigesetzt wird, Dieser fossile Kohlenstoff wurde über hunderte Millionen Jahre gebildet (die Kohlevorkommen z.B. vor 300 Millionen Jahren, als Mikroorganismen noch nicht gut drin waren, Holz aus den damals neuen Bäumen abzubauen).
Das ist überhaupt nicht zu vergleichen mit der jahreszeitlichen Bindung von CO2 in Bäumen. Etwa die Hälfte der Biomasse von Bäumen in unseren Breiten besteht aus grünen Blättern. Die werden über den Winter und bis zum Frühjahr wieder abgebaut, und das CO2 kommt so wieder in die Luft. Der Rest wird zu Holz, was in der Regel abgebaut wird, wenn der Baum stirbt.
Dass ein Lebewesen zum fossil wird und das CO2 in seiner Biomasse dauerhaft gebunden wird, ist in der Natur die absolute Ausnahme, es passiert in weit weniger als einem Millionstel der Fälle. Hat jemand von euch einen Uropa oder Grossonkel, der zum Fossil geworden ist? Also ich nicht.
Um aber die Freisetzung des CO2, die für mindestens Zehntausende von Jahren wirksam ist, und ausserdem noch die Freisetzung von weiterem CO2 induziert (siehe Methanhydrate / Tundra / Moorgebiete, die wegen der Erwärmung verrotten), zu kompensieren, musste man das CO2 für hunderte von Millionen Jahren binden. Das kann man nicht durch Pflanzen von Bäumen.
Punkt 2:
Die Quantitativen Verhältnisse.
Einen Blick auf die quantiativen Verhältnisse erlaubt die Keeling-Kurve:

Hier dieselbe Kurve als skalierbare Vektorgraphik, welche die Details besser zeigt
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Keeling-Kurve
Sie zeigt den zeitlichen Verlauf des atmosphärischen CO2.
Wenn man sie sich genau anschaut, sieht man, dass es neben dem langfristigen Anstieg jahreszeitliche Schwankungen gibt: Innerhalb diesser ist der CO2-Gehalt im Frühsommer am höchsten, und im Späterbst am niedrigsten.
Dies kommt von einer Kombination von 2 Faktoren:
- Während des Sommers nehmen Laubbäume und grüne Pflanzen der mittleren Breiten CO2 aus der Luft auf
- Da die grosse Mehrheit der Landmasse auf der Erde auf der Nordhalbkugel ist, und die Südhalbkugel ganz wenig mittlere und kalte Breiten hat, dominiert die Nordhalbkugel den Effekt.
Was man also sieht, ist das “Atmen” der grünen Pflanzen auf der Nordhalbkugel im Jahresverlauf.
Dies erlaubt es, den Effekt der lebenden Biomasse auf den CO2-Gehalt abzuschätzen. Dazu kommen noch das Holz in Bäumen (das 50% der Biomasse in Bäumen ausmacht), die Nadelbäume (die aber weniger stoffwechseln wegen ihrer meist kalten Standorte), und die tropischen Pflanzen.
Aber wenn man das ins Verhältnis setzt zum globalen exponentiellen Anstieg des CO2, sieht man dass der Efekt der Biomasse schon nach ungefähr 2 Jahren aufgezehrt ist. Verdoppelt man das wegen den oben genannten Faktoren, so kann man näherungsweise sagen, dass die Menschheit in ca. 5 Jahren näherungsweise so viel CO2 frei setzt, wie alle grünen Pflanzen binden.
Und deswegen kann man das nicht mit Anpflanzen von Stadtbäumen kompensieren.
Und deswegen ist die Ausssge, dass man das so kompensieren könne, eine Falschbehauptung, oder eine Lüge.
Natürlich sind fossile Konzerne wie z.B. die Luftfahrtunternehmen daran interessiert, dieses Märchen aufrecht zu erhalten. So können sich die Kunden damit beruhigen, dass sie mit “CO2-Kompensation” die Folgen des Fliegens kompensieren. Das ist aber eben nicht wahr.
Dessen ungeachtet haben natürlich Bäume in der Stadt eine Vielzahl von positiven Wirkungen, z.B. kühlen sie die Stadt, was in Hitzewellen lebenswichtig wird, und wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt aus. Sicherlich brauchen wir Bäume und Grün!!
Aber wenn man weniger CO2 in der Luft haben will, muss man:
- aufhören mit Fliegen
- aufhören mit Fleisch essen
- aufhören mit privatem Auto fahren
- die Heizung runter drehen, Häuser isolieren, und Wärmepumpen einbauen
- die Landwirtschaft und das Bauen decarbonisieren
und daran führt kein Weg vorbei.
Ich hoffe, die Autoren des obigen Tagesschau-Artikels machen die verbreitete Desinformation wieder gut.
In einem Liter Benzin sind 2,37 Kilo CO2. Selbst wenn Bäume nur den Kohlenstoff speichern, kann jeder sich ausrechnen, wie viele Kilo Holz wachsen müssen, um auch nur moderate kleine Autotouren zu kompensieren. Beziehungsweise ist kompensieren sogar der falsche Begriff. Das große Problem ist ja, dass wir zusätzliches CO2 in die Atmosphäre bringen, wenn wir Öl verbrennen. Das können Bäume eben nicht langfristig speichern. Die schaffen das vielleicht über 100, 200 Jahre maximal. Einige vielleicht länger, aber danach sterben sie und verrotten und setzen das CO2 wieder frei. Das Problem ist ja gerade, dass Öl fossil eingeschlossene tote Pflanzen sind und damit auch aus der Atmosphäre entferntes CO2. Wenn wir das jetzt ausbuddeln und wieder freisetzen, ist es da. Auch wenn wir es gewissermaßen in Bäumen zwischenlagern. Ähnlich wie Atommüll hat man dann ein Zwischenlager. Man hat vielleicht für 50 oder 100 Jahre Ruhe. Aber irgendwann muss man sich Gedanken über die Endlagersuche machen.
In einem Liter Benzin sind 652g Kohlenstoff. Erst zusammen mit Sauerstoff aus der Luft ergibt sich 2,37kg CO2. Ein Baum nimmt pro Jahr ungefähr 3 kg Kohlenstoff auf. Mit 7l auf 100 km kann man also 65 km fahren und stößt damit so viel aus wie ein Baum in einem Jahr wächst. Wäre für mich ne moderat kleine Autotour.
Das funktioniert trotzdem nicht:
Benziner wurden 2024 im Schnitt 9.555 Kilometer weit bewegt, Diesel 16.984.
https://www.zdfheute.de/wissen/trendwende-auto-fahrleistung-100.html
Wenn wir also deine Daten nehmen und das durchrechnen, bräuchte jedes Auto 147 Bäume um den CO2-Ausstoß zu kompensieren. Das ist ein ordentlicher Wald.
Autos stoßen ne Menge CO2 aus, ja. Wollte nur mal das Beispiel in deinem Kommentar durchrechnen.
Mit 7l auf 100 km kann man also 65 km fahren
musst Du noch durch mindestens eine Million dividieren, weil das wenigste Holz was wächst, jemals fossil wird.
Du kommst mit dem, was ein Baum aufnehmen kann, also höchstens 65 Millimeter weit.
Das gilt auch fürs Flugzeug, weil Passagierflugzeuge Pi mal Daumen etwas genauso viel CO2 pro Personenkilometer ausstossen wie Autos (man natürlich damit aber viel weitere Strecken zurück legt).
Mindestens eine Millionen! Solide Rechnung
Also Bäume verbuddeln? Oder unter Hochdruck komprimieren, bis sie sich verflüssigen, und wieder unter die Erde pumpen? Was soll schon schiefgehen…
Perfekt, dann können wir mit ein paar Bäumen wieder den Autoverkehr fördern /s
Vielleicht können wir noch irgendeinen Schlüssel definieren, keinen Plan - 100 Autos 1 Baum, dann können wir vielleicht noch ein paar Bäume abholzen für mehr wundervolle Parkplätze <3
Ist bei mir auf der Straße passiert: Überall Beton, 15 Minuten zu Fuß zur nächsten Grünfläche, 3 parallele Straßen wo Autos mit mindestens 50 mehrspurig langballern und es werden Bäume für Parkplätze gefällt. Meanwhile wurde der Park&Ride wieder kostenpflichtig.
Es kotzt mich so an in einer Stadt zu wohnen die auf Autofahrende und Touristen ausgelegt ist und als Bewohner haste nur die hohen Preise und keine 3rd Spaces.
Mal abgesehen davon, dass sie durch ihre Wasserabgabe und Schatten die Stadt kühlen und auch emotional positive Effekte haben
Na zum Glück wird gerade in Darmstadt der Osthang gerodet, für ein Besucherzentrum das niemand braucht.
Darmstadt ist voll für’n Arsch.
Tolles Argument,
kann gerne auf den
Haufen zu den
anderen
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Der riesige Haufen Argumente
dafür, dass Bäume in der Stadt
sinnvoll sind, jenseits vom
Autoverkehr







