• HaraldvonBlauzahn@feddit.org
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    17 hours ago

    Zwei neue Studien zeigen, dass Städte zugleich auch Potenzial besitzen, in ihren Grünanlagen Kohlenstoff zu speichern und die Emissionen teilweise zu kompensieren. “Die Bedeutung urbaner Grünflächen für den Klimaschutz ist bislang oft unterschätzt worden”, sagt einer der Studienautoren, der Landschaftsökologe Till Kleinebecker von der Justus-Liebig-Universität Gießen. “Dabei können Grünflächen als bedeutende Kohlenstoffsenken wirken.”

    Das ist Desinformation und eine Unwahrheit. Ich hoffe, die Autoren haben das nicht so gemeint, weil ich nicht nachvollziehen kann, wie jemand der vom Fach ist, absichtlich so eine Falschbehauptung aufstellen kann.

    Punkt 1:

    Die Zeitskalen, um die es geht.

    CO2 - Emissionen bestehen aus fossilem Kohlenstoff, der freigesetzt wird, Dieser fossile Kohlenstoff wurde über hunderte Millionen Jahre gebildet (die Kohlevorkommen z.B. vor 300 Millionen Jahren, als Mikroorganismen noch nicht gut drin waren, Holz aus den damals neuen Bäumen abzubauen).

    Das ist überhaupt nicht zu vergleichen mit der jahreszeitlichen Bindung von CO2 in Bäumen. Etwa die Hälfte der Biomasse von Bäumen in unseren Breiten besteht aus grünen Blättern. Die werden über den Winter und bis zum Frühjahr wieder abgebaut, und das CO2 kommt so wieder in die Luft. Der Rest wird zu Holz, was in der Regel abgebaut wird, wenn der Baum stirbt.

    Dass ein Lebewesen zum fossil wird und das CO2 in seiner Biomasse dauerhaft gebunden wird, ist in der Natur die absolute Ausnahme, es passiert in weit weniger als einem Millionstel der Fälle. Hat jemand von euch einen Uropa oder Grossonkel, der zum Fossil geworden ist? Also ich nicht.

    Um aber die Freisetzung des CO2, die für mindestens Zehntausende von Jahren wirksam ist, und ausserdem noch die Freisetzung von weiterem CO2 induziert (siehe Methanhydrate / Tundra / Moorgebiete, die wegen der Erwärmung verrotten), zu kompensieren, musste man das CO2 für hunderte von Millionen Jahren binden. Das kann man nicht durch Pflanzen von Bäumen.

    Punkt 2:

    Die Quantitativen Verhältnisse.

    Einen Blick auf die quantiativen Verhältnisse erlaubt die Keeling-Kurve:

    Keeling-Kurve, gemessen auf dem Vulkan Mauna Loa in Hawaii

    Hier dieselbe Kurve als skalierbare Vektorgraphik, welche die Details besser zeigt

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Keeling-Kurve

    Sie zeigt den zeitlichen Verlauf des atmosphärischen CO2.

    Wenn man sie sich genau anschaut, sieht man, dass es neben dem langfristigen Anstieg jahreszeitliche Schwankungen gibt: Innerhalb diesser ist der CO2-Gehalt im Frühsommer am höchsten, und im Späterbst am niedrigsten.

    Dies kommt von einer Kombination von 2 Faktoren:

    1. Während des Sommers nehmen Laubbäume und grüne Pflanzen der mittleren Breiten CO2 aus der Luft auf
    2. Da die grosse Mehrheit der Landmasse auf der Erde auf der Nordhalbkugel ist, und die Südhalbkugel ganz wenig mittlere und kalte Breiten hat, dominiert die Nordhalbkugel den Effekt.

    Was man also sieht, ist das “Atmen” der grünen Pflanzen auf der Nordhalbkugel im Jahresverlauf.

    Dies erlaubt es, den Effekt der lebenden Biomasse auf den CO2-Gehalt abzuschätzen. Dazu kommen noch das Holz in Bäumen (das 50% der Biomasse in Bäumen ausmacht), die Nadelbäume (die aber weniger stoffwechseln wegen ihrer meist kalten Standorte), und die tropischen Pflanzen.

    Aber wenn man das ins Verhältnis setzt zum globalen exponentiellen Anstieg des CO2, sieht man dass der Efekt der Biomasse schon nach ungefähr 2 Jahren aufgezehrt ist. Verdoppelt man das wegen den oben genannten Faktoren, so kann man näherungsweise sagen, dass die Menschheit in ca. 5 Jahren näherungsweise so viel CO2 frei setzt, wie alle grünen Pflanzen binden.

    Und deswegen kann man das nicht mit Anpflanzen von Stadtbäumen kompensieren.

    Und deswegen ist die Ausssge, dass man das so kompensieren könne, eine Falschbehauptung, oder eine Lüge.

    Natürlich sind fossile Konzerne wie z.B. die Luftfahrtunternehmen daran interessiert, dieses Märchen aufrecht zu erhalten. So können sich die Kunden damit beruhigen, dass sie mit “CO2-Kompensation” die Folgen des Fliegens kompensieren. Das ist aber eben nicht wahr.

    Dessen ungeachtet haben natürlich Bäume in der Stadt eine Vielzahl von positiven Wirkungen, z.B. kühlen sie die Stadt, was in Hitzewellen lebenswichtig wird, und wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt aus. Sicherlich brauchen wir Bäume und Grün!!

    Aber wenn man weniger CO2 in der Luft haben will, muss man:

    • aufhören mit Fliegen
    • aufhören mit Fleisch essen
    • aufhören mit privatem Auto fahren
    • die Heizung runter drehen, Häuser isolieren, und Wärmepumpen einbauen
    • die Landwirtschaft und das Bauen decarbonisieren

    und daran führt kein Weg vorbei.

    Ich hoffe, die Autoren des obigen Tagesschau-Artikels machen die verbreitete Desinformation wieder gut.