Eine junge Krankenwagenfahrerin des DRK war auf einem Bahnübergang in Ahaus stehengeblieben. Ein Zug krachte in das Fahrzeug. Die Patientin im Wagen starb. Heute beginnt der Prozess gegen die damals 18-jährige Rettungshelferin und Fahrerin vor dem Amtsgericht Borken.
Die Älteren werden sich erinnern: https://feddit.org/post/19570154



Ich bin wichtig und der Zug soll gefälligst warten, odawas?
Mit der Situation überfordert und ungeeignet für die Aufgabe. Kommt in dem Bereich leider oft vor. Das ist ein strukturelles Problem.
Organisatorisch ist es so, dass von den 2 Leuten auf einem Rettungswagen, derjenige mit der höheren Ausbildung und mehr Erfahrung beim Patienten bleibt, der Andere fährt. Deshalb fahren dort regelmäßig Leute, die frisch Führerschein und keinerlei Fahr- und Lebenserfahrung haben, unter Stress und extremem Zeitdruck mit Autos, die ein schönes Stück größer und schwerer sind, als ein PKW, in der Gegend rum. (Inzwischen kann man Rettungswagen nicht mehr auf 3,5t-Fahrgestellen bauen, weil die Hersteller keine leichten Fahrgestelle mit ausreichend großer Zuladung mehr hinkriegen. Das sind also in der Regel 5,5-Tonner)
Das ist der Punkt über den ich mich gewundert habe. Einer meiner Brüder ist Notfallsanitäter, also eine Stufe über einer Rettungshelferin und darf keinen Rettungswagen fahren, da dazu ein spezieller C Klasse Führerschein notwendig ist.
Ist das auf dem Bild also vermutlich noch so ein 3,5 Tonner?
Sieht man tatsächlich auf dem Bild, dass das noch ein 3,5-Tonner ist, denn der hat auf der Hinterachse keine Zwillingsreifen. (Bei Straßenfahrgestellen haben Fahrzeuge über 3,5t Gesamtgewicht in der Regel Zwillingsbereifung auf der Hinterachse)
Aber es ist auch nicht unüblich, dass die Leute gleich Führerschein Klasse C1 machen und dann damit auf die Menschheit losgelassen werden. Und ein Führerschein alleine ersetzt keine Erfahrung. Gerade, weil die in dem Bereich üblichen Fahrzeuge immer weniger LKW-ähnlich werden, (schwerere Kleintransporter) denn wenn man sich nicht bewusst ist, was man da eigentlich fährt, unterschätzt man gerne das Gewicht und seine Auswirkungen auf das Fahrverhalten.
Übrigens ist Notfallsanitäter gut 2 Stufen über Rettungshelfer. Rettungshelfer ist die niedrigste Qualifikation, die es im Rettungsdienst überhaupt gibt.
Dass ein fertiger Notfallsanitäter nicht mehr für teuer Geld in die Fahrschule geschickt wird, C1 machen, ist wegen der Regelung, dass der Höchstausgebildete eh nicht fährt, dann eigentlich auch fast wieder logisch.
Sicher? Ich dachte der Ablauf ist Rettungshelfer -> Notfallsanitäter -> Notfallhelfer?
Nein. Notfallsanitäter ist die höchste Qualifikation. Rettungshelfer ist nur wenig mehr, als ein Erste-Hilfe-Kurs. Dann kommt Rettungssanitäter, den macht man in ein paar Wochen, und Notfallsanitäter ist eine 3-jährige Ausbildung. In der Vergangenheit gab es statt Notfallsanitäter den Rettungsassistenten, der ähnlich qualifiziert war.
„Heute transportier ich eine ältere Dame, eigentlich spiel ich nur Taxi. Jetzt klopfen meine Kollegen hinten gehen die Trennwand, dass aus der Taxifahrt ein Einsatz geworden ist; der Zustand der Person ist auf einmal schlechter geworden. Okay, Auto abstellen und ihnen helfen die Dame zu stabilisieren.“
Ich kann mir vorstellen, dass die junge Rettungsfahrerin in dem Moment einen Tunnelblick bekommen hat, wo das Stabilisieren der Patientin das Einzige war, woran sie gedacht hat – immerhin ging es da akut um Leben und Tod. Ein paar Jahre mehr Erfahrung und sie hätte sicher etwas mehr Geistesgegenwart und Seelenruhe gehabt, um das Fahrzeug zuerst an einem sichereren Ort abzustellen.
Wenn man IN der Situation ist, denkt man oft nicht an offensichtliche Dinge. Aufregung, Panik, Stress, fehlende Erfahrung usw.
Und genau das ist der Fehler. Eigentlich ist es kriminell, Leute, die mit einer so einfachen Situation so überfordert sind, überhaupt erst in diese Situation zu bringen. Das hat schon bei der Führerscheinprüfung angefangen, denn wenn man einen Führerschein hat, sollte man eigentlich vorher kapiert haben, dass man, wenn man mitten auf dem Bahnübergang parkt, sehr wahrscheinlich kurze Zeit später tot ist.
Ja, gebe ich dir absolut Recht. Die Schuld sollte dann aber auch bei den Verantwortlichen gesucht werden, die eine unerfahrene 18 Jährige ans Steuer lässt.
Wie an anderer Stelle schon gesagt, das hat System.
Der Begriff, nach dem Du suchst, heißt “Selbsterhaltungstrieb”. Denn wenn man auf dem Bahnübergang stehenbleibt, kann man auch gleich beim nächsten Bestatter anrufen und sich nen schönen Sarg und Grabstein aussuchen, wenn man die Geistesgegenwart hat, sich auf die sehr wahrscheinlich baldige ewige Seelenruhe gebührend vorzubereiten.
Stimmt, das Wort passt sehr gut. Sollte man vielleicht an jedem ebenerdigen Bahnübergang auf ein Schild schreiben, mit einem Fragezeichen dahinter 😉
Hat die Dame sicherlich ich nicht mit Absicht getan.
Absicht oder nicht ist egal. Wer auf die Idee kommt, mit einem Straßenfahrzeug auf einem Bahnübergang stehenzubleiben, sollte nie einen Führerschein bekommen haben.
Du solltest irgendwann lernen, das Menschen Fehler machen. Und das Akzeptieren. Es ist nicht möglich eine Welt ohne Fehler zu schaffen und der einzige Weg den Schaden zu begrenzen ist Systeme sicherer und besser zu machen.
Hast du in deinem Leben noch nie eine Situation erlebt die deine Leistungsfähigkeit mindert? Oder in der es erwartbar ist, dass du elementares gefährlich falsch machst, da nicht alles gleichzeitig zu schaffen ist?
Ein Klassenkamerad von mir hat eingegriffen als sein Kumpel niedergestochen worden ist und ihm erging es ebenso. Der Täter wurde dann von einem Polizisten in Zivil auf der Flucht angehalten. Beide haben glücklicherweise überlebt. Was hättest du getan? Es gibt nunmal Situationen in denen man unter Druck handeln muss. Die Stakes sind oft leider Leben.
Um solche tödlichen Fehler zu vermeiden, gibt es so Dinge wie z.B. die Führerscheinpflicht für Kraftfahrzeuge. Und dass man nicht auf einem Bahnübergang stehenbleibt, egal, warum, weil man sonst sehr wahrscheinlich tot ist und dabei auch noch einem Lokführer das Leben versaut, lernt man, wenn man Führerschein macht.
In einem Beruf, der etwas stressiger ist, als ein chilliger Bürojob, sollte man auch die Leute, die das machen, vielleicht etwas sorgfältiger auswählen. Denn dass es Patienten unerwartet schlechter geht und man dann vor einer Situation steht, wo es um Leben und Tod geht, ist im Rettungsdienst Routine. Unter Druck handeln ist da Normalität. Davon sollte niemand in einer so verantwortungsvollen Position, wie der des Fahrers, so überfordert sein.
Hm, ja. Und wenn da ein Zug angerauscht kommt, geht es um…? 🙃
Es geht auch um Leben und Tod, aber nicht so akut wie bei „mein Patient stirbt gerade“.
Deine ganzen Kommentare lassen aber darauf schließen, dass du mit solchen Nuancen hoffnungslos überfordert bist.
O je, und von wo hast du “Nuancen” jetzt abgetippt?
10 Meter weiter geht es dem Patienten nicht viel anders, außer, dass er jetzt tatsächlich eine Chance hat, zu überleben, weil eben kein Zug in den RTW reindonnert.
Zwuzel, ich komme nicht darum zu bemerken, dass du häufig eine konträren Standpunkt zu Dingen einnimmst, die die Leute so nicht formulieren.
Bist halt ein hoffnungsloser Politiker. Bei normalen Menschen gibt es auch manchmal Gedanken, die nicht gleich “Standpunkt” sein müssen.
Tja, Prioritäten.
Die kommen halt mal durcheinander, wenn man nicht die nötige Stressresistenz für eine solche Aufgabe hat. Dass man die Stressresistenz vielleicht gar nicht erst entwickeln konnte, weil man ohne viel Erfahrung einfach so ins kalte Wasser geschmissen wurde, steht in einem anderen Buch.