• Beemo Dachboden@feddit.org
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    2 days ago

    Das ist ja sowas von dumm mal wieder.

    Die Pension als Alterssicherung der Beamten ist Teil der Entlohnung. Sie ist direkt verantwortlich dafür, dass der öffentliche Dienst damit davonkommt, Löhne deutlich unter dem eigentlichen Lohnniveau zu zahlen.

    Der öffentliche Dienst hat seit Jahrzehnten Probleme, seine Stellen besetzt zu bekommen.
    Geschweige denn mit guten Fachkräften besetzt zu bekommen.
    Das kommt ja nicht daher, dass es den Beamten zu gut geht.

    Die Pension ist das größte Argument, wie man einem fähigen Menschen den gehobenen öffentlichen Dienst überhaupt schmackhaft machen kann.

    Ich bin Akademiker und verdiene jeden einzelnen Monat spürbar weniger Geld als die meisten anderen Menschen in meiner persönlichen Bubble mit vergleichbarem Bildungsstand.
    Das ist Geld, das ich nicht in meine Altersvorsorge stecken kann, weil ich es einfach nicht habe. Aber das ist auch okay, weil ich hoffentlich irgendwann weniger Altersvorsorge brauchen werde.

    Wenn man das jetzt wegnimmt, dann müsste entweder mein Gehalt aber ganz saftig steigen, damit ich privat für mein Alter vorsorgen kann, und zwar auch rückwirkend für die Pensionsansprüche, die ich bereits erworben habe.
    Oder man macht es wie bei der Privatisierung der Bahn, bei der die ehemaligen Beamten großzügige Altersvorsorgepakete erhalten haben.

    Nichts davon hilft irgendeinem Rentner in Deutschland auch nur das kleinste bisschen.

    Oder ist mit den Vorschlägen gemeint, dass mir einfach meine Pensionsansprüche ohne Gegenleistung enteignet werden?
    Dann ist das mein letzter Tag als Beamter, wenn ich nicht in Altersarmut enden will.
    Dann muss ich mir einen Job suchen, der mich eben schon jetzt statt später meiner Qualifikation entsprechend bezahlt.

    Davon abgesehen wird die Rente ja von Jahr zu Jahr anteilig weniger aus der Rentenversicherung bezahlt und mehr aus dem Bundeshaushalt, in den meine Steuern genauso einfließen wie die von allen anderen und von denen ich nichts jemals zurück bekommen werde.

    • Chemo@feddit.org
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      2 days ago

      und zwar auch rückwirkend für die Pensionsansprüche, die ich bereits erworben habe

      Ich glaube nicht, dass irgendwer bisher vorgeschlagen hat Pensionsansprüche rückwirkend abzuwerten.

      in den meine Steuern genauso einfließen wie die von allen anderen und von denen ich nichts jemals zurück bekommen werde.

      Das ändert sich ja, wenn Beamte Teil der allgemeinen Rentenkassen werden.

      Ansonsten hast du natürlich Recht, dass es dann im Gegenzug bessere Gehälter braucht. Aber das ist doch am Ende besser als die Spezialstellung von Beamten.

      • Beemo Dachboden@feddit.org
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        2 days ago

        Ich glaube nicht, dass irgendwer bisher vorgeschlagen hat Pensionsansprüche rückwirkend abzuwerten.

        Also soll es dann doch so eine Art Stichtagsregelung geben?
        Und aktive Beamte kriegen eine anteilige Pension für die Ansprüche, die sie schon haben und dann noch eine kleine Rente für die handvoll Rentenpunkte die ab dann noch erzielt werden?

        Das löst halt die Probleme des Rentensystems überhaupt nicht.

        Ansonsten hast du natürlich Recht, dass es dann im Gegenzug bessere Gehälter braucht.

        Und genau das wollte die Politik bisher nie, weil das ja höhere Kosten im Jetzt bedeuten würde.
        Mit dem in meinen Augen weiterhin zweifelhaften Nutzen.

        Die Pension ist einfach grundsätzlich anders organisiert als die umlagenbasierte Rente.

        Aber das ist doch am Ende besser als die Spezialstellung von Beamten.

        Kann man natürlich so sehen, aber damit hinterfragt man in meinen Augen das komplette Konzept des Beamtentums.
        Nicht dass das an sich verkehrt ist, ich hinterfrage das Konzept selbst.

        Aber ich glaube dabei nicht, dass die 62% der deutschen, die laut dem Artikel für eine Zusammenführung sind, dabei mitbedenken, was die genauen Folgen sind.
        Und der zitierte “Experte” hat es ganz sicher nicht.

        • Chemo@feddit.org
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          2 days ago

          Also soll es dann doch so eine Art Stichtagsregelung geben? Und aktive Beamte kriegen eine anteilige Pension für die Ansprüche, die sie schon haben und dann noch eine kleine Rente für die handvoll Rentenpunkte die ab dann noch erzielt werden?

          Ja, ist total üblich bei dem Thema. Vielleicht sogar eine Stich-Generationen-Regelung. Die Verschiebung des Renteneintrittsalters trifft ja auch nur die jüngeren Generationen.

          Kann man natürlich so sehen, aber damit hinterfragt man in meinen Augen das komplette Konzept des Beamtentums.

          Ja, das stimmt schon. Auch das Streikverbot für Beamte ist ja eigentlich ein ziemliches Unding. Die Frage ist ob Beamtentum überhaupt noch in unsere Zeit passt. Aber dann darf sich der Staat auch nicht beschweren wenn Lokführer*innen und Lehrer*innen streiken, wenn sie nicht mehr verbeamtet werden.

    • smokeysnilas@feddit.org
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      2 days ago

      Es zeigt sich halt mal wieder das dem Staat nicht zu trauen ist. Jede Anlage (das sind Pensionsansprüche ja auch) wird früher oder später vom Staat entwertet. Eigentlich muss man zusehen so anzulegen, dass der Staat möglichst wenig Durchgriff hat, was natürlich schwierig ist.

      • Chemo@feddit.org
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        23 hours ago

        Da singst du das Lied der privaten Versicherungskonzerne. Historisch ist die Behauptung falsch. Tatsächlich hat ist der Wert der Rentenpunkte sogar schnelle gestiegen als die Inflation, in den letzten Jahrzehnten. Und sogar der demografische Wandel wird durch staatliche Steuerzuschüsse zur Rente aufgefangen. Pensionsansprüche wurden meines Wissens auch nie entwertet.

        Natürlich kann es durch den demografischen Wandel zu Rentenverlusten kommen aber wenn man die Empirie anlegt ist Angst vor einer staatlichen Entwertung der Rente vollkommen unbegründet.

        Oder an welche Anlagen denkst du da?

      • Beemo Dachboden@feddit.org
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        2 days ago

        Naja noch mache ich mir keine extrem großen Sorgen.

        Das Schwein mit der Pension wird ja alle paar Jahre aufs neue durchs Dorf getrieben wenn man mal wieder einen Bösewicht braucht und die Rentendebatte verwässern will.
        Aber bisher haben die tatsächlichen Entscheidungsträger schon immer noch rechtzeitig gemerkt, dass es keinen sinnvollen Weg gibt, Beamte mit bereits bestehenden Pensionsansprüchen in das Rentensystem zu integrieren.

        Entweder man entschädigt die Beamten, dann ist keinerlei Ersparnis mehr möglich (im Gegenteil, das würde sau teuer).
        Oder man fickt alle Beamten und kann die öffentliche Verwaltung geschlossen an den Nagel hängen.
        Damit rechne ich ja, falls je die Faschisten wieder an die Macht kommen, aber dann hab ich andere Probleme als meine Altersvorsorge.

        Wenn man wirklich der Meinung ist, dass es ein so großes Problem ist, dass Beamte nicht Teil des Rentensystems sind, dann sehe ich da höchstens eine Art Stichtagsregelung, ab der keine neuen Pensionsansprüche mehr erworben werden können.
        Ab dann würde es aber auch ein Spaß werden, neue Fachkräfte zu finden, die sich das antun wollen.

        • Toe@feddit.org
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          1 day ago

          Ich denke nicht, dass die Intergration von Beamten in das Rentensystem mehrheitsfähig bzw. den folgenden Klagen standhalten wird. Eine Vereinheitlichung der Gesundheitsversorgung wäre da einfacher.

          Im Grundsatz würde ich das Einbeziehen von neuen Beamten in die Rentenkasse jedoch befürworten. Damit das Netto gleich bleibt wäre einer Erhöhung der Bezüge für diese neuen Beamten auch notwendig.

          In der Annahme, dass wir mittelfristig viele Beamtenstellen durch Ruheständler verlieren werden, wären die sofortigen höheren Kosten eine Chance die Wiederbesetzung auch aus diesem Aspekt heraus zu überdenken. Und für diese Aufgaben eine Bindung des Staats auf Lebenszeit angemessen ist.

          Ja, die Attraktivität eine Verbeamtung anzustreben nimmt hierdurch ab. Ich denke dennoch nicht, dass wir deshalb schlechtere oder weniger Personal mit der Bereitschaft zur Verbeamtung finden als ohne die Maßnahme (Rentenkasse). Wir erwarten wirtschaftlich schwierigere Zeiten. Gerade in diesen werden die Vorteile einer Verbeamtung für den Einzelnen besonders sicht- und spürbar.