Nach der Hitzewelle fragt sich das Internet, wo die „Letzte Generation“ bleibt. Anders als die Klimakrise wurden die Aktivist*innen aber bekämpft.
Nach der Hitzewelle fragt sich das Internet, wo die „Letzte Generation“ bleibt. Anders als die Klimakrise wurden die Aktivist*innen aber bekämpft.
Letztens klebte bei mir alles. Ganz ohne letzte Generation.
Ich finde es schade, dass sie nicht erfolgreich waren. Es hätte klappen können, wenn sie die Bevölkerung hinter sich vereint hätten. Insgesamt fühlte sich die Bevölkerung leider eher provoziert und angegriffen, statt dazu motiviert etwas zu tun. Das ist nur zum kleinen Teil die Schuld der Klimakleber. Die Leute wollen ihr klimaschädliches Tun nicht hinterfragen, das macht Mühe.
Plus Kritik tut weh wenn man erkennt dass was Wahres dran ist.
Ich fürchte, du hast das tatsächliche Problem noch immer nicht verstanden:
Wer sich angegriffen gefühlt hat, waren diejenigen mit dem Geld um medial die Bevölkerung aufzuhetzen.
Ich denke das vor allem social Media und die schwurbler und Klimaleugner gegen sie gearbeitet haben. Die Aktion sich auf Straßen festzuklebem oder Kunstwerke zu beschmieren fand ich nicht unbedingt zielführend um seine Sache positiv zu vermarkten.
Greenpeace hat in den 80ern gegen die Atomanlagen, schmutzige Industrieanlagen und Walfang protestiert indem sie die Verursacher belästigt haben, nicht die Leute auf der Straße. Damit haben sie breite Unterstützung und positives medienecho bekommen.
Also gut, ihr da drüben, klebt euch an ein Rechenzentrum. Der Rest an eine SpaceX-Rakete. Auf gehts packen wir das diesmal richtig an.
Die allerletzte Generation.
Sie hätten nichtmal die ganze (oder auch nur einen Großteil der) Bevölkerung hinter sich vereinen müssen. Wenn alle, die die Aktionen gut fanden, sie auch irgendwie unterstützt/mitgemacht hätten, dann hätten sie unglaubliche Veränderungen erreicht. Die Abschreckung durch Polizei- und Justizgewalt haben nur leider viel zu stark gewirkt. Die Springerpresse hat ihr übriges getan.
Einfach nur Solidarität, mehr hätte es nicht gebraucht. Jeder vernünftige Mensch steht grundsätzlich hinter dem Ziel, da sind wir uns alle einig. Und klar findet man es Kacke im Stau zu stehen. Oder sind wir mal ehrlich, davon zu lesen, dass andere im Stau gestanden haben, weil welchem Prozentsatz der Bevölkerung ist das tatsächlich passiert? Aber man muss doch für das Recht der LG diesen Protest zu üben einstehen und darf es nicht hinnehmen, dass sie für ihr richtiges und wichtiges Ziel verunglimpft werden. Genau wie man das eben mit Streikenden hat, wenn zum Beispiel der Öffiverkehr lahmgelegt wird. Der Zorn über das im Stau stehen hat sich gegen die Regierung und Medien zu entladen, nicht die Aktivisten, genau wie sich der Zorn bei Bahnstreiks gegen die Geschäftsleitung der Bahn zu entladen hat, nicht gegen die Streikenden.
Aber man sieht halt, dass Solidarität bei einem Großteil der Deutschen, insbesondere wenn die Medien über alle Kanäle das Signal geben hier unsolidarisch sein zu dürfen, nur noch etwas sehr Selektives ist. Und selektive Solidarität ist keine Solidarität, weil wenn ein kleines bisschen kognitive Dissonanz alleine wegen der Vorstellung man könnte mal einen unbequemen Arbeitsweg erfahren, und ein papierdünnes Mediennarrativ, es wäre “der falsche Weg zu protestieren”, ausreicht um den Menschen ihre Solidarität zu nehmen, dann, dann bekommen die das zu jedem Thema hin. Und dann sind wir als Gesellschaft einfach verloren.
Das ist tatsächlich von allen Trends der, der mir grade am meisten Sorgen macht. Und es ist natürlich Absicht. Wir sollen nach Vorbild der USA entsolidarisiert werden, weil wir so im Technofeudalismus leichter kontrollierbar sind. Und das hier und heute immer noch dieses Genöle kommt, ist einfach beschämend.
Das ist sogar ganz primär Schuld der Klimakleber. Deren damaliger Ansatz, im Innenstadtverkehr wahllos irgendeine Gruppe Leute zu blockieren und damit aus dem Alltag zu reißen, führt eben genau dahin, dass sich die Leute provoziert und angegriffen fühlen, statt Sympathien für das Anliegen zu entwickeln. Das war wirklich nicht schlau.
Ich wage zu behaupten, dass jede andere Form die meisten Leute noch weniger interessiert hätte und sie sich noch weniger motiviert gefühlt hätten. Ähnlich war es schon bei den FFF-Demos, die zwar wohlwollender aufgenommen wurden, den Schülern allerdings eher nahegelegt wurde, doch was zu lernen und irgendwann selbst die Umwelt zu retten statt jetzt dafür zu demonstrieren.
Zum einen, ja. Zum anderen wurde auch massivst von allen möglichen Seiten kulturkämpferisch aufgeladen Stimmung gegen die LG gemacht, sodass sich auch ein nicht zu vernachlässigender Teil der Bevölkerung kaum dagegen wehren konnte, sich vor den Karren spannen zu lassen. Springer (KKR) zB ging ja mal richtig einer ab.
Die Letzte Generation hat sich dummerweise nie richtig reflektiert und hinterdacht. Anstelle auf moralisch zu machen und den Normalos den Spiegel vorzuhalten, hätten sie sich mal lieber auf die wahren Klimasünder fokussieren sollen.
Edit: So wie Ende Gelände zB. Die sind in die Braunkohlegebiete rein und haben da alles stillgelegt.
Die Industrie verballert immer noch ungehindert CO2 und keiner sagt was stattdessen werden wir mit CO2-Fussabdruck kleingehalten und uns wird eingeredet, wir wären Schuld. Und die LG übernimmt diese Nebelkerze unhinterfragt.
Ganz ehrlich, was ich teilweise mitbekomme, was bei meinem Arbeitgeber täglich für ein Müll anfällt, da frag ich mich, warum ich kleiner Hansel Müll vermeiden soll.
Die Politik soll endlich mal die Industrie zum Umweltschutz verpflichten.
Und Ende Gelände war erfolgreich? Da ist, glaube ich, irgendwo ein Widerspruch.
Die letzte Generation hatte nie eine Forderung nach individuellem Fußabdruck. Alle Forderungen haben sich an die Politik gerichtet. Aber es gab die Aufforderung an die Bevölkerung, auch aktiv zu werden. Denn wenn wir nichts machen sind wir tatsächlich mit schuld.
Ja. Braunkohleförderung ist zu Ende.
Du bestätigst, was ich gesagt habe über Wer-ist-Schuld und Moral, merkste oder?
Aspekte sind imo:
Generell möchte ich gern glauben, dass ein großer Teil der Bevölkerung mobilisiert werden könnte, wenn es um das Klima geht.
Aber nicht in der Vehemenz isV Dauer und Häufigkeit.
Ich glaube ‘wir wollen auch in Zukunft unseren billigen Ackerdiesel!!!’ ist jetzt nicht unbedingt etwas, was für die meisten Deutschen ein Herzensanliegen aus Überzeugung war. Du hast aber insofern einen Punkt, als das die (gefühlten) Gegner der Klimakleber eben auch in den Autos saßen, die sie blockiert haben. Während bei den Treckerbauern klar war, dass sie gegen ‘die da oben’ protestieren, war bei den Klimaklebern eher der Eindruck, dass sie gegen die Autofahrer selbst sind. Das erschwert Sympathien jenseits der eignen Bubble natürlich immens.
Eben. Die Klimakleber haben es nicht geschafft, die mediale Deutungshoheit zu ihrem Tun zu erreichen. Für mich liegt auch da wieder der elementare Punkt ihres Scheiterns: sie haben es versäumt, das breite Publikum mitzunehmen.
Das ist auch so, da gab es doch gerade erst eine Studie zu, meine ich. Dieser Weg damals jedoch war ein Holzweg.