Bei den Midterms hat sich gezeigt: Die Leute mögen keine KI. Auch in Europa gehen nun Menschen auf die Straße. Noch sind es nicht viele. Die Betonung liegt auf: noch.
Die Leute mögen keine KI
Wirklich? Ich wäre da vorsichtig mit der eigenen Bubble. Großteil der Industrie wird es evtl. lieben.
Industrie ist nicht “die Leute”.
Ja nicht nur die Industrie. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis sehe wieviele für alles mögliche immer sofort Chatjibbidie und Co. fragen.
Ich würde mal behaupten solange kein Rechenzentrum neben ihrem Haus steht, oder Sie ihren Job dadurch verlieren, sind die meisten nicht abgeneigt von KI.
Na ja - wieviele Atommüllendlager stehen in Bayern?
Sorry aber ich glaube ich steh auf dem Schlauch und verstehe nicht ganz, was du mir genau damit sagen wolltest. :-) Könntest du mir das vielleicht nochmal.mit anderen Worten erklären.
Sobald es ganz konkret wird mit einem Endlager, oder auch Rechenzentrum vor der Tür, schwindet die Begeisterung für derartige Technik auch in eher konservativen Gegenden recht schnell.
Super danke dir für die Erklärung. Ich hätte es tatsächlich anders interpretiert.
Ja da hast du höchstwahrscheinlich recht. Also müssten wir erstmal mehr Rechenzentren bauen um das ganze unbeliebter zu machen.
In meinen Kreisen, Freunde, Familie und Kollegen, ist es genau anders. Keiner mag LLMs und die Wenigsten nutzen oder haben es mal benutzt.
Sind eben immer zwei Seiten der Medaille. Damit rumspielen ist lustig. Und ja, für Unternehmen ist es von Vorteil.
Aber wenn Leute ihren Job verlieren. Wenn in der Wohnung plötzlich Wasserkonsumeinschränkung gelten, weil nebenan ein Rechenzentrum aufgemacht hat. Dann ist nicht mehr lustig. Damit bekommst du auch die größten Spießer auf die Straße.
Spar dir die Arbeit: Selbst wenn du zeit.de aufrufen kannst, ist wirklich alles hinter einer Paywall. Die kannst du zwar mit den üblichen Archive-Diensten umgehen, aber irgendwie ist es trotzdem hart sinnlos die Seite aufzurufen
Die Betonung liegt auf: noch
Das ist doch nur ein Wunschtraum. In Deutschland gilt bei allen Problemen: Es wird brav zu Hause geblieben und gemeckert. Und wenn das, genauso wie stur immer und immer wieder die selbe Politik wählen, völlig unverständlicherweise nichts ändert, werden halt wieder Nazis gewählt. Und auf die Straße geht man ohnehin höchstens für das persönliche Gefühl, etwas getan zu haben, und das auch ausschließlich an Wochenenden und Feiertagen in abgelegenen Fußgänerzonen, damit man auch ja niemanden mit seinem “Protest” stört.
Das ist zu schwarz gemalt. Als ob in Deutschland über Demos nichts erreicht würde. Solche Posts sind kontraproduktiv, da sie unerfüllbare Erwartungen als Ziel präsentieren.
Man darf nicht glauben, dass ein Protest alles ändert. Gesellschaftliche Akzeptanz erreicht man nicht allein durch Barrikaden und Zerstörung. Die Atomkraftgegner haben Jahrzehnte gegen Castortransporte demonstriert. Fukushima hat dem Thema den Rest gegeben, aber ohne die konstanten Bemühungen der Bewegung hätten wir noch laufende Kernkraftwerke in Deutschland. Man kann das Ergebnis jetzt gut oder schlecht finden. Die Bewegung war erfolgreich. Und darum geht es hier. Gesellschaftliche Bedeutung erlangen. Das Thema zu Hause bemeckern lassen, ja. Es in Wahlprogramme schaffen, und vielleicht ein entscheidendes Thema für eine Wahl werden. Geduld.
Das ist zu schwarz gemalt. Als ob in Deutschland über Demos nichts erreicht würde.
Was haben buchstäblich Millionen Deutscher zeitgleich auf den Straßen, um gegen den Rechtsruck zu demonstrieren, noch gleich erreicht? Achja… gar nichts. Die Politik hat sich das angeschaut, beschlossen, “Fickt euch! Jetzt erst recht!”, kurz mal laut überlegt die Bürgerrechte zu beschneiden und die Deutschen haben mit den Schultern gezuckt und sind mit einem, “Tja, da kann man dann wohl nicht smachen”, wieder brav nach Hause gegangen. Was hat die Politik wohl daraus gelernt? Oder hab ich mir das alles nur eingebildet? 😉
“Die Politik” hat also beschlossen. Und Millionen Demonstranten haben nichts ausgerichtet. Verrückt. Man kann also nicht einfach demonstrieren und dann wird das erledigt? Einfach auf die Straße und… zack! Die machen das.
Demos sind keine Willensaufzwinginstrumente. Das sind in erster Linie Meinungsverstärker. Da geht es darum Anhänger für eine Sache zu finden. Es geht darum zu zeigen: Hey, wir sind viele! Oder: Es gibt noch andere, die so denken wie du, schließ dich uns an. Vielleicht überzeugt man die Mächtigen. Aber eben nur vielleicht.
Es ist frustrierend, wenn die Demo keine Wirkung zeigt. Aber man muss das Erlangen von Macht mehrschichtig angehen. Es gibt noch mehr als Wählen und Demonstrieren. Es gibt ein passives Wahlrecht. Es gibt gewählte Vertreter. Es gibt Parteien. Es gibt Lobbyverbände. Es gibt Gerichte. Mal ein paar Beispiele. Es hilft nicht, nach der Demo nach Hause zu gehen und im Internet Wutbriefe schreiben. Und es hilft auch nicht, Mülltonnen anzuzünden ohne einen weiteren Plan. Man muss sich organisieren im Kampf für eine Sache. Und irgendwann wird man feststellen, dass die Gegenseite das auch macht. Und deshalb macht “Die Politik” nichts.
Interessant, dass du das Problem scheinbar verstehst, aber den Inhalt meiner Kommentare komplett ignorierst.
Ich hab mich jetzt zweimal sehr offensichtlich darüber ausgelassen, dass die Deutschen eben nicht bereit sind, irgendetwas zu tun (meist nicht einmal ihre dummen Wahlentscheidungen zu reflektieren), außer mal kurz ihre Meinung kund zu tun, und es einfach still hinnehmen ignoriert zu werden, weil man dann wohl nichts tun kann. Wenn man nur mal zu 'ner Demo erscheint, damit man sich selbst erzählen kann, etwas getan zu haben, ist es halt sinnlos.
Aber aus irgendeinen absurden Grund scheinst du mir erklären zu wollen, dass Demonstrationen nur der Anfang einer Organisationkette sind. Ja, das wäre schön aber (zum dritten Mal jetzt!): Deutsche Schafe tun es nunmal nicht, sondern sie blöken einmal, werden ignoriert, und nehmen das dann als gottgegebenen Zustand der Welt hin und grasen brav weiter wie bisher.(PS: Und wenn du den letzten Satz jetzt schon wieder als Kritik am Blöken aufgreifst, gib ich es einfach auf und ignorier dich.)
Der Inhalt deiner Beiträge ist nölen über die faulen Deutschen. Irgendwo hab ich das schonmal gehört, nur in anderem Zusammenhang.
Meine Kritik richtet sich gegen “alle über einen Kamm geschert”. “Die Deutschen”. “Die Politik”. Als ob es keine Oppositionsparteien gäbe. Als ob keiner auf die Straße gehen würde. Als ob es keine extremen Protestformen gäbe (Politische Schönheit, Letze Generation, …). Als ob wir gleichgeschaltet in einem Trott den Führern hinterher laufen würden.
Wären alle zufrieden mit dem, was die Regierung tut, oder wäre es ihnen zumindest egal, dann wäre Deutschland nicht in dem angeblichen Stillstand, der oft bemängelt wird. Die letzte Regierung wurde gehasst. Die jetzige auch. Nur anders. In Deutschland wird halt nicht “französisch” demonstriert und wild zerstört. Kaum brennen in Paris die Barrikaden kommen die Möchtegern Revoluzzer aus ihren Löchern gekrochen und erklären uns was vom Michel. Selbst wenn ein Funken Wahrheit darin steckt, bringt diese Analyse rein gar nichts, um daran etwas zu ändern.
Ich gebe mein Kontra gegen die Meining “alle” würden “etwas” machen. Denn es stimmt nicht. Und es zerstört den Funken des Aufbruchs.
Deutsche Schafe tun es nunmal nicht, sondern sie blöken einmal, werden ignoriert, und nehmen das dann als gottgegebenen Zustand der Welt hin und grasen brav weiter wie bisher.
Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Wenn doch irgendwer einen Schritt weiter gehen will, dann fassen diese es als Kritik an der eigenen Systematik und als Störfaktor auf und arbeiten zusammen mit dem Establishment von dem sie selbst ignoriert wurden um diese Gruppen weg zu beißen, mit denen sie sich eigentlich solidarisieren sollten. Siehe die Grünen und F4F in Bezug auf die Letzte Generation. Dem liberalen Verstand ist hier einfach nach Jahrzehnten der Propaganda nicht mehr zu helfen. (Rein bevor hier der erste davon aufschlägt und mir erzählt wie doch die LG der Klimabewegung ganz sehr geschadet hat und wir jetzt ganz sicher wirksame Klimapolitik hätten wenn nicht 10ppm Wutbürger mal eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit gekommen wären…)
Die Atomkraftgegner haben Jahrzehnte gegen Castortransporte demonstriert. […] Die Bewegung war erfolgreich.
Und jetzt mal bitte eine Retrospektive halten. Wir hatten doch neulich einen Post mit den 5 größten Demos in Deutschland: AfD, Friday FF und Castor.
Warum war Castor erfolgreich und hat die Politik zum Umändern bewegt? Es waren radikale Proteste, so wie in Frankreich.
Das ist jetzt kein Aufruf zum Mülltonnen anzünden. Nein, 100 riesige Traktoren machen Politikern auch schon Angst.
Es waren radikale Proteste, so wie in Frankreich.
Das entspricht nicht den Tatsachen.Die Castor-Gegner haben gewaltlosen zivilen Ungehorsam praktiziert und Massenproteste mobilisiert. Die immer grösseren Polizeieinsätze wurden - auch wegen der Kosten, aber auch weil es sinnlos war - immer unpopulärer.
Fukushima und die folgenden grossen Demonstrationen haben der Kernenergie in Deutschland den Rest gegeben, ab dann gab es keine Mehrheit mehr, und an dem Punkt ist Merkel umgeschwenkt.
Vorher ist aber noch sehr viel anderes passiert, heute Teils schon vergessen:
- Die Göttinger sieben Professoren
- der Super-GAU in Windscale
- Diskussionen um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf, waffenfähiges Uran, und atomare Bewaffnung.
- Diskussionen um den Schnellen Brüter in Kalkar und die mangelnde Beherrschbarket
- Repressionen und Spitzelei gegen Klaus Traube
- Das wirtschaftliche Desaster um den THTR Kugelhaufenreaktor in Hamm
- die vertuschte Haverie im AVR Jülich
- Die Kernschmelze in Harrisburg / Three Mile Island
- die Risikostudie Biblis, welche die riesige Gefahr durch Harrisburg darlegte. Es war jahrelang vertuscht worden, dass es in Harrisburg eine Kernschmelze gab!
- Die Katastrophe von Tschernobyl, die in Deutschland dazu führte, dass monatelang Bequerel-Werte der Strahlung in Zeitungen abgedruckt wurden, wie Börsenkurse.
- Die Entdeckung des Leukämieclusters bei Kindern in Krümmel, und die Kinderkrebsstudie, die zeigte das Kinder im Umkreis von AKWs häufiger Krebs bekommen. Das ist heute weltweit immer wieder bestätigt! (Und es gibt keine “akzeptierte” wissenschaftliche Erklärung dafür, zum Teufel!)
- Häufung von Leukämiefällen um Hamm und Jülich
- Das Desaster mit dem abgesoffenen Endlager im abgesoffenen Salzstock Asse
Die Anti-AKW Bewegung hat gewonnen - mit gewaltfreiem zivilen Ungehorsam und Demonstrationen.
Und heute noch viel wichtiger: Die Aktivisten von damals haben auch Alternativen entwickelt und so die Tür geöffnet zu erneuerbarer Stromversorgung aus Wind und Solar. Ein Rettungsring für unsere gesamte, vom Klimzerfall bedrohte Zivilisation! Das EEG Einspeisegesetz, das Solarenergie marktfähig machte, kam durch Initiative der Grünen zustande und wurde weltweit kopiert.
Hast mich überzeugt. Bei mit sind nur die gewaltsamen Proteste im Hirn hängen geblieben. Solche Bilder brennen sich halt ein. Die ganzen anderen Aktionen und Gegebenheiten habe ich glatt vergessen.
Die Castor-Gegner haben gewaltlosen zivilen Ungehorsam praktiziert und Massenproteste mobilisiert
Ich glaube da unterschätzt du massiv, wie gewalttätig gerade die Proteste in den 1980ern waren.
Es gab die Gewaltdiskussion um Wackersdorf in den 80ern. Da gab es schwarze Blöcke. Aber das war nur eine kleine Minderheit der Protestierenden, und sie wurden immer weniger. Zur Zeit der Castor-Transporte haben sie keine Rolle mehr gespielt.
Und es war zu letzterer Zeit des Zivilen Ungehorsams, wo die öffentliche Meinung umgeschwenkt ist.
Beim Klimaschutz wird es auch so sein. Und das ist relevant, denn die Rechtsregierungen und sogenannten Konservativen benutzen das angebliche KI Wettrüsten, um überfälligen Klimaschutz und preiswerte Energie weiter zu sabotieren.
Was die Atomkraftbewegung von FFF und AfD-Demos unterscheidet, ist die jahrzehntelange Ausdauer.
Castor war erfolgreich weil sie es von 1970 bis 2011 immer wieder in die Medien geschafft haben. Und ja, mit radikalen Mitteln. Aber radikal heißt nicht automatisch erfolgreich. (Klimakleber? RAF? NSU?) Die Castorproteste haben “die Politik” gar nicht ganz allein zum Umändern bewogen. Es gab eine Partei in Bundestag. Es gab dauerhafte Diskussionen um Endlager, Sicherheit, und Atomwaffen. Das Thema war einfach viel präsenter in der öffentlichen Debatte. Und dann kam Fukushima.
Es ist zu kurz gedacht, wenn man glaubt, dass ein paar brennende Mülltonnen was bewirken. Ändern bedarf Arbeit, nicht nur Wut.


