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    1 day ago

    Ich teile hier mal die angenehm wissenschaftliche und ruhige Analyse vom Soziologen Aladin El-Mafaalani.

    Wir müssen uns an Folgendes gewöhnen:
    Etwa jede dritte erwachsene Person in Deutschland kann der offenen Gesellschaft nicht viel abgewinnen. Die haben große Schnittmengen zur AfD.

    Das heißt, das Wählerpotential der AfD liegt bei ca. 30%. Selten schafft es eine Partei, das volle Potential abschöpfen. Aber wenn wir dauerhaft Krisen haben, die Regierung schlecht arbeitet, die Opposition oder die CDU selber sprachlich verroht, dann bewegen wir uns in diese Richtung.

    Von diesen 30% ist ein Teil (ca. wieder 30%) rechtsextrem. Der Rest ist anti-liberal, rückwärtsgewandt und/oder verunsichert.

    Die AfD hat entsprechend viele Nicht-Wählern angezogen. Aber sie hat besonders der CDU, aber auch der SPD (Westen) und den Linken (Osten) Stimmen genommen. Ausschließlich zwischen Grün und Blau gibt es quasi keine Wanderungen. Das sind die beiden Pole. Heißt, im Spektrum, in der sich die Gesellschaft bewegt sind die Grünen (hart formuliert) ein Extrem: liberal und weltoffen.

    Und Nein, es ist nicht mehr geworden.

    Dieses Drittel der Bevölkerung ist nur offensiver und aggressiver. Auch weil es die AfD jetzt gibt, die dieses Gefühl kanalisiert.

    Studien zeigen eindeutig:

    1. Die nationalistischen und autoritären Einstellungen waren schon immer da und früher sogar weiter verbreitet
    2. Unsere Gesellschaft wurde in den vergangenen Jahrzehnten liberaler, die Radikalen dadurch radikaler (aber auch weniger)
    3. Das bedeutet, dass große Teile der ehemaligen Wähler der CDU, der SPD und der Linken nie liberal und weltoffen waren. Aber die Parteien wurden in den letzten 20 Jahren deutlich offener und liberaler - das gefiel den Wählern dieser ehemaligen Volksparteien nicht und sorgt für die aktuelle Situation
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      1 day ago

      Daraus folgen ein paar Erkenntnisse, die ebenfalls an El-Mafalaani angelehnt, aber von mir formuliert sind:

      1. Bekämpfen und beschimpfen bringt nichts, das bestärkt das Drittel nur und schweißt ihre Misstrauensgemeinschaft weiter zusammen
      2. “Lasst sie mal regieren” funktioniert nicht, weil sie als Glaubensgemeinschaft nicht an Lösungen interessiert sind. Solange jemand da oben sitzt, der genau so misstrauisch und verächtlich ist wie sie, sind sie zufrieden. Kennen wir von den MAGAs.
      3. Man kann sie auch nicht überzeugen oder inhaltlich stellen. Wenn überhaupt, dann bekommen wir sie mit einer Politik, die ihre Situation spürbar verbessert, aus ihrem destruktiven Schneckenhaus raus.
      4. Die CDU ist gefährlich, weil sie die Erzählungen dieser Anti-Liberalen aufnimmt, verbreitet und ihnen im schlimmsten Fall zur Macht hilft.
      5. Wir sollten diesem Drittel nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, denn wir werden sie nicht ändern. Lieber unsere Energie in positive Projekte stecken und ohne sie an einer lebenswerten, gerechten Zukunft weiterbauen.
      6. Wenn du es schaffst, sie zumindest ein bisschen in dein Leben zu lassen ohne den Verstand zu verliehen oder in Streit zu geraten hilft das, die Misstrauenagemeinschaft etwas zu lockern. (Ist aber natürlich nervig, sich das destruktive Gequatsche anzuhören und stets freundlich dagegen zu halten. Ansonsten siehe 5.)
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        1 day ago

        Wenn überhaupt, dann bekommen wir sie mit einer Politik, die ihre Situation spürbar verbessert, aus ihrem destruktiven Schneckenhaus raus.

        Das scheint mir der wichtigste Punkt zu sein. Im Normalzustand mag niemand Gewalt, Zerstörung, Aggression oder Streit. (Mal abgesehen von Psychopathen.) Das ändert sich aber, wenn man sich bedroht oder ungerecht behandelt fühlt.

        Solange Mieten steigen, der Sozialstaat abgebaut wird und kein Geld für staatliche Dienstleistungen und Infrastruktur da ist, so lange werden Gefühle der Angst und der Ungerechtigkeit ansteigen. Und so lange wird die AfD an Zuspruch gewinnen, nicht weil sie Lösungen anbietet, sondern weil sie genauso aggressiv ist, wie man es selber gern wäre. Die AfD will den Eliten auf’s Maul hauen, und genau das wollen immer mehr Leute sehen. Ob es ihnen dann tatsächlich besser geht, wird immer zweitrangiger, je wütender sie sind.

        Angst und Unsicherheit sind keine guten Ratgeber, und deswegen ist es so wichtig, dass eine große Mehrheit das Gefühl hat, auch in zehn, zwanzig und dreißig Jahren nicht existenziell bedroht zu werden. Die CDU hat den Plan, so lange die Menschen zum Wohle der Wirtschaft auszubeuten, bis vom Wohlstand der Wirtschaft was auf die Menschen runtertröpfelt und alle gewonnen haben. Wie gut das funktioniert, sehen wir seit den Achtzigern.