Zunächst war das Paar untergetaucht - nun steht es in Horb vor Gericht. Die Eltern hatten ihren kranken Sohn nicht zum Arzt gebracht. Der Zweijährige starb an einer Bronchitis.
Ich glaube schon, dass der Tod ihnen nahegeht. Tendenziell nehmen Menschen sowas nicht leichtfertig hin. Selbst wenn sie der Überzeugung wären (oder sich zumindest einreden), dass das ein Fall von “da konnte nichts mehr helfen” ist und sie ihr bestes getan hätten (was als Coping-Mechanismus für Schuldgefühle nicht unwahrscheinlich ist) wäre die Trauer da glaubhaft.
Dann in der Verhandlung mit diesem Tod konfrontiert zu werden stresst enorm, was dann ein Ausbrechen durchaus erklären würde. Hinzu kommt der Vorwurf, dass sie eben nicht alles probiert hätten, was ihren Versuch, sich von dieser Schuld zu befreien, zusätzlich torpediert.
Wenn sie ernsthaft von der Überlegenheit ihrer Methoden überzeugt sind, wird der Tod bereits eine Erschütterung darstellen. Hier gerichtlich nachzutreten ist ein Angriff auf ihren Glauben, den sie nicht ignorieren oder wegreden können; eine Frage, deren einzige ersichtliche Antwort “Ich habe mich geirrt” lautet; einen Fakt, dem ihre Gefühle nichts mehr entgegensetzen können.
Und den Glauben zu verlieren ist eine ganz eigene Hölle. Die werden noch lange heulen, schätze ich.
Auf jeden Fall länger als das Kind, das sie getötet haben.
eine Frage, deren einzige ersichtliche Antwort “Ich habe mich geirrt” lautet;
Das ist eben das, wo ich denke: Eigentlich machen Schwurbler dauernd derart dumme Dinge, das ihnen diese Situation viel früher passieren müsste. Das ist ja wie an der sechsten Straßensperre vorbeifahren. Wenn man dann im frischen Teer steckt, dann fängt man das Umdenken auch nicht mehr an, das hieße ja eine ganze Reihe Fehlentscheidungen zuzugeben auf denen nun aber relevante Teile der eigenen Persönlichkeit fußen.
Im großen und ganzen stimme ich dir hier zu: Bis es zu dem Punkt kommt, dass jemand stirbt, dürfte es eine Menge Indizien gegeben haben, dass was falsch ist. Eben deswegen ist dieser letzte, fatale Irrtum meiner Laien-Meinung nach eine grob fahrlässige Tötung.
Ich kann jedoch auch aus persönlicher Erfahrung sagen, dass es sehr leicht ist, sich solche Indizien schönzureden oder auszublenden (“Also das war wirklich nicht klar ausgeschildert, das ist ja eine Unverschämtheit”), und wenn überhaupt, dann höchstens irgendwann im Rückblick festzustellen “Eigentlich hätte ich es an diesem oder jenem Punkt schon merken müssen.” Ich glaube, wenn sie weiterhin der vollen Überzeugung wären, im Recht zu sein, hätten stolzer Trotz und Zorn auf das Unrecht, das ihnen widerfährt, den Schmerz unterdrückt.
Der “Abfall” vom Glauben ist das Ergebnis eines Abrutschens. Das ist kein plötzliches Umdenken, sondern ein längeres Ringen mit solchen Unstimmigkeiten. Für mich ist das Weinen ein Indiz, dass ihre Überzeugung zumindest am Rutschen ist. Ob sie sich wieder “fangen”, erst recht daran festhalten und auch künftig Straßensperren ignorieren, können wir schlecht abschätzen. Da bricht die Metapher etwas auseinander, aber ob das der Teer-Moment war, an dem ihre hartnäckige Selbsttäuschung zusammenbricht, ist erst im Nachhinein erkennbar.
Mein Punkt ist eigentlich die Nuance, dass es nicht (nur) um das erwischt werden geht, sondern um die Konfrontation mit ihren Fehlern, die das “erwischt werden” darstellt, und deren Implikationen für ihre Überzeugung, ihr soziales Umfeld und, wie du sagst, ihre Persönlichkeit.
Ich halte dagegen:
Ich glaube schon, dass der Tod ihnen nahegeht. Tendenziell nehmen Menschen sowas nicht leichtfertig hin. Selbst wenn sie der Überzeugung wären (oder sich zumindest einreden), dass das ein Fall von “da konnte nichts mehr helfen” ist und sie ihr bestes getan hätten (was als Coping-Mechanismus für Schuldgefühle nicht unwahrscheinlich ist) wäre die Trauer da glaubhaft.
Dann in der Verhandlung mit diesem Tod konfrontiert zu werden stresst enorm, was dann ein Ausbrechen durchaus erklären würde. Hinzu kommt der Vorwurf, dass sie eben nicht alles probiert hätten, was ihren Versuch, sich von dieser Schuld zu befreien, zusätzlich torpediert.
Wenn sie ernsthaft von der Überlegenheit ihrer Methoden überzeugt sind, wird der Tod bereits eine Erschütterung darstellen. Hier gerichtlich nachzutreten ist ein Angriff auf ihren Glauben, den sie nicht ignorieren oder wegreden können; eine Frage, deren einzige ersichtliche Antwort “Ich habe mich geirrt” lautet; einen Fakt, dem ihre Gefühle nichts mehr entgegensetzen können.
Und den Glauben zu verlieren ist eine ganz eigene Hölle. Die werden noch lange heulen, schätze ich.
Auf jeden Fall länger als das Kind, das sie getötet haben.
Das ist eben das, wo ich denke: Eigentlich machen Schwurbler dauernd derart dumme Dinge, das ihnen diese Situation viel früher passieren müsste. Das ist ja wie an der sechsten Straßensperre vorbeifahren. Wenn man dann im frischen Teer steckt, dann fängt man das Umdenken auch nicht mehr an, das hieße ja eine ganze Reihe Fehlentscheidungen zuzugeben auf denen nun aber relevante Teile der eigenen Persönlichkeit fußen.
Im großen und ganzen stimme ich dir hier zu: Bis es zu dem Punkt kommt, dass jemand stirbt, dürfte es eine Menge Indizien gegeben haben, dass was falsch ist. Eben deswegen ist dieser letzte, fatale Irrtum meiner Laien-Meinung nach eine grob fahrlässige Tötung.
Ich kann jedoch auch aus persönlicher Erfahrung sagen, dass es sehr leicht ist, sich solche Indizien schönzureden oder auszublenden (“Also das war wirklich nicht klar ausgeschildert, das ist ja eine Unverschämtheit”), und wenn überhaupt, dann höchstens irgendwann im Rückblick festzustellen “Eigentlich hätte ich es an diesem oder jenem Punkt schon merken müssen.” Ich glaube, wenn sie weiterhin der vollen Überzeugung wären, im Recht zu sein, hätten stolzer Trotz und Zorn auf das Unrecht, das ihnen widerfährt, den Schmerz unterdrückt.
Der “Abfall” vom Glauben ist das Ergebnis eines Abrutschens. Das ist kein plötzliches Umdenken, sondern ein längeres Ringen mit solchen Unstimmigkeiten. Für mich ist das Weinen ein Indiz, dass ihre Überzeugung zumindest am Rutschen ist. Ob sie sich wieder “fangen”, erst recht daran festhalten und auch künftig Straßensperren ignorieren, können wir schlecht abschätzen. Da bricht die Metapher etwas auseinander, aber ob das der Teer-Moment war, an dem ihre hartnäckige Selbsttäuschung zusammenbricht, ist erst im Nachhinein erkennbar.
Mein Punkt ist eigentlich die Nuance, dass es nicht (nur) um das erwischt werden geht, sondern um die Konfrontation mit ihren Fehlern, die das “erwischt werden” darstellt, und deren Implikationen für ihre Überzeugung, ihr soziales Umfeld und, wie du sagst, ihre Persönlichkeit.