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Da bin ich irgendwie stolz auf meinen Opa: Der hat nie einen Hehl daraus gemacht, stand zu der Entscheidung beizutreten (war auch recht früh Mitglied). Da er zu jung war um im ersten Weltkrieg mitzukämpfen hatte er immer das Gefühl “nicht seinen Teil getan zu haben” und sah das als seine Chance. Was die NS Verbrechen anging hatte er eine… sagen wir mal “pragmatische”… Einstellung: “Riesen Sauerei… aber alle Großmächte haben Dreck am Stecken”. Ich denke bei ihm hat die SA Zugehörigkeit auch ein wenig dazu beigetragen, dass meine Familie gut durch den Krieg und - nach seinen Erzählungen - auch durch die Wirren der Nachkriegszeit gekommen ist.
Warum ich das so sehe: Ich behaupte einfach mal, die offen zur Schau getragene Scham und Reue über den eigenen Part in der NS Zeit wird bei der überwiegenden Mehrheit der beteiligten Menschen rein performativ sein - sie verhalten sich halt so, bereuen es in der SA / SS / Wehrmacht etc. gewesen zu sein und “hätten heute natürlich ganz anders” gehandelt. Ich finde es da deutlich sympathischer wenn jemand ehrlich sagt: “Ich hatte Vorteile dadurch, ich fand die Idee damals gut und ich stehe dazu dass ich damals so gehandelt habe”.
Wenn jemand “nur” für persönliche Vorteile in die NSDAP eingetreten ist, aber nach dem Krieg nicht perfomativ Reue zeigt…ist das irgendwie inkonsistent. Die performative Reue war ja ggf. auch für persönliche Vorteile in der jungen Bundesrepublik gut.
Das wäre eher ein Indiz für Überzeugung. Das “habe ich nur für persönliche Vorteile getan” ist ja dann schon die Schutzbehauptung.
Immerhin konnten sie alle sagen “wir wussten ka nicht, wo das alles hinführt”. Die Entschuldigung haben unsere Faschos von heute dann immerhin nicht mehr.
Das wäre eher ein Indiz für Überzeugung. Das “habe ich nur für persönliche Vorteile getan” ist ja dann schon die Schutzbehauptung.
Das war ja auch nur ein Beispiel für eine hypothetische Aussage.
Oppa war von der damaligen “Bewegung” überzeugt und ist auch sehr früh in die SA eingetreten. Er hat nie offen Reue gezeigt und auch nie welche geheuchelt. Kurz: Er stand dazu welche Position er hatte.
“Ich bin stolz auf Opa, denn er war sein Leben lang überzeugter Nazi”?
Weird.
Und dieses “andere Großmächte haben auch Dreck am Stecken”. Wenn das heute ein unbeteiligter Historiker feststellt, und das einordnet, ist ja eine Sache. Wenn jemand das tut, um seine eigene Beteiligung an der Mordmaschine unbedeutend erscheinen zu lassen - mindestens mal ein schlechter Charakter, wahrscheinlich Schlimmeres. Hat auch was von “jaja, das mit den Juden, schlimmschlimm - aber die Autobahnen 😍”.
Dann ist der Take
“Ich bin stolz auf Opa, denn er war sein Leben lang überzeugter Nazi”?
Weird.
Wie in meiner anderen Antwort geschrieben ist mein Take: Er hat nicht gelogen um sich vor seinem Enkel besser darzustellen.
Und ob er ein Leben lang überzeugter Nazi war? Keine Ahnung, möglich, wer weiß? Er hatte kein “Mein Kampf” im Regal, keine Hitler Bilder, keine Landser Heftchen - das Kapitel war für ihn halt einfach durch.
Ich verstehe halt die implizite Annahme nicht, dass Reue irgendwie geheuchelt und gelogen sein muss.
Wäre doch besser, wenn man “Ich war in der NSDAP und SA. Das hat mich angesprochen. Aber es war falsch und ich bereue es” sagt, oder nicht? Wenn man weiß, dass diese Ideologie zu Horror, Mord und einem Kontinent in Schutt und Asche geführt hat, könnte man ja mindestens feststellen, dass das vielleicht doof war, oder nicht?
Ich verstehe halt die implizite Annahme nicht, dass Reue irgendwie geheuchelt und gelogen sein muss.
Vielleicht habe ich einfach eine zu zynische Sicht auf die Welt, aber für mich klingt es einfach viel, viel zu unplausibel das jemand der in der SA / SS oder einer der anderen Organisationen des Nazireichs war, diesen Organisationen als erwachsener Mensch beigetreten ist (das schreibe ich explizit um hier mal die jungen, in der NS Ideologie aufgewachsenen und leicht manipulierbaren Menschen etwas herauszunehmen) plötzlich nach Kriegsende tiefe Reue für alles empfunden hat. Ich glaube einfach nicht, dass Menschen so funktionieren.
Wäre doch besser, wenn man “Ich war in der NSDAP und SA. Das hat mich angesprochen. Aber es war falsch und ich bereue es” sagt, oder nicht? Wenn man weiß, dass diese Ideologie zu Horror, Mord und einem Kontinent in Schutt und Asche geführt hat, könnte man ja mindestens feststellen, dass das vielleicht doof war, oder nicht?
Das will ich ja gar nicht bestreiten, nur glaube ich einfach nicht, dass das die Sichtweise vieler der Menschen die damals mitgemacht haben war.
Ich glaube auch, dass für viele die Scharmbekundung performativ ist. Sie bleiben immer im Mainstream, das Fähnchen im Wind. Dennoch wäre für mich lobenswerter, wenn Opa tatsächlich eingesteht, dass er Teil der Partei war, die für den Holocaust zu verantworten ist, seine eigene Beteiligung anerkennt und sich dafür schämt. Das apologetische “Jede/r Staat / Großmacht / Whatever hat Dreck am Stecken” zeigt für mich wenig Einsicht.
Abgesehen davon, drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Opas Position ist deckungsgleich mit der eines Nazis. Die entschuldigen sich gewiss auch nicht für die Verbrechen. Da du darüber kein Wort verlierst, ist für mich unverständlich, wo da der Stolz erwachsen soll.
Abgesehen davon, drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Opas Position ist deckungsgleich mit der eines Nazis.
Er war ein Nazi, Uniform, Parteibuch und alles… die Position ist also nur folgerichtig.
Die entschuldigen sich gewiss auch nicht für die Verbrechen. Da du darüber kein Wort verlierst, ist für mich unverständlich, wo da der Stolz erwachsen soll.
Der gewisse Stolz erwächst daraus, dass er sich nicht wie viele andere performativ geschämt oder die SA Zugehörigkeit geleugnet hat (aber im Kern immer noch der Ideologie anhing). Er hat nicht gelogen. Später im Leben hat das ganze dann - laut Erzählungen meiner Mutter - schlicht und einfach keine Rolle mehr für ihn gespielt. Er hatte keine ideologischen Bücher, kein “Mein Kampf” im Regal - das Leben ging eben weiter.
Da bin ich irgendwie stolz auf meinen Opa: Der hat nie einen Hehl daraus gemacht, stand zu der Entscheidung beizutreten (war auch recht früh Mitglied). Da er zu jung war um im ersten Weltkrieg mitzukämpfen hatte er immer das Gefühl “nicht seinen Teil getan zu haben” und sah das als seine Chance. Was die NS Verbrechen anging hatte er eine… sagen wir mal “pragmatische”… Einstellung: “Riesen Sauerei… aber alle Großmächte haben Dreck am Stecken”. Ich denke bei ihm hat die SA Zugehörigkeit auch ein wenig dazu beigetragen, dass meine Familie gut durch den Krieg und - nach seinen Erzählungen - auch durch die Wirren der Nachkriegszeit gekommen ist.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich richtig verstehe aber du bist stolz darauf, dass er sich nicht dafür schämte?
Jup, genau dieses.
Warum ich das so sehe: Ich behaupte einfach mal, die offen zur Schau getragene Scham und Reue über den eigenen Part in der NS Zeit wird bei der überwiegenden Mehrheit der beteiligten Menschen rein performativ sein - sie verhalten sich halt so, bereuen es in der SA / SS / Wehrmacht etc. gewesen zu sein und “hätten heute natürlich ganz anders” gehandelt. Ich finde es da deutlich sympathischer wenn jemand ehrlich sagt: “Ich hatte Vorteile dadurch, ich fand die Idee damals gut und ich stehe dazu dass ich damals so gehandelt habe”.
Hm.
Wenn jemand “nur” für persönliche Vorteile in die NSDAP eingetreten ist, aber nach dem Krieg nicht perfomativ Reue zeigt…ist das irgendwie inkonsistent. Die performative Reue war ja ggf. auch für persönliche Vorteile in der jungen Bundesrepublik gut.
Das wäre eher ein Indiz für Überzeugung. Das “habe ich nur für persönliche Vorteile getan” ist ja dann schon die Schutzbehauptung.
Immerhin konnten sie alle sagen “wir wussten ka nicht, wo das alles hinführt”. Die Entschuldigung haben unsere Faschos von heute dann immerhin nicht mehr.
Das war ja auch nur ein Beispiel für eine hypothetische Aussage.
Oppa war von der damaligen “Bewegung” überzeugt und ist auch sehr früh in die SA eingetreten. Er hat nie offen Reue gezeigt und auch nie welche geheuchelt. Kurz: Er stand dazu welche Position er hatte.
Hm.
Dann ist der Take
“Ich bin stolz auf Opa, denn er war sein Leben lang überzeugter Nazi”?
Weird.
Und dieses “andere Großmächte haben auch Dreck am Stecken”. Wenn das heute ein unbeteiligter Historiker feststellt, und das einordnet, ist ja eine Sache. Wenn jemand das tut, um seine eigene Beteiligung an der Mordmaschine unbedeutend erscheinen zu lassen - mindestens mal ein schlechter Charakter, wahrscheinlich Schlimmeres. Hat auch was von “jaja, das mit den Juden, schlimmschlimm - aber die Autobahnen 😍”.
Wie in meiner anderen Antwort geschrieben ist mein Take: Er hat nicht gelogen um sich vor seinem Enkel besser darzustellen. Und ob er ein Leben lang überzeugter Nazi war? Keine Ahnung, möglich, wer weiß? Er hatte kein “Mein Kampf” im Regal, keine Hitler Bilder, keine Landser Heftchen - das Kapitel war für ihn halt einfach durch.
Ich verstehe halt die implizite Annahme nicht, dass Reue irgendwie geheuchelt und gelogen sein muss.
Wäre doch besser, wenn man “Ich war in der NSDAP und SA. Das hat mich angesprochen. Aber es war falsch und ich bereue es” sagt, oder nicht? Wenn man weiß, dass diese Ideologie zu Horror, Mord und einem Kontinent in Schutt und Asche geführt hat, könnte man ja mindestens feststellen, dass das vielleicht doof war, oder nicht?
Vielleicht habe ich einfach eine zu zynische Sicht auf die Welt, aber für mich klingt es einfach viel, viel zu unplausibel das jemand der in der SA / SS oder einer der anderen Organisationen des Nazireichs war, diesen Organisationen als erwachsener Mensch beigetreten ist (das schreibe ich explizit um hier mal die jungen, in der NS Ideologie aufgewachsenen und leicht manipulierbaren Menschen etwas herauszunehmen) plötzlich nach Kriegsende tiefe Reue für alles empfunden hat. Ich glaube einfach nicht, dass Menschen so funktionieren.
Das will ich ja gar nicht bestreiten, nur glaube ich einfach nicht, dass das die Sichtweise vieler der Menschen die damals mitgemacht haben war.
Dann verstehe ich den Stolz nicht. Dein Opa war ein Verbrecher.
Mir ist jemand der zu seiner Rolle steht um vieles sympathischer als jemand der leugnet.
Mir wären beide zuwider.
Das sei dir unbenommen
Ich glaube auch, dass für viele die Scharmbekundung performativ ist. Sie bleiben immer im Mainstream, das Fähnchen im Wind. Dennoch wäre für mich lobenswerter, wenn Opa tatsächlich eingesteht, dass er Teil der Partei war, die für den Holocaust zu verantworten ist, seine eigene Beteiligung anerkennt und sich dafür schämt. Das apologetische “Jede/r Staat / Großmacht / Whatever hat Dreck am Stecken” zeigt für mich wenig Einsicht.
Abgesehen davon, drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Opas Position ist deckungsgleich mit der eines Nazis. Die entschuldigen sich gewiss auch nicht für die Verbrechen. Da du darüber kein Wort verlierst, ist für mich unverständlich, wo da der Stolz erwachsen soll.
Er war ein Nazi, Uniform, Parteibuch und alles… die Position ist also nur folgerichtig.
Der gewisse Stolz erwächst daraus, dass er sich nicht wie viele andere performativ geschämt oder die SA Zugehörigkeit geleugnet hat (aber im Kern immer noch der Ideologie anhing). Er hat nicht gelogen. Später im Leben hat das ganze dann - laut Erzählungen meiner Mutter - schlicht und einfach keine Rolle mehr für ihn gespielt. Er hatte keine ideologischen Bücher, kein “Mein Kampf” im Regal - das Leben ging eben weiter.