Tatsächliche Stromkosten: Trotz Netzausbaukosten sind Erneuerbare am günstigsten Berücksichtigt man Speicher- und Stabilisierungskosten sowie den Netzausbau, bleiben Erneuerbare dennoch am günstigsten – unter einer Bedingung.
Mein naiver Gedanke: ist doch völlig egal, was das kostet. So lang wir mit Erneuerbaren den Klimawandel zumindest verlangsamen können, ist eigentlich kein Argument notwendig. Es ist doch sonst immer genug Geld da, es ist eher eine Frage des Wollens und nicht des Könnens. Die einzige Gefahr, die Erneuerbare beinhalten, ist dass etablierte Gewinnstrukturen einzubrechen drohen. Das ist doch Wahnsinn.
Ich finde es nicht korrekt, die Netzausbaukosten als Kosten der Erneuerbaren zu zählen.
Warum?
Die fossile Energieerzeugung verursacht massive Schäden. Die Umstellung davon weg kostet Geld, ja.
Aber die Umstellungskosten sollten nach Verursacherprinzip gewertet werden.
Ist doch im Privatrecht auch so: Angenommen, mein Nachbar betreibt eine Autowerkstatt und Waschanlage, die mit Chemikalien und Altöl meinen Garten verseucht. Dann hat er selbstverständlich für die Dekontamination des Gartens und der Erde aufzukommen. Und wenn er sein Gewerbe umstellt auf eine Naturholzmöbelfabrik, dann muss ich doch nicht die Kosten der Umstellung bezahlen.
Die “Netzausbaukosten” sind nichts als ein Versuch, die wirklichen Kosten der fossilen Energie zu externalisieren und die zwingend nötige Reparatur und Schadensminderung durch Andere bezahlen zu lassen.
Die Kosten für die Umstellung auf eine Möbelfabrik der Autowerkstatt zuzuschlagen finde ich ehrlich gesagt ein bisschen Milchmädchenrechnung.
Die Kosten für den Netzausbau gehören schon bei den Erneuerbaren eingepreist, da man erst durch die Wetterabhängigkeiten höhere Kapazitäten im Netz benötigt.
Eigentlich müsste man aber all die Umweltschäden, die durch fossile Energie entstehen, dort mit einpreisen. CO2-Emissionen, Schadstoffausstoß, Gesundheitsprobleme, Dürren, Hochwasser, Waldbrände, Schwermetallen etc. Und wenn man das auch nur ansatzweise machen würde, wären die fossilen so gnadenlos teuer, dass die erneuerbaren wahrscheinlich selbst dann günstiger wären, wenn wir das Netz jedes Jahr neu bauen würden.
Die Kosten für den Netzausbau gehören schon bei den Erneuerbaren eingepreist, da man erst durch die Wetterabhängigkeiten höhere Kapazitäten im Netz benötigt.
Die Speicher- und Regelkapazitäten benötigt man genauso bei Atomszrom, weil der eben auch nicht der Tages-Lastkurve angepasst ist.
Natürlich ist es nun technischer Fortschritt, heute statt Nachstromspeicherheizungen Batterien verwenden zu können. Aber das ist eben auch technisch angezeigte Modernisierung, kein reiner Kostenfaktor der Umstellung auf E.E.
Wenn wir jetzt voll auf Atomstrom setzen würden, hättest du aber zumindest eine sehr konstante, planbare und gleichmäßig über das Land verteilte Erzeugung und könntest die Anpassung an den Bedarf durch vergleichsweise kleine, lokale Speicher puffern. Da bräuchtest du dann maximal Speicher für ein paar Stunden vorhalten.
Bei den Erneuerbaren muss aber im Zweifel der Strom von der Nordsee nach Rosenheim und umgekehrt und wir müssen idealerweise nicht nur wenige Stunden, sondern auch längere Perioden überbrücken können, ohne auf regelbare Gaskraftwerke zurückgreifen zu müssen.
Ich gebe dir insofern Recht, dass auch ein 100%-Atomstromansatz neue Anforderungen an das Netz mit sich bringen würde, aber längst nicht in dem Maße wie bei Wind und PV. Beim “genauso” würde ich also widersprechen.
Im Kostenvergleich ist Atomstrom aber nochmal deutlich schlechter als die anderen Fossilen, insbesondere wenn man da die Ewigkeitskosten miteinbezieht.
Wenn wir jetzt voll auf Atomstrom setzen würden, hättest du aber zumindest eine sehr konstante, planbare und gleichmäßig über das Land verteilte Erzeugung und könntest die Anpassung an den Bedarf durch vergleichsweise kleine, lokale Speicher puffern.
Nein, könntest du nicht. Es sei denn du willst ernsthaft die nötige Kapazitäten bauen, um die benötigten Mengen zu Spitzenzeiten zu produzieren. Dann hast du Recht, aber dann ist die ganze Diskussion hinfällig, weil die Kosten dafür einfach bekloppt hoch wären.
Guck dir die tägliche Verbrauchskurve an und Vergleich sie mit der Bedarfskurve, dann sieht du an den Flächen recht gut, wie viel und wie lange gespeichert werden muss. Und jetzt zieh eine waagerechte Linie mit dem zeitunabhängigen Durchschnittsverbrauch, den kostante Produktion stellen würde und siehe da: Die Speicheranforderungen tun sich nichts. Mit Atomstrom brauchst du höchstens minimal weniger Spitzenkapazität aber must länger speichern.
Zunächst glaube ich - und das ist das wichtigste - dass wir uns einig darin sind, dass Atomstrom nicht die Lösung ist.
Bezüglich der Anforderungen ans Netz bin ich anderer Meinung. Wenn ich eine dezentrale und planbar konstante Erzeugung habe, muss ich “nur” Speicher bauen, um die Spitzen innerhalb eines einzigen Tages zu puffern.
Bei den Erneuerbaren brauchen wir Konzepte, um dasselbe über mehrere Tage oder im Extremfall auch Wochen zu tun. Und zusätzlich muss ich große Transportkapazitäten über lange Strecken bereitstellen: innerhalb Deutschlands und idealerweise auch über Länder und Kontinente hinweg, um diese Schwankungen auszugleichen. Meines Erachtens ist das eine ganz andere Hausnummer.
Dazu kommt, dass ich bei einer guten Planbarkeit auch von vorneherein viele Lastspitzen vermeiden kann. Wenn ich weiß, dass ich z.B. jede Nacht Atomstrom übrig habe, kann ich bewusst energiehungrige Prozesse (Chemieindustrie, Zementproduktion) in die Nacht verlagern, sodass ich dadurch wieder weniger Speicher brauche. Bei erneuerbaren Energien ist das wesentlich schwieriger. Da kann ich nicht jeden Tag zu anderen Uhrzeiten produzieren und alle Viertelstunde die Anlagen hoch und runter regeln, je nachdem, wie gerade der Wind weht oder die Sonne scheint.
Ein Problem das bleibt und sich in Zukunft durch Wärmepumpen auch noch Verschärfen wird sind saisonale Schwankungen. Ein erhöhter Strombedarf im Winter heißt automatisch, egal wie ich den zu produzieren gedenke, dass ich im Sommer ungenutzte Infrastruktur einfach so rumstehen habe. Und das ist leider immer relativ teuer.
Wenn wir eine skalierbare, erneuerbare Energiequelle hätten, die eine konstante, definierte Leistung liefert, wäre das aus meiner Sicht ein absoluter Jackpot. Da wir das nicht haben, brauchen wir eben einen massiven Netzausbau. Das macht die verfügbaren erneuerbaren aber trotzdem keineswegs unattraktiv. Die sind immer noch mit Abstand das beste, was wir haben. Nur haben sie eben auch gewisse Nachteile, die man meines Erachtens auch ruhig benennen kann.
Dein letzter Punkt wird von Atomkraftbefürwortern häufig und gern übersehen. Z.B. die enormen Rückbaukosten veralteter Kraftwerke. Die Rechnung geht dann nicht mehr auf. Der Lobby ist das allerdings egal, weil sie darauf baut die Gewinne (Bau und Betrieb) zu privatisieren und die Verluste (Rückbau und Lagerung radioaktiven Materials) zu verstaatlichen.
Da magst du Recht haben, das ist Vielen aber egal.
Die Message “Erneuerbare sind trotz Netzausbau und Speicher billiger” ist dagegen etwas, das auch bei den größten Egoisten hängen bleibt.
Wäre schön, aber wir haben längst den Punkt erreicht, an dem Fakten eben bei den meisten nicht mehr hängenbleiben.


