Immer wieder müssen Polizisten zur Dienstwaffe greifen. In Baden-Württemberg starben dabei zuletzt so viele Menschen wie seit Jahren nicht mehr.
Immer wieder müssen Polizisten zur Dienstwaffe greifen. In Baden-Württemberg starben dabei zuletzt so viele Menschen wie seit Jahren nicht mehr.
Das deckt sich halt leider auch sehr mit der Verrohung der Gesellschaft. In einer Welt, in der Bandenkriminalität immer prominenter und organisierter wird oder auf offener Straße Leute attackiert werden, wir Schutzmaßnahmen für Weihnachtsmärkte brauchen etc … da wundert es mich tatsächlich weniger, dass das Gewaltmonopol seine Gewalt auch öfter nutzt bzw. nutzen muss. Ist übrigens kein Gutheißen der Taten, und hier wird definitiv auch viel zu wenig richtig aufgeklärt und bestraft. Aber hier jetzt wieder ACAB zu rufen ist halt auch falsch.
Und wenn ich dann noch sowas hier lese:
… dann sind das eben auch berechtigte Gründe, eine Schusswaffe zu nutzen.
Der Name ist Programm. Die Kriminalität ist nach wie vor auf einem Allzeittief.
Noch nie war es so sicher im Land. “Witzig” ist auch, wenn man da mal ins Detail geht, dass sogar innerhalb der Straftaten eine Verschiebung stattfindet: weg von Gewaltkriminalität hin zu Eigentumsdelikten. Was ja ganz komisch ist, wenn die Leute immer ärmer werden.
Weis nicht, wie du mit diesem Wikipediaartikel auf ein “Allzeittief” kommst. Im Bereich “Entwicklung über Zeit” haben Gewaltverbrechen sogar den Höchststand seit 2009. Klar, auf 100.000 Einwohner gerechnet nicht, aber man sollte schon von der Gesamtzahl ausgehen.
Sorry, aber das ist absoluter Bullshit. Ich weis nicht, in welcher Gated Community du wohnst, aber als jemanden, der jahrelang in schwierigen Bezirken gelebt hat - sicher ist hier nen Scheiß. Organisierte Kriminalität ist viel präsenter als noch vor 6 Jahren. In Köln z.B. konntest du der Stadt echt beim Verfallen zuschauen. Als meine Freundin zu mir gezogen ist, haben wir uns ne andere Wohnung im Norden Kölns gesucht, die 400€ teurer und 15m² kleiner war - einfach, weil sie Angst hatte, nach 20:00 die Wohnung zu verlassen.
Bitte schau dir mal Brennpunktbezirke genau an. Wenn du die Möglichkeit hast, wohne mal 2 - 3 Wochen dort. Einfach, damit du realisierst, dass hier von “Sicherheit” keine Rede sein kann.
Kann ich so auch nicht unterschreiben. Hab keine Statistik dazu, aber in meiner Erfahrung gehen Eigentumsdelikte häufig mit Körperverletzung einher. Ich weis nicht, als was es gewertet wird, wenn jemand dein Handy klaut und dir beim Flüchten auf die Nase schlägt.
🤡👌
Ja wow, wenn man Werte nicht normiert, dann sind alle Zahlen immer ganz groß bei wachsender Bevölkerung, große Erkenntnis.
Ich habe 17 Jahre im schwerkriminellen Hamburg-Harburg gewohnt. War cool, niemandem in meinem Umfeld ist je was passiert. Nicht mir, nicht meiner Frau, nicht unserem Kind, niemandem von meinen Freunden oder Bekannten. In 17 Jahren wurde einmal der Vorderreifen von meinem Fahrrad geklaut und die Vorderscheibe von unserem Auto eingeschlagen. Letzteres auch noch mal bei einem Freund. Eigentumsdelikte. Hat genervt, war versichert. Meine Schwiegereltern, die in einer “Gated Community” (aka Dorf mit deutlicher weißer Mehrheitsbevölkerung) leben, hatten auch immer Angst, wenn sie uns besuchen kamen. Das lag aber an denen, nicht daran, dass es wirklich unsicher wäre.
So viel zu den tollen persönlichen Eindrücken, die man haben kann ¯\_(ツ)_/¯
Steht auch rudimentär im Wikiartikel, ist noch einfacher Nachzuvollziehen, wenn man wirklich die PKS dazu wälzt.
Dein Beispiel ist übrigens ‘Raub’.
Edit: Nachtrag. Das hier
da bin ich übrigens bei dir. Das hat aber nichts mit irgendwelcher Kriminalität zu tun, sondern dass wir im Land halt die öffentliche Daseinsfürsorge aktiv zertrümmern.
Edit2:
Deine Erfahrung trügt: von den Eigentumsdelikten sind 1,9 Mio. Formen des Diebstahls (inkl. Einbrüchen, nennt man Wohnungseinbruchsdiebstahl). Dagegen 43.000 Raubüberfälle (also dein “Ich hau dir auf’s Maul und zieh’ dein Handy ab”).
Brauchen wir die wirklich? Oder lassen wir uns einreden, dass wir diese Schutzmaßnahmen brauchen?
Ich war neulich aufm Weihnachtsmarkt. Die Poller waren absolut amateurhaft platziert. Zu nah am Marktgeschehen ohne Sicherung des Publikums beim Betreten, in Seitengassen, die ohnehin nicht von modernen Autos (von LKW ganz zu schweigen) befahren werden können, usw. Im Fall der Fälle hätten die nichts gebracht. Und was ich auf Bildern zu Berichterstattung über Weihnachtsmärkte gesehen habe, sieht es anderswo kaum anders aus.
Auch andere Maßnahmen, mit denen auf die vermeintlich zunehmende Kriminalität reagiert wird (wie Waffenverbotszonen) sind keine wirksamen Methoden.
Gleuchzeitig haben wir Bauchschüsse gegen gehörlose Zwölfjährige, Schüsse zur Selbstverteidigung in die Rücken junger, schwarzer Männer, psychische Ausnahmesituationen, bei denen Menschen mit Selbst(!)verletzung drohen und die mit Waffengewalt “gelöst” werden usw.
Same here. Auf der Seite, auf der man easy mit dem LKW rein brettern könnte, waren keine Poller. Auf der anderen Seite waren 5 riesige Beton-Blumenkübel, obwohl dort bereits eine Mauer, ein Kino, ein riesiger belegter Parkplatz und Ladesäulen sowie eine Trafostation im Weg stehen.
Weis nicht, fragen wir doch mal die Leute in Magdeburg, ob wir diese Schutzmaßnahmen wirklich brauchen.
Dann hätten die im Falle eines Angriffs nichts geholfen. Ändert nichts daran, dass wir doch einige Angriffe auf öffentliche Veranstaltungen in den letzten Jahren hatten und Vorsichtsmaßnahmen deswegen wichtig sind.
Klar, diese Situationen müssen auch entsprechend untersucht und sanktioniert werden. Aber das jetzt auf die ganze Polizei zu reflektieren ist falsch. Ich stimm dir absolut zu, dass wir definitiv der Polizei Nicht-tödliche Mittel geben müssen, um Situationen wie z.B. psychische Ausnahmesituationen zu entschärfen, aber zu sagen: “Die Polizei erschießt Menschen, ACAB!” ist wirklich sehr sehr dumm.
Diese Vorsichtsmaßnahmen sind aber unwirksam und die Vorfälle statistisch gesehen nicht signifikant. Da wird Geld verschwendet, ohne dass es einen Effekt hat.
Was aber gemacht wird ist, dass uns erzählt wird, es gäbe eine erhöhte Bedrohungslage, und das wird aus vier Gründen gemacht. Erstens um ein Feindbild aufbauen und zum Sündenbock machen zu können (“DiE aUsLäNdEr1!!!11!”), zweitens um autoritäre und Überwachungsmaßnahmen durchsetzen zu können (KI-Gesichtserkennung und anlasslose Personenkontrollen), drittens um unsere Aufmerksamkeit von den tatsächlichen Problemen (die größer werdenden Ungerechtigkeiten bei Einkommen und Vermögen) abzulenken und viertens um mit Symbolpolitik vorzugaukeln, es würde etwas gemacht werden.
Erstens: hab ich das? Ich würde es begrüßen, wenn du mir keine Worte in den Mund legen würdest. Zweitens: bei Kritik an der Polizei reflexartig und pauschal den Kritisierenden zu unterstellen, pauschale und unreflektierte Parolen rauszuhauen, ist kein guter Stil. Drittens: die Polizei hat systemische Probleme. Also wenn man solche Fälle nicht jedem*jeder Beamten individuell vorwerfen kann, so muss man dennoch die Polizeien als ganzes betrachten und diese Probleme entsprechend angehen.
Ich wollte mit dem Ganzen auf etwas bestimmtes hinaus, der Punkt ging wohl leider an dir vorbei.
Wie dir an anderer Stelle schon gesagt wurde: Deutschland ist nachwievor ein sehr sicheres Land und die Kriminalität auf einem sehr niedrigen Niveau. Und komm mir jetzt nicht mit absoluten Fallzahlen, so funktioniert Statistik nicht. Man muss schon Dinge in Perspektiven setzen können, statt auf rein emotionaler Ebene zu argumentieren.
Ich würde dir ja sogar zustimmen, dass wir gesellschaftlich “verrohen”, allerdings kommt das nicht aus der Richtung, gegen die wir ineffektive Poller auf Weihnachtsmärkten aufstellen und Sonderkontrollzonen einrichten.
“Ah ja, ihre Tochter ist auf dem Weihnachtsmarkt gestorben - aber ich kann sie beruhigen, das ist statistisch gesehen nicht signifikant. :)”
Sorry, aber diese Aussage finde ich absolut grässlich. Ein paar Betonpoller aufzustellen, um diese Situation, falls sie auftritt, vermeiden zu können, scheint mir nicht übertrieben zu sein. Das ist sehr wenig Aufwand für ein potentielles großes Schutzpotential. (wenn sie richtig genutzt werden natürlich)
Da bin ich genauso dagegen wie du - aber du kannst Massenüberwachung nicht mit dem Schutz lokaler Events gleichsetzen.
Nein, aber ich hab mich auch nicht speziell auf dich bezogen, sondern auf die Meinung, die ich vom Fediverse (nicht nur dem deutschsprachigen) allgemein kenne.
Denke, da werden wir nicht auf einen Nenner kommen. Für mich war die letzten 5 - 6 Jahre ein deutlicher Verfall zu bemerken.
Ich denke, die Verrohung kommt aus allen Seiten. Das ist ein Hochschaukeln aus jeder Richtung der Gesellschaft. Klar sollte man was gegen rechte Trottel tun, keine Frage, aber alle anderen potentiellen Gefahren einfach außen vor zu lassen ist doch auch falsch.
Ich rede nicht mit Angehörigen. Ich rede mit dir. Und ich versuche, dir klarzumachen, dass das politische und mediale Aufgeilen an möglichst sichtbaren (aber weiterhin ineffektiven) Sicherheitsmaßnahmen eine unnötige Panikmache ist.
Mache ich nicht. Aber das ist der nächste Schritt, den Innenpolitiker*innen, Rechtspopulisten und Polizeifunktionäre gerne umsetzen möchten. Es ist relevant, die Eskalationskette aufzuzeigen.
Deine persönliche Wahrnehmunh kann und will ich dir nicht absprechen. Aber sie ist fehlerhaft und eingeschränkt. Und für Entscheidungen, die die ganze Bevölkerung betreffen, kann man nicht auf fehlerhafte Wahrnehmungen einzelner eingehen, sondern muss den Überblick über die Tatsachen behalten. Und die sprechen eine andere Sprache.
Tu ich auch nicht, im Gegenteil. Ich sehe mir an, wie relevant und ausgeprägt diese Potenziale sind, um zu beurteilen, welche Gefahren zu priorisieren sind, welche Maßnahmen zielführend und welche Verhältnismäßigkeiten abzuwägen. Und das ist der Unterschied zwischen uns beiden. Du verlässt die emotionale Ebene nicht und denkst nicht rational.
ja, es gibt bestimmt auch gerechtfertigte gründe. nur ist es mir unverständlich, wie es einfach hingenommen wird, dass bei der polizei die deeskalation offenbar nicht mehr angesagt ist. wenn man von menschen in psychischen ausnahmesituationen hört, die erschossen wurden, dann erschrickt mich, dass man offenbar kein geld hat polizisten für sowas auszubilden, aber gerne die tötungsfernbedienung an die verteilt.
und das sowas keine konsequenzen hat, braucht bei mir keiner rechtfertigen. das ist schlichtweg menschenverachtend und da habe ich ein geschlossenes weltbild.
… Nach Aussage der Polizei. Wäre ja auch dämlich, wenn sie im Nachhinein “upsi” sagen würden. Wenn du das LKA fragst, machen Polizisten keine Fehler.
Du vergisst vielleicht auch, dass es Alternativen zum Schusswaffengebrauch gibt, bspw “mancatcher”, bei denen Deutschland sich vehement wehrt, sie einzusetzen.
Wenn jemand mit einem Messer auf mich zurennt kann ich ihn nicht einfach erschießen.
Deswegen müsste es eigentlich konsequent Bodycam-Pflicht geben. Dann kann man sowas recht genau analysieren.
Das stimmt, aber das hängt ja nicht an den einzelnen Polizisten, die halt das nutzen, was sie zur Verfügung haben. Afaik sind ja nichtmal Taser in Deutschland erlaubt.
Puh. Das finde ich echt schwierig und lässt sich auch einfach sagen, wenn man nie in einer solchen Situation war. Ich hab jahrelang in Köln-Kalk gelebt und hab mich echt mehrfach in sehr brenzligen Situationen gefunden. Bin ganz ehrlich, ich hab immer jede mir zur Verfügung stehende Möglichkeit genutzt, um mich zu verteidigen - hätte ich in einer dieser Situationen ne Schusswaffe gehabt, hätte ich die mit ziemlicher Sicherheit auch genutzt. Letztendlich ist mir mein Leben halt mehr wert das das Leben von irgendeinem Typen, der mich abstechen will.
Gibt Studien nach denen Taser zu mehr Gewalt und mehr Todesfällen führen. Die Dinger haben zu Unrecht einen guten Ruf, im Endeffekt sind die auch nur weniger tödlich als dass sie ungefährlich wären.
Aber das führt eben zu inflationärem Gebrauch der Taser, weil Polizisten denken “hach, die sind ja ungefährlich” und sie dann auch benutzen wenn sie einfach nur reguläre Zwangsgriffe anwenden könnten.
Ja, aber hättest du einen Mancatcher, bräuchtest du die Knarre nicht. Und du hast sie ja auch nicht gehabt und trotzdem bist du vermutlich nicht niedergestochen im Krankenhaus gelandet.
Eine Knarre macht eine Messerstecherei halt zu einer Schießerei. Wenn alles, was du dabei hast, ein Hammer ist, sieht auf einmal jedes Problem wie ein Nagel aus.
Ich bin ja nicht dagegen, dass Polizisten Schusswaffen führen und benutzen dürfen. Ich sage nur, in vielen Situationen gäbe es bessere Alternativen, die der Polizei nicht mal zur Verfügung stehen.
Das kannst du aber den Polizisten auf der Straße nicht zum Vorwurf machen - dafür sind andere Stelle zuständig.
Also ich finde schon, dass der Polizist auf der Straße dafür verantwortlich ist, wen er abknallt.
Das schon - aber wenn er keine nicht-tödlichen Alternativen zur Verfügung gestellt bekommt, was soll er machen? Sich selbst oder andere abstechen lassen?
Taser stehen zur Verfügung.
Ich glaube nicht, dass Menschen mit Messern, die nicht erschossen werden, direkt andere Leute abstechen. Siehst du das öfters passieren?