Noch wächst die Weltbevölkerung weiter, weil Frauen aus geburtenstarken Jahrgängen das gebärfähige Alter erreichen und die Alten länger leben. Die Vereinten Nationen haben errechnet, dass die Weltbevölkerung ihren zahlenmäßigen Höhepunkt Mitte der 2080er-Jahre erreichen wird. Fernández-Villaverde geht davon aus, dass der Höhepunkt schon 30 Jahre früher kommen wird.
Die Entwicklung stellt eine klassische Erzählung auf den Kopf. Lange dachte man, dass reiche Gesellschaften und reiche Familien weniger Kinder haben, während arme Länder und arme Familien viele Kinder zur Welt bringen. Die neue Realität ist, dass der globale Rückgang der Geburtenraten sich vor allem auf Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie auf ärmere und weniger gebildete Frauen konzentriert. Die Konsequenz: Viele Länder werden alt, bevor sie reich geworden sind. Sie müssen dann alternde Gesellschaften finanzieren, ohne zuvor den Wohlstand, die leistungsfähigen Institutionen und die Steuerbasis Europas oder Japans aufgebaut zu haben.
Fernández-Villaverdes radikalste Erklärung lautet deshalb: Nicht einzelne Kosten machen moderne Gesellschaften kinderarm. Es ist die Moderne selbst: Ausbildung beanspruche die fruchtbarsten Jahre, Unterbrechungen für die Kindererziehung schadeten den Berufskarrieren, Arbeitsmärkte rissen Familien auseinander. Was Gesellschaften produktiver gemacht hat, macht Familiengründung schwieriger.


Auch sozial hat eine schrumpfende Bevölkerung einige Vorteile. Ganz grundsätzlich braucht eine Produktion Kapital und Arbeit. Nun gibt es allerdings das Kapital also Fabriken, Infrastruktur und so weiter für eine größere Bevölkerung. Sprich die Arbeit kriegt ganz automatisch mehr Verhandlungsmacht. Wenn man in die Geschichte Westeuropas zurückschaut, dann gibt es auch nur zwei Zeiträume wo strukturell die Ungleichheit weniger geworden ist. Der eine war nach der Pest und der andere nach dem 2Weltkrieg. Sprich zwei Zeiträumen wo sehr viele Menschen vorher gestorben waren.
Wenn das also ohne Zwang friedlich passiert, ist das nicht unbedingt etwas schlechtes.
Nach dem zweiten Weltkrieg war alles kaputt gebombt auch die Fabriken. Da gab es kein Sachkapital mehr nur Bodenwert.
Im Mittelalter gab es nur Humankapital. Boden und Sachwerte, falls vorhanden, waren in adeligem oder kirchlichem Besitz. Das hat sich erst durch die Kaufleute in der Renaissance geändert.
Ich sehe eher eine Konzentration der Macht und Ungleichheit. Das wurde im Artikel auch benannt: Die kleinen Firmen werden keine Mitarbeiter oder Nachfolger mehr finden. Die großen Konzerne haben damit keine Probleme. Es wird die kleinen Leute treffen.
Nein das war es einfach nicht. Selbst in Berlin sind noch fast 40% der Wohngebäude älter als 1949. Da wurde auch nachher noch einiges Abgerissen. Klein und Mittelstädte waren oft kaum zerstört. Bei vielen Fabriken gab es Schäden, allerdings war davon oft nur ein Teil der Produktionslinie betroffen, sprich es war relativ einfach zu reparieren.
In Deutschland sieht es oft schlimmer aus als es ist, da die Innenstädte oft stark zerbombt wurden. Die sind auch nachher durch die historisch gewachsene Infrastruktur Innenstädte geblieben. Allerdings gibt es oft um die Innenstädte herum große Gründerzeitviertel die den Krieg gut überstanden haben.
Das ist genau das was ich sage. Der Arbeitsmarkt ist ein Markt. Wenn die kleinen Firmen keine Mitarbeiter finden, dann liegt es daran, dass die großen einfach mehr bieten. Für die Arbeiter ist das natürlich gut. Außerdem wenn man als kleiner Unternehmer keinen Nachfolger findet, heißt das halt, dass die Firma sehr günstig abzugeben ist.
Eine Produktion braucht kein Kapital, nur Arbeit. Kapitalisten brauchen Kapital, Menschen brauchen keine Kapitalisten.