Genau an dieser Stelle sieht Kraus einen Systemfehler. Sein Vorwurf: In den Arbeitsgruppen, die die Normen festlegen, seien überproportional viele Vertreter aus Wirtschaft und Industrie - mit einem Eigeninteresse. Kraus kritisiert: “Die Industrie hat überhaupt kein Interesse daran, die Normen zu reduzieren und damit weniger Baustoffe zu verkaufen, denn die verdienen daran Geld.”
Der Normenausschuss ist heute tatsächlich eine Lobbyorganisation. Der Gesetzgeber ist aber Mitschuld, wenn er Standards nach DIN-Normen verpflichtend vorschreibt, ohne sie selbst nochmal zu kontrollieren, ob sie denn so sinnvoll sind. Die Vorgaben in der Automobilbranche sind genau so entstanden. Die einheimische Branche gibt sich selbst Regeln, um die ausländische Konkurrenz zu schädigen. Nicht alle Regeln sind sinnvoll.
Die Auflagen sind nicht das Problem sondern die Prüfung. Wenn weniger Bauten in der gleichen Zeit genehmigt werden sinkt das Angebot an Wohnraum und der Preis steigt.
Andererseits vermeiden verbindliche Normen viel gefährlichen Wildwuchs, wie gerade wieder in den USA mit dem Hochhaus erlebt. Man wollte ja nur Geld sparen, bzw. den Gewinn erhöhen.
Grundlegende Sicherheitsnormen sind sinnvoll. Die Frage ist ob jedes Land wirklich seine eigene Bauordnung braucht und jede Kommune ihr eigene Software.
Es gibt eine Musterbauordnung. Aber sinnvollerweise sollte man da denn Ländern da nur wenig Spielraum lassen was sie selbst ändern dürfen. Ähnlich wie bei den Eurocodes. Eine Norm für Europa, und die Länder dürfen gewisse Dinge an ihre speziellen Bedürfnisse anpassen.
Normalerweise schreibt der Bauherr vor welche Normen angewendet werden. Da kann also schon ausgesiebt werden.
Klar aus der Baugenehmigung kommen dann noch ein paar Vorgaben, das macht das Kraut aber nicht fett.
Soll heißen die Eigenheimbauer sind zu blöd günstiger zu bauen?
Da sind noch die Professionellen, die Wohnblöcke bauen. Die machen sich vermutlich vor allem sorgen, dass sie verklagt werden, wenn sie nicht alles erfüllen, was die DIN auch nur empfiehlt.
Das wurde mal so erklärt der Käufer sich es einfach macht und “Stand der Technik” reinschreibt. Dann gelten alle zum Zeitpunkt gültige Normen.
Man kann aber eben auch mal in die Normen schauen und dann da die passendsten Optionen nehmen. Oder halt Normen ausschließen. Das macht der Architekt / Bauingenieur für den Nicht-Fachmann.
Würde ein Architekt / Bauingenieur denn sowas vorschlagen wie “Stand der Technik, aber hier beim Lärmschutz sparen wir”? Da sind doch Beschwerden vorprogrammiert.
Du meinst vermutlich die allgemein anerkannten Regeln der Technik. Die entsprechen nicht unbedingt dem Stand der Technik. Aber du kannst nicht einfach Normen ausschließen. Es gibt Technische Baubestimmungem, an denen kommst du nicht vorbei.
Wo schreibt denn der Bauherr die Norm vor?
Im Bauvertrag.
Damit kannst du aber keine Vorschriften aushebeln.
Normen schon, Vorschriften nicht.



