Tempolimit, Homeoffice, weniger Flüge: Die Internationale Energieagentur IEA setzt angesichts der Ölkrise infolge des Iran-Kriegs auf Verhaltensänderungen zur raschen Senkung des Verbrauchs.
Tempolimit, Homeoffice, weniger Flüge: Die Internationale Energieagentur IEA setzt angesichts der Ölkrise infolge des Iran-Kriegs auf Verhaltensänderungen zur raschen Senkung des Verbrauchs.
Das Problem ist, dass das schlicht und einfach nicht geht. Selbst wenn jeder jetzt auf die Idee kommt, das Richtige zu tun, die Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, das Verbrennerauto in die Schrottpresse zu packen und durch ein E-Auto zu ersetzen, wird es trotzdem nicht funktionieren. Die große Herausforderung aktuell ist, dass ein gigantischer Teil der fossilen Energieproduktion auf dem Weltmarkt plötzlich weggefallen ist und es daher eine ernsthafte Knappheit gibt. Das kriegst du nicht so mal eben ersetzt, wir reden über gigantische Mengen.
Die Hersteller und Handwerker, die Alternativen im Sortiment haben, sind schlicht und einfach nicht in der Lage, diese gewaltige Menge kurzfristig zu ersetzen. Ein Wärmepumpenhersteller hat nur eine gewisse Produktionskapazität. Die Handwerker können auch nicht mehr Wärmepumpen verbauen, selbst wenn sie jetzt neue Leute suchen. Und auch die E-Auto-Hersteller können nicht plötzlich zig Millionen Fahrzeuge in den nächsten zwei Wochen herstellen. Die geplante Transformation ist ja langfristig gedacht, dass im Endeffekt die Leute sich ein E-Auto kaufen, wenn das Bestehende kaputt ist, oder die Heizung dann durch eine Wärmepumpe ersetzen, wenn die Alte das Ende ihrer Lebenszeit erreicht hat. Das Problem ist, dass wir jetzt diesen riesigen Schock haben und theoretisch mehrere Jahrzehnte an Umstellung noch diesen Sommer machen müssten.
Und ja, da können wir uns bei ganz bestimmten Parteien bedanken, die in den letzten Jahren wider besseres Wissen genau diese notwendige Transformation so sehr verzögert, verschleppt und sabotiert haben, dass uns das jetzt zum zweiten Mal richtig auf die Füße fällt. Vielen Dank auch.
Angegangen und gefordert werden muss es aber, dringend. Insbesondere von solchen Verbänden. Aber es kommen nur Forderungen und Vorschläge, die man später leicht wieder zurückbauen kann, und kein “Um die Krise jetzt abzumildern brauchen wir X, aber um langfristig solchen Krisen vorzubeugen müssen wir Y!” Das fehlt komplett.
Im Zweifelsfall kriegen wir eine Mischung aus 70er-Ölkrise und COVID-19.
In Sachen aktive Maßnahmen Geschwindigkeitsbegrenzungen (z.B. 100 km/h auf Autobahnen wie in den 70ern) und Pflicht zur Remote-Arbeit wo möglich. Empfiehlt ja auch die IEA so. Dazu vermutlich noch die Einstellung von Kurzstreckenflügen, allein schon aus Kostengründen.
Auch zu erwarten sind wirtschaftliche Schäden mit Firmenschließungen und einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Massiver Anstieg der Benzin- und Dieselpreise, weil das Öl für die Wirtschaft benötigt wird. Und all das spielt den Bauernfängern in die Hände, weil bei komplexen Problemen die Leute mit den einfachen Lösungen immer Gehör finden.
Das hätte frühzeitig vermieden werden können, wurde aber nicht. Mit geschickter Steuerung könnte man das noch abdämpfen, aber ein Teil des Schadens ist gemacht und, naja, wir haben die Union am Steuer.