Musste im Studium das Latinum machen, war nicht leicht ohne Unterricht vorher an der Schule. Hat mir dann fürs Spanischlernen was gebracht. Aber ja, braucht keiner mehr wirklich.
Das mit dem “gut fürs Lernen romanischer Sprachen!” ist auch zweifelhaft. Die sind aus einem späten Vulgärlatein hervorgegangen, das von dem klassischen Schul-Latein ein paar Jahrhunderte entfernt war. Niemand lernt Mittelhochdeutsch, um leichter Niederländisch oder Schwyzer-Deutsch zu lernen.
Ich hab das Latinum und wieder alles vergessen. Es ist Müll im Kopf den man nicht braucht. Wenn ich eine Sprache sprechen möchte, kann ich sie lernen, anstatt eine andere lernen zu müssen “mit der ich dann sicher die andere besser lernen kann”.
Latein war bei uns Drittsprache mit nur Französisch als Alternative, was irgendwie scheiße war. Ich hätte Spanisch, Schwedisch, Italienisch etc. gelernt, kein Problem. Und könnte es wahrscheinlich heute recht fließend…
Eindeutig - der Lateinunterricht damals in der Schule war rückblickend völlig verschenkte Zeit, in der ich auch irgendwas sinnvolles hätte lernen können. Ich habe ein großes Latinum, das nachher schlicht und einfach nie wieder gebraucht, auch im Studium nicht. Ich kann auch kein Latein mehr übersetzen und die Glorifizierung der absoluten völkermordenden sklavenhaltenden Arschkrampen aus Rom ist im Rückblick echt gruselig.
Ich setze mich auch für eine drastische Kürzung des Lateinunterrichts an den Gymnasien ein. Maximal 2 Jahre, beginnend in der 11. Schulstufe. Wen das wirklich interessiert kann es ja in einem freiwilligen Zusatzkurs machen. Gibt keinen Grund, damit die Allgemeinheit zu belasten.
Ich denke mal, dass Latein immer noch unterrichtet wird, liegt hauptsächlich an einer sentimentalen Geschichtsauffassung als “Europa der Ort, der durch das römische Reich groß geworden ist”, d.h. man verbindet die lateinische Sprache mit den Errungenschaften Roms. Allerdings ist das so, wie wenn man die verschwitzte Kleidung, die man getragen hat, als man zum ersten mal einen Marathon gelaufen ist, jahrelang behält und sie von nun an als glücksbringenden Talisman verwendet. Das hat keinen realen Nutzen, es ist reiner placebo-Effekt.
Ich möchte auch noch klarstellen, dass ich denke, dass die lateinische Sprache eine tolle Sache ist und wahrscheinlich weltbewegende Verbesserungen hervorgebracht hat, einschließlich eines einfachen, aus wenigen Lauten bestehenden Alphabets, das durch wenige Schriftzeichen geschrieben wird (im Gegensatz zum chinesischen z.B.). Das gab’s zwar vorher auch schon, z.B. griechisch, aber Latein hat dieses Konzept europaweit etabliert (die germanen hatten kaum/wenig Schrift). Das heißt aber nicht, dass ich mich damit herumschlagen muss, was der Akkusativ von “conundrum” ist.
Übrigens hat wahrscheinlich die Einfachheit des lateinischen Alphabets die praxisnahe Erfindung des modernen Buckdrucks mit beweglichen Lettern um 1500 überhaupt erst ermöglicht. Buchdruck gab’s davor nämlich auch schon, sogenannter Blockdruck (ganze Seite wird in Holz geschnitzt und dann auf einmal gedruckt) und der Buchdruck mit beweglichen Lettern wurde von den Chinesen schon um 1000 praktiziert (Wikipedia hat da einen netten Artikel dazu), dieser setzte sich aufgrund der Komplexität des chinesischen Alphabets jedoch nicht durch (es ist zu aufwändig, den einen richtigen Stempel unter 5000 hervorzusuchen).
Latein ist toll. Ich hatte nie Lateinunterricht weil ich nur die Hauptschule besucht habe. Alles an Latein das ich kann habe ich in Spielen und Musik aufgeschnappt und ihr glaubt ja nicht wie oft diese paar Fetzen dafür gesorgt haben das Leute dachten ich hätte studiert. Und plötzlich klingen die “dummen” Vorschläge die ich mache nach guten Ideen. (sie werden nicht einfach abgetan weil Hauptschüler=doof)
Finde ich kreativ und sehr gewieft! Aber dass du zu solchen Mitteln greifen musst, damit man dir zuhört finde ich ätzend.





