Es war irgendwann in der Zeit als die Corona-Zeit zwar noch nicht vorbei war, aber die größten Verwüstungen vorerst etwas gelindert waren. Als die ersten Leute geimpft waren, als die Ausgangssperren nicht mehr waren und es auch nicht mehr Winter war. Da erzählten dann die ersten Freunde, dass es ihnen in dieser Zeit gar überhaupt nicht so gut gegangen ist. Man hörte von den ersten Bekannten, die in Therapie oder einer Klinik gegangen sind und hat es von anderen mitbekommen, dass die es auch hart nötig gehabt hätten. Aber erstmal haben die Leute geschwiegen und es in sich rein gefressen.
Und jetzt? Jetzt habe ich das Gefühl, dass in diesem aktuellen Wahnsinn gerade die psychischen Verwüstungen auch anfangen. Ich hab es bei ein, zwei Freunden bemerkt, die nicht drüber sprechen, aber wenn man sie kennt, merkt man, dass sie gerade mächtig knabbern. Das die Sicherheit komplett zerfetzt wurde, ganze Weltbilder ins Wanken geraten, die Unsicherheit Ängste macht.
Also: Wie geht ihr mit der ganzen Geschichte rund um Krieg, Trump, Wirtschaftskrise, Grönlandgier, Techimperialismus und Faschismus um? Wie geht es euch?


Ich für meinen Teil habe den Glauben an die Menschheit seit Corona mehr oder weniger verloren - obwohl wissend, dass die Mehrheit der Menschen vernunftbegabt, empathisch und zivilisiert ist.
Leider zeigt sich immer deutlicher, dass ein viel zu großer Anteil der Menschheit aus aggressiven, dummen, bildungsfeindlichen, unberechtigt selbstüberzeugten, irrationalen, asozialen Personen besteht - vorwiegend aus dem rechten Spektrum. Und der ist ein Problem. Und diese Menschen lauern überall.
Das hat für mich dazu geführt, dass ich viel wachsamer bin, mit wem ich über welches Thema rede. Und wenn mir im Verein, auf Arbeit oder sonstwo ein erkennbarer Blauzi oder Trump-Fan begegnet, dann treffe ich aktive Maßnahmen, meinen Kontakt mit dieser Person zu minimieren, denn für solche habe ich nur noch kalte Verachtung übrig.
Ach ja, und nebenbei fühle ich mich selbst ziemlich mies und schizophren angesichts der Tatsache, dass mein Börsenzeugs seit Trump durch die Decke geht. Auf dem Papier schön für mich, aber ein katastrophales Zeichen für die Menschheit, wenn der Aktienmarkt aufblüht, je mehr die arme Mehrheit der Gesellschaft bluten muss.
Mittlerweile halte ich es nur noch mit Zynismus á la George Carlin aus: Ich bin ein interessierter Betrachter, der zuschaut, wie wir immer schneller um den Abfluss kreisen. Und irgendwie fällt es mir immer schwerer, dabei nicht zu denken, wir haben das auch so verdient.
Es kommt nur darauf an was man mit dem Geld macht. Es gibt viele Menschen die als Aktivisten ihr Leben einsetzen um die Welt besser zu machen und die für ihre Arbeit auf Unterstützung angewiesen sind. Wenn du denkst dass das Börsengeld stinkt dann mach was Gutes damit.
Es ist jetzt auch nichts, was mich reich macht, aber ja, klar. Ich habe z.B. einen nicht trivialen Beitrag geleistet, als dieser Spinner hier die Berliner Kältebusse angezündet hat.
Was mich viel mehr erschreckt, ist was ich an mir selbst beobachte: Sogar bei den eigenen guten Taten hat man Angst, dass sie irgendwie jemandem aus dem von mir eingangs erwähnten Personenkreis zugute kommen; also jemandem, der für die ganze Misere einen mehr oder minder kleinen Anteil der Schuld trägt. Und dann lässt man das Spenden plötzlich sein.
Es fühlt sich scheiße an, nichts gutes zu tun, aber es würde sich auch richtig scheiße anfühlen, irgendeinem dummen AfDler versehentlich auch nur einen einzigen Cent zu geben. Es ist wirklich ein wenig schizophren.
Vielleicht musst du dann das Spendenziel entsprechend auswählen. Z.b. www.politicalbeauty.de www.rote-hilfe.de www.kabulluftbruecke.de um mal ein paar zu nennen. Ich glaube da ist das Risiko so ziemlich ausgeschlossen.