Nochmal die Contentwarnung auch hier vorweg: In der Fragestellung die mich gerade so abfuckt geht es um Vergewaltigung, eine toxische Beziehung mit Traumabindung zu einem Narzissten. Ich hoffe auch dass die Frage nicht gegen /c/DACH - Regeln verstößt, das ist einfach die populärste Community und ich hoffe auf Antworten.
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Dabei betrifft es nicht mich, sondern eine Freundin, der ich die letzten Tage beigestanden hatte. Um es kurz zu fassen und auch möglichst wenige identifizierende Details offen zu legen - sie befand sich in einer toxischen, missbräuchlichen Beziehung mit einem Narzissten. Vor einiger Zeit geschah dann, worum ich mich gesorgt hatte, als ich ihr immer wieder gesagt hatte, dass sie nicht in der Beziehung bleiben kann, und ich es für einen schweren Fehler halte - in einer Streit- und Kontrollverlustsituation für ihn hat er sie vergewaltigt, was zugleich zu einer Retramatisierung von einer früheren Vergewaltigung durch eine andere Person führte.
Ich und ein Freund halfen ihr Anzeige zu stellen. Sie (mit noch unzureichend behandeltem Borderline) hatte schon die ganze Zeit währenddessen mit dem inneren Konflikt der Angst vor ihm, dem klaren Gedanken von ihm wegkommen zu wollen, und einer toxischen Traumabindung immer noch zu ihm zu kämpfen, ständige Gefühlswechsel zwischen Leere, Angst, Trauer, ihn nicht gehen lassen können, versuchen ihn zu rechtfertigen, Angst vor seiner Reaktion, gemischt mit Überanpassung in Momenten uns gegenüber, etc.
Nun hatte sie mir offenbahrt, dass sie mit dem Gedanken spielt die Anzeige “zurück zu nehmen”, i.e. zu sagen, sie hätte eine Falschaussage gemacht, sich also auch dahingehend strafbar zu machen. Teils weil sie um ihr Leben fürchtet (z.Z. wird sie von ihm immer noch in Nachrichten und Daueranrufen tyrannisiert und bedroht, da sie es nicht schafft ihn geblockt zu lassen.), teils weil ein pathologischer Anteil in ihr sich nicht sicher ist ob sie es ertragen könnte, dass er wegen ihr im Knast landet.
Während dem Telefonat wusste ich nicht genau was ich sagen kann… Ich hatte angebracht, dass er ihr Leben so oder so versuchen wird zur Hölle zu machen. Ich hatte sie auf zusätzliche Schutzräume wie Frauenhaus o.Ä. hingewiesen. Ich hatte ihr auch als Selbstschutz deutlich gesagt, dass falls ihr Weg dann auch wieder zu ihm zurück findet, ich aufgrund eigener Retraumatisierungen bei Beobachtung der Dynamik der Beziehung, vermutlich nicht den Kontakt halten können werde.
Was gibt es noch für Dinge die ihr die (auch materiell-reale) Sicherheit und Kraft geben könnten, die Anzeige nicht zurück zu nehmen, sich nicht selbst aufzuopfern? Ich weiß natürlich, dass ich nicht ihr Leben leben kann, und ich bin auch bereit zum Selbstschutz im schlimmsten Fall in die bittere Pille beißen zu müssen, die Freundschaft nicht fortführen zu können, aber zumindest hätte ich gerade gerne mehr Rat und mehr Perspektiven.


Leider ist es tatsächlich so, dass man Menschen nicht zu dem für sie Besten zwingen kann. Es klingt, wie wenn Du schon sehr viel Kraft und Zeit eingesetzt hast und viel Unterstützung und sinnvollen Rat gegeben hast. Ab einem gewissen Punkt liegt es dann an ihr, für sich die grundsätzliche Entscheidung zu treffen, ob ihr Leben so weitergehen soll oder ob sie den Cut machen und Veränderung will (wenn nötig, mit Hilfe von außen).
Das ist ähnlich wie bei Suchterkrankungen - auch da kann man für Betroffene irgendwelche Interventionen durchführen, ggf. jemanden zum Entzug einweisen lassen, zur Suchtberatung vermitteln usw. Aber niemand überwindet die Sucht, wenn die Person nicht selbst den Entschluss fasst, dass sie da raus muss.
Ich finde es von daher auch legitim, wenn Du im worst case den Kontakt abbrichst, zumal wenn Du das ihr auch so erklärst. Ich glaube, es wäre dabei sehr hilfreich, zu sagen, dass Du jederzeit wieder für sie da wärst, wenn sie es sich doch anders überlegt bzw. sich Hilfe suchen will (sofern Du Dir das zutraust). Das würde deutlich machen, dass Du nicht irgendwie “gegen” sie bist, sondern nur selbst Abstand von der Situation brauchst.
Auf jeden Fall viel Kraft für euch beide.