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    27 days ago

    Sicherlich umfasst “linke Politik” auch andere Lebensmodelle und für mich als freiheitsliebenden Menschen soll es immer auch die Möglichkeit geben “kein Bock” zu haben. Weiterhin sollten Care Arbeit oder andere für die Gemeinschaft wertvolle Arbeiten in der Rente honoriert werden. Keine Frage. In einer idealen Welt würde das alles auch so funktionieren. Leben wir aber leider nicht. Und mit den “idealen” Mitbürgern würde jeder stets nach dem Ideal für seine Gesellschaft streben. Unsere Mitmenschen sind aber nicht “ideal”, sie sind komplex und haben mal “keinen Bock”. Das ist meiner Meinung nach auch gut so.

    Ich bin ein Kind aus einer bäuerlichen Arbeiterfamilie. Ich bin damit groß geworden, dass Arbeit zwar erfüllend sein kann aber immer auch etwas ist, auf das man gerne verzichtet. Viele klassische Arbeiten wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im produzierenden Gewerbe etc. sind halt einfach anstrengend und scheiße. Da käme man nicht auf die Idee zu sagen “man habe ich Bock die 10ha Kartoffelacker von Meiers zu hacken” oder “lass mal die Straße nach Hintertüpfingen pflastern. Macht bestimmt mega Laune” Und solche Arbeiten gibt es vielfach, in vielen Bereichen der Gesellschaft. Diese Arbeiten sind in machen Branchen auch derart prägend, dass auf diese Jobs kaum einer Bock hat. Und dennoch müsssen sie getan werden. Dauerhaft.

    Warum der Exkurs? Es geht um Fairness oder vielleicht auch etwas bedeutungsschwerer, um Gerechtigkeit.

    Ich gehe nicht davon aus, dass ich die ganz großen gesellschaftlichen Umbrüche erleben werde. Aber selbst sozialistische Länder oder (vielleicht auch gerade) anarchistische Gruppen haben/hatten ihre Probleme mit den unliebsamen Arbeiten. Denn wenn Du Dich +/-40 Jahre jeden Tag abbuckelst, reicht Dir keine Rede über die Bedeutung dieser Arbeit für die Gesellschaft. Vor allem, wenn Du weißt, dass die Nachbarn den ganzen Tag nur Frisbee gespielt haben.

    Meiner Meinung nach müssen wir pragmatisch sein und einen Kompromiss finden. Und sofern etwaige technische Entwicklungen Arbeit nicht überflüssig macht, müssen wir Arbeit in der Gesellschaft und zwischen den Generationen fair aufteilen. In Zeiten massiven demografischen Wandels bedeutet das daher für mich nicht, auf die Rente mit 60-65 zu pochen. Auch wenn einige Rentner ihre Rente im Sinne der Gesellschaft nutzen. Denn meiner Erfahrung nach, macht dass die Mehrheit nicht. Erwarte ich ehrlicher Weise aber auch nicht. Die können gerne mit ihrem Wohnwagen an die Ostsee zotteln und über die “jung’ Lüü” lästern. Haben sie sich ja verdient, vermutlich :)