Einige meiner Gedanken über Verteidigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Schreibt mir gerne, was ihr davon haltet. Lieber Gruß!

  • dubbel@discuss.tchncs.de
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    2 hours ago

    Ein lesenswerter Artikel, danke.

    Was mir oft, auch bei den Kommentaren hier, fehlt, ist die konkrete Situation und die Unterscheidung von Wehrpflicht (zur Abschreckung) und Wehrpflicht im Kriegsfall.

    Ich habe damals verweigern wollen, weil ich in der Situation (Bundeswehr als Einsatzarmee die rund um den Globus versucht Terrorismus zu bekämpfen) nicht von ihren Aufgaben überzeugt war bzw. den Zivildienst als sinnvoller empfand. Bei mir wurde dann zwischen Musterung und schreiben des Briefes die Wehrpflicht ausgesetzt, also hatte sich die Frage für mich erstmal erledigt.

    Seitdem hat sich die Situation und der Hauptzweck der Bundeswehr natürlich verändert, wieder hin zur Abschreckung bzw. Landes- und Bündnisverteidugung. Hier kann ich den Sinn einer Wehrpflicht zur Abschreckung des russischen Regimes durchaus nachvollziehen. Für mich macht es darüberhinaus auch keinen Unterschied, ob Putin jetzt die Letten oder die Sachsen unterjochen will, solange die Letten und Sachsen dagegen sind.

    Ich bin voll dabei die derzeitige deutsche Regierung zu kritisieren, kann den Unmut der Jugend speziell nach der Pandemie und mit Hinblick auf die Klimakrise absolut nachvollziehen. Aber ich sehe unser demokratisches system trotzdem als schützenswert an, gerade wenn die alternative ein imperialistischer Nationalismus ist.

    Angesehen davon sollte man auch nicht so tun, als sei diese Generation die allererste, die Wehrdienst leisten müsste. Das haben Generationen vorher auch machen müssen (und für wichtige Rechte wie zB einfachere Verweigerung gekämpft), sie wurde nur für etwa 15 Jahre ausgesetzt. Gerade wenn wir in Zukunft auf eine Auswahlwehrpflicht zusteuern, in der, verglichen zu der ursprünglichen Wehrpflicht, sehr viel weniger und auch eher die motivierten/fähigen Männer gezogen werden, ist die tatsächlich eine Verbesserung gegenüber der alten Wehrpflicht.

  • Drazakil@discuss.tchncs.de
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    10 hours ago

    Das sind genau die Punkte, weswegen ich gegen die Wehrpflicht bin. Ich als Jahrgang 88 werde eher nicht mehr gezogen, Verweigerer und Arthrose in beiden Knie, jedoch ist mein Sohn bald im wehrfähigm Alter. Seit Jahren sehe ich kaum noch Engagement der Regierungen etwas Gutes für die jüngeren Leute zu tun, warum also dann für das System kämpfen, töten oder gar sterben?

    Nein, ich lasse mein Kind nicht für ein paar Milliardäre oder “Obere-Mittelschicht-Politiker” in den Tod gehen.

  • Aniki@feddit.org
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    10 hours ago

    insgesamt ein guter artikel.

    mich beschäftigt die frage auch schon länger. ich bin davon überzeugt, dass wenn es einen neuen krieg gibt, dann ca. 90% der jungen menschen nicht hingehen würden. und das sage ich nicht nur im sinne von “ich will mich nicht als kanonenfutter anbieten”, sondern eben wie du auch sagst stark in hinblick auf die frage “sehe ich mich als teil dieser gesellschaft? akzeptiert mich diese gesellschaft?”

    ich denke, dass gerade in den letzten jahren extrem viele junge männer “desillusioniert” mit der gesellschaft geworden sind. gefühlt wird man überall nur beschimpft und beleidigt, man sei ein potentieller vergewaltiger und sowieso hoch gefährlich und wahrscheinlich sollte man dich am besten gleich wegsperren. zumindest wird es auf social media so vermittelt. und da soll man jetzt für diese gesellschaft kämpfen und potentiell sterben, obwohl man so behandelt wird? ne, ich glaube eher nicht.

    aber das ist nur ein punkt. ich würde nebenbei auch sagen dass kriege im allgemeinen nicht gewonnen, nur verloren werden können. die frage ist nur eben wieviel man verliert. wie bei einem erdbeben. “you can win a war no more than you can win an earthquake”. dazu kommt noch dass die geopolitische stabilität heutzutage sehr stark von den gedanken abhängt, d.h. ideologie weltweit usw. es gibt so organisationen wie die weltbank die sich auch eben darüber gedanken machen, wie andere länder auf ihren ökonomischen gewinn kommen könnten ohne kriege. die sache ist kompliziert, ich kürze hier ab und mache schluss. ;-)

    • KatherinaReichelt@feddit.org
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      9 hours ago

      dann ca. 90% der jungen menschen nicht hingehen würden

      Das sagt sich so einfach. Aber natürlich haben Staaten schon seit Jahrhunderten und Jahrtausenden vielfältige Mechanismen entwickelt, um Leute doch zum Militär zu kriegen. Keiner hat Bock sich von gegnerischen Rittern auf Schlachtrössern zertrampeln zu lassen, kaum einer hatte im Ersten Weltkrieg Lust auf Schützengräben oder Bock auf Ostfront im Zweiten oder ist begeistert nach Vietnam gegangen. Im Endeffekt ist es kack egal, ob du da hin willst oder nicht, wenn du im Kriegsfall einberufen wirst, kommst du dort nicht so schnell raus. Du siehst es ja zum Beispiel aktuell in der Ukraine oder auch in Russland. Auch wir haben die Feldjäger von der Bundeswehr, die dich suchen, wenn du dich drückst. Die wissen dann, wo du arbeitest, wer deine Familie ist und im Zweifelsfall haben sie auch deine Handydaten etc.

      Im Kern bleibt dir dann nur noch die Flucht ins Ausland. Dort will dich aber meistens keiner. Bei der jüngsten Gesetzesänderung hier in Deutschland kam ja auch dann schon heraus, dass längere Aufenthalte im Ausland für Männer auch jetzt schon genehmigungspflichtig sind. Im Kriegsfall gibt es dann Ausreisesperren und so weiter und so fort. Auch als männlicher Ukrainer kannst du nicht einfach so ausreisen, genauso wie als wehrpflichtiger Russe.

      Kommst du irgendwann nach dem Krieg wieder zurück, hast du dann direkt schicke Verfahren am Hals. In Deutschland drohen dir in dem Fall 5 Jahre Knast.

    • Obin@feddit.org
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      9 hours ago

      Ich sehe mich als Teil der Gesellschaft, aber die Gesellschaft ist einfach unendlich kaputt. Kämpfen und sterben in einem Krieg bedeutet heute die, die den Krieg angezettelt haben (auf beiden Seiten) noch reicher zu machen als sie es eh schon sind und noch in ihrer Macht zu festigen. Und das wird dann ganz sicher nicht Frieden, sondern noch mehr Kriege zur Folge haben, wie könnte es das nicht?

      Wir müssten diesen Kreislauf durchbrechen und wenigstens einen ersten Schritt zu einer gerechteren Gesellschaft machen, bevor ich das auch nur erwäge diesen Staat mit meinem Leben zu verteidigen. Ansonsten sterbe ich dann lieber zuhause dabei individuell meine Mitmenschen zu verteidigen als im Militär irgendwo im Ausland bei der Verteidigung der Rheinmetall Aktienkurse.

      • RalfWausE_der_zwote@feddit.org
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        8 hours ago

        Ansonsten sterbe ich dann lieber zuhause dabei individuell meine Mitmenschen zu verteidigen als im Militär irgendwo im Ausland

        Im Kriegsfall, insbesondere wenn es nicht so gut läuft, sind Staaten in der Regel gerne bereit solche Wünsche zu erfüllen

    • Latschenkiefer@feddit.org
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      10 hours ago

      gefühlt wird man überall nur beschimpft und beleidigt, man sei ein potentieller vergewaltiger und sowieso hoch gefährlich und wahrscheinlich sollte man dich am besten gleich wegsperren.

      Glaube nicht, dass das eine weit verbreitete Meinung ist, zumindest nicht wenn du auf die Straße gehst und mit den Leuten redest. Ich als Mann sehe eher, wie typische frauenfeindliche Ideen immer noch bei der älteren Generation tief verankert sind und Gen Alpha sitzt in ihren Kinderzimmern und hämmert sich die Wangenknochrn ohn, weil ihnen das ein Incel auf Tiktok vorgemacht hat.