Jedes zweite Jahr, kostenlos, für alle ab 35: So kennen Millionen Deutsche das Hautkrebs-Screening. Damit könnte bald Schluss sein. Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte FinanzKommission Gesundheit schlägt vor, die Untersuchung vorübergehend auszusetzen – als Teil eines Sparpakets mit 66 Maßnahmen für die klamme gesetzliche Krankenversicherung. Das Einsparpotenzial: rund 240 Millionen Euro pro Jahr. Der Aufschrei der Dermatologen ließ nicht lange auf sich warten.
Die Kommission stützt ihren Vorschlag auf eine nüchterne Bilanz. Professor Jürgen Windeler, bis 2023 Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, hatte bereits gegenüber dem WDR klargemacht: „Man hat sich davon versprochen, dass die Sterblichkeit am Schwarzen Hautkrebs sinkt. Das ist nicht passiert.“ Besonders kritisiert die Kommission die sogenannte Anlasslosigkeit des Screenings – also, dass Menschen ohne jeden Verdacht untersucht werden.
Verband strikt gegen die geplanten Änderungen – „Verstehen Sinn eines Screenings nicht“
Genau das treibt Dr. Ralph von Kiedrowski, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD), auf die Barrikaden. In einer Pressemitteilung kontert er: „Die Anlasslosigkeit, also das Nichtvorhandensein von Symptomen, bei einer Krebsfrüherkennungsuntersuchung zu kritisieren, spricht nicht dafür, dass die Kritiker den Sinn eines Screenings verstehen.“ Sein Vergleich: Würde man das Brustkrebsscreening erst dann anbieten, wenn bereits ein tastbarer Knoten vorhanden ist, wäre Früherkennung sinnlos.
Die Zahlen sprechen für sich: Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl stationärer Behandlungen wegen Hautkrebs in den vergangenen 20 Jahren um 87,5 Prozent. Beim hellen Hautkrebs hat sie sich sogar mehr als verdoppelt. Von Kiedrowski warnt deshalb: „Wer angesichts der stark gestiegenen Hautkrebsinzidenzen das gesetzliche Hautkrebsscreening aussetzen will, spart am falschen Ende.“ Und er legt nach: „Es entscheidet im Zweifel über Leben und Tod.“ Auch das Brustkrebs-Screening zeigte bereits eine erhebliche Senkung der Sterblichkeit.
Corona-Pandemie zeigte Lücken im Gesundheitssystem auf
Was passiert, wenn das Screening ausfällt, hat die Corona-Zeit gezeigt: Als die Untersuchungen über rund zwei Jahre kaum stattfanden, wurden Tumore bei der Erstdiagnose im Schnitt größer – mit schlechteren Heilungschancen als direkte Folge. Beim schwarzen Hautkrebs gilt: Ab einer Tumordicke von 1,01 Millimetern steigt das Risiko für Metastasen erheblich. Die Krankenkasse Barmer hatte im vergangenen Jahr von steigenden Fallzahlen in Hessen berichtet und zur Früherkennung geraten.
Professor Dirk Schadendorf vom Universitätsklinikum Essen räumt gegenüber dem WDR Schwächen des bisherigen Systems ein, plädiert aber für Reform statt Abschaffung: „Das Hautkrebs-Screening müsste risikoadaptiert und auf Einladung erfolgen.“ Deutschland ist weltweit das einzige Land mit einem anlasslosen Hautkrebs-Screening für alle GKV-Versicherten ab 35 Jahren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) prüft derzeit den Nutzen der Untersuchung – sein Urteil soll die Grundlage für die endgültige politische Entscheidung bilden. (Quellen: BVDD, Statistisches Bundesamt, WDR, DPA) (rd)



Glückwunsch! War selbst letztes Jahr erstmals beim Screening aber ohne Befund.
Danke! Drücke dir die Daumen, dass es so bleibt. Darf nun jedes Quartal hin.