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Nachdem wir im vergangenen Jahr unseren ersten Zwischenbericht mit dem Fokus vor allem auf den Kinder- und Jugendschutz veröffentlicht hatten, lag diesmal der Schwerpunkt auf der Frage, wie sich die Reform auf die organisierte Kriminalität und den Schwarzmarkt ausgewirkt hat.
Dabei hat sich herausgestellt, dass der Schwarzmarkt durch die moderate Zunahme des Eigenanbaus und den vermehrten Bezug von Medizinalcannabis aus der Apotheke zurückgedrängt wird, während der befürchtete erhebliche Anstieg des Cannabiskonsums bisher ausgeblieben ist. Es könnte mit der Verdrängung des Schwarzmarkts noch schneller gehen, wenn der Gesetzgeber den Ausbau der derzeit überregulierten Anbauvereinigungen vorantreibt. Das sind schließlich die im Gesetz vorgesehenen Orte, in denen Konsumenten – wenn sie nicht zu Hause anbauen – in Deutschland legal Cannabis erwerben können.
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Herr Dobrindt wirft Ihnen und Ihren Kollegen vor, “ein vollkommen verzerrtes Bild der Realität” wiederzugeben. “Es liegt ganz offensichtlich auch an der Methodik der Analyse”, so der Innenminister gegenüber der ARD. Er kritisiert, dass Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden außer Acht gelassen worden seien.
Dass der Bundesinnenminister mit den Ergebnissen der Evaluation nicht zufrieden sein würde, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Die Richtung und Intensität seiner Kritik an dem immerhin mehr als 200 Seiten starken Zwischenbericht kamen jedoch auch für uns als Teil des Forschungsverbunds überraschend. Und zwar deshalb, weil sie vollkommen aus der Luft gegriffen ist, nimmt doch die Perspektive der Sicherheitsbehörden in der Studie breiten Raum ein.
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