Mal keine Nachrichtenverlinkung diesmal. Unlängst ist ja vermutlich weitreichend bekannt, dass soziale Medien den Nutzern mental nicht gut tut und mitunter Dinge wie Empathielosigkeit oder krankhafte Selbstwahrnehmung fördern. Hier auf Lemmy würde ich das zwar eher untergeordnet sehen, aber wir haben der Natur der Sache folgend auch einen starken Fokus auf schlechte Nachrichten und Dystopie. Gerade letztere sind aber Progressivitätablocker, da sie Zuversicht hemmen und das Gefühl der vollendeten Tatsachen suggerieren, wodurch man am Ende in diesem Gefühl stagniert.
Daher mache ich mir in den letzten Monaten, natürlich mal wieder bestärkt durch Krieg und Zwietracht auf der Welt Gedanken um meinen (eigentlich bereits sehr eingeschränkten) Medienkonsum. Das Ding ist, dass ich nicht die Augen verschließen will, aber andererseits stehe ich gerade so gut wie jeden Morgen auf, um irgendwo die nächste Spahn, Dobrindt, Merz, Trump, Putin oder wie sie alle heißen Fresse zu sehen und darunter irgendeinen Bullshit, den diese Gesichter absondern.
Gleichzeitig muss ich dauernd über KI reden und davon hören - einer Technologie, die im Endeffekt entweder meinen Job gleich überflüssig machen wird oder am Ende nur wieder ein großer Kuchen für Big Tech sein, von dem ich als kleiner Anbieter nichts abbekomme. Ich hasse es jetzt schon.
Summa Summarum: ich merke, wie mich all diese Ungewissheit und Negativität kontinuierlich belastet. Seit einigen Wochen haben wir uns privat Tageszeiten mit Ausflügen ohne Handy verordnet (soweit das mit Kindern halt geht) und ich war wirklich erstaunt, wie gut mir das tat. Diese ständige Negativität hingegen bringt mich unbemerkt extrem runter. Klar, das hatte ich bereits erwartet, aber nicht in diesem immensen Ausmaß.
Meine Überlegung ist jetzt, den Konsum von Nachrichten und Lemmy (hab zum Glück nichts anderes) drastisch zu reduzieren. Ich hab es auch mit diesen Gute-Nachrichten-Diensten versucht, aber da knicke ich auf Dauer ein und schau mir doch wieder Nachrichten oder Feddit an (nichts gegen Feddit, ihr seid cool, die Welt nur leider gerade nicht).
Ich finde diese Überlegung bescheuert und fürchte, das wird keine drei Wochen gut gehen, bis ich wieder von dem Mist eingeholt werde. Klüger wäre mehr Resilienz und Zuversicht. Und hier kommt eigentlich der Punkt, weswegen ich diesen Post verfasst habe, denn ich dachte, ich frage mal bei den Gleichgesinnten nach, weil ihr vielleicht hier und da ähnliche Gedanken habt.
Wie geht ihr mit der Situation um? Strategien, Vorschläge, Ideen, ich denke, hier gäbe es jede Menge gute Gedanken zu teilen.


Da geht es mir so wie dir. Ich konsumiere Weltnachrichten sehr eingeschränkt, weil das besser für meine geistige Gesundheit ist.
Zur Zeit hinterfrage ich sehr, wieviel ich denn überhaupt von der Welt wissen will und muss. Ich habe ja nicht um die Globalisierung gebeten, sie wurde mir aufgezwungen. Es kann natürlich sein, dass ich bei einer kompletten Nachrichtenverweigerung dann etwas Wichtiges nicht mitkriege, z.B. dass nun laut einem neuen Gesetz jeder Bürger auf der Straße eine Propellermütze tragen muss. Und dann latsche ich halt zum monatlichen Einkauf ins Städtchen und werde verhaftet wegen fehlender Propellermütze. Abgesehen von solchen Situationen sind Nachrichten ja größtenteils Propaganda. Ist es wichtig, dass ich weiß, welche Entschuldigung sich die Mächtigen diese Woche für die hohen Lebensmittel- und Spritpreise ausgedacht haben? Nicht wirklich, bezahlen muss die Scheiße ja trotzdem.
Ich versuche, so viel Energie und Aufmerksamkeit wie möglich ins Positive zu leiten. Schön in der Sonne sitzen, Haustiere streicheln. Mit den Kids spielen. Lecker Kochen, lecker Essen. Und halt all die Skills aufbauen, die man in einer allmählich zusammenbrechenden Gesellschaft so braucht: Gärtnern, DIY, Gemeinschaftskram - auch hier mit Sinn für den Spaß und das Positive, nicht in Angst. Sterben tun wir eh alle irgendwann.