• Obin@feddit.org
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    11 months ago

    Der Begriff “Ideologie” scheint mir insbesondere im Deutschen Sprachraum (ähnlich wie “politisch rechts”) eine merkwürdig andere Verwendung zu haben als im Rest der Welt. In Amerika z.B. macht man keinen Hehl daraus, dass Kapitalismus und Neoliberalismus auch Ideologien sind, der Begriff ist erstmal wertfrei und dann gibt es die Einschätzung ob eine Ideologie jetzt gut oder schlecht ist, was selbst wieder Teil der Ideologie wird. In Deutschland verwendet man ihn fast schon als Schimpfwort oder Totschlagargument, z.B. betrachtete sich die FDP ja als “unideologisch”, weil sie ja “weiter so” will und “weiter so” ist ja keine Ideologie. Als wäre “Normal” das Gegenteil von “Ideologie”. Irgendwie bewerten wir hier alles abseits vom betretenen Pfad als negativ und die Default-Ideologie nimmt man gar nicht als solche wahr und stellt sie auf ein Podest, von dem aus alles Andere, in einem selbstverstärkenden Prozess, noch radikaler und gefährlicher und Zentrismus und reaktionäre Bestrebungen wie Tugenden wirken.

    • Samskara@sh.itjust.works
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      11 months ago

      Ideologie ist eine Ansammlung von zusammenhängenden Ideen, die Weltgeschehen und Politik auf ein einfaches Modell reduzieren und damit alles erklären. Anspruch auf Wahrheit, Starrheit, Ausblenden unangenehmer Fakten, Ablehnen von Kompromissen sind wichtige Eigenschaften. Es gibt eine klare Einteilung in gut und böse: Kapitalismus böse, Ausländer böse, Grüne böse. Dabei wird dann oft auch alles was der politische Gegner gut findet abgewertet oder unter böse einsortiert.

      Gedankenkette geht dann so:

      Kapitalismus schlecht -> USA schlecht

      Israel Freund von USA -> Israel schlecht

      Iran Feind von USA und Israel -> Iran gut

      Islamisten bekämpfen Israel -> Islam gut