Ich bin in einer Großstadt im Osten. Also die ist wirklich groß. Doch jedes Kuhkaff in Nordwestdeutschland ist kosmopolitischer. Hier höre ich Dinge als normalen Umgangston, wofür man dich in Kölle freundlich aus der Kneipe werfen würde und dir im Ruhrpott vorher noch eine drauf geben würde.

Finde ich mega spannend, weil ich dieselbe Erfahrung am Anfang des russischen Angriffskrieges gemacht habe. Bin nach verzweifelter Jobsuche für einen Job ins heutige Nazideutschland gezogen (SA). Im Büro saßen ein paar finstere Gesellen (:-)), ein paar Techniker waren das absolute Gegenteil (aber auch russlandfreundlich). Keine Ahnung wie es jetzt ist, hab mich nach ein paar Monaten wieder in den Westen verkrümelt. Ein paar Lieblingszitate:

  • “geschieht denen ganz recht, das waren schon immer nazis” (es geht um Ukrainer)
  • “aber nach dem Studium geht deine Freundin wieder in die Heimat oder” (es geht um eine dunkelheitige Partnerin)

Es wurde ständig nur gebrüllt, alle waren irgendwie sauer die ganze Zeit, und die gemeinsamen Mittagessen waren ein absoluter Albtraum. Und die Chefetage hat sich Klominuten aufgeschrieben.

Da muss irgendwas im Grundwasser sein.

Edit: habs mal ein bisschen entschärft, will niemanden das nazitum vorwerfen :) schlimm war es auf jeden Fall. Es gab auch positive Dinge, z.B. ein paar super nette Nachbarn, die beim Umzug einfach so mit angepackt haben. Geschockt hat mich der Kulturunterschied dennoch ein klein wenig.

  • Enkrod@feddit.org
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    4 hours ago

    Zum Thema Sachse- Anhalt kann ich SEHR empfehlen: Dokumentation Heimweh in der ZDF-Mediathek, gibt keine Antworten auf die Probleme aber eine vielleicht nochmal etwas differenziertere Sicht. Auch wenn sich manche Vorurteile gegen “Dunkeldeutschland” schon bestätigen.

    Ist übrigens hier im Odenwald (Südhessen) nicht ganz unähnlich. Aber hier ist es gefühlt mehr auf dem Land, in der Provinz zuhause. Die größeren Städte in der Nähe (Mannheim, Heidelberg) sind deutlich weniger betroffen. Kann aber auch nur meine linksgrüne Bubble sein.

    • Melchior@feddit.org
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      1 hour ago

      Das Land ist auch im Osten weiter rechts als die Städte. Einige Städte haben auch recht starke linke Szenen. Leipzig, Jena oder Halle zum Beispiel. Auch Potsdam, Rostock und Greifswald haben linke Bürgermeister:innen. Auch Berlin strahlt nach Brandenburg raus, was zu einigen linken Projekten geführt hat. Es sind halt gerade Unistädte die die Wende gut gemeistert haben. Die Unis sind sowieso recht staatlich und hatten damit nicht so einen Bruch. Gleichzeitig gab es mehr Fördermittel und die günstigen Mieten sind halt ein wirklicher Vorteil für die Städte. Jena hat sogar noch durch Zeiss und Co einige wirklich starke lokale Unternehmen.