Gestern im EU Parlament beschlossen: Im Supermarkt dürfen künftig bestimmte genveränderte Lebensmittel ohne Kennzeichnung im Regal stehen. In rund zwei Jahren sollen die Regeln gelten. Außerdem wird es im Zuge der Zulassung der “Neuen GenTechnik” (NGT) auch viel einfacher möglich sein, Pflanzen und Gene zu patentieren. Selbst Gene aus alten Kulturpflanzensorten können - als angebliche Erfindungen - zukünftig patentiert werden. Das Ergebnis ist ein Sieg auf ganzer Linie für mächtige Agrarkonzerne wie Bayer-Monsanto, Corteva und Co., die sich in Zukunft die Patentanwälte und Rechtsabteilungen für die absehbaren Konflikte mit kleineren Züchtern und Bauern leisten können. Die Verlierer sind Mittelstand, Verbraucher*innen und die gentechnikfreie Landwirtschaft, wie etwa der Bio-Landbau. Der Vorschlag wurde von EVP (CDU/CSU), Liberalen (FDP) und extremrechten Parteien im EU Parlament ohne durch Sozialdemokraten, Grüne und Linke gewünschte Änderungen durchgewunken. Der Kapitalismus expandiert mit dieser Regelung auch in der EU in den Bauplan allen Lebens hinein: ins Genom.



Passiert in der Natur unentwegt, ist die Basis der Entstehung aller Kulturpflanzen. Wir essen diese Pflanzen seit ungefähr 10’000 Jahren. Was sind genau die Nebenwirkungen? Ich denke die größte ‘Nebenwirkung’ hiervon ist, dass wir mittlerweile fast 8.5 Milliarden Menschen mit den so entstandenen Pflanzen ernähren können.
Wird immer als Argument angeführt um andere fragwürdige Techniken ‘halt dann auch’ an zu wenden. Die Methode ist umstritten und wird zurecht als risikovoll erachtet. Der Bio-Sektor lent Mutationszüchtung z.B. ab und sie wird dort nicht aktiv angewendet. Dann aber gar keine ‘nicht 100% bio’ Genetik mehr einkreuzen weil eventuell mutiert? Ein Dilemma. Hieraus aber ab zu leiten, dass eine andere angeblich präzisere Mutationszüchtung besser sei halte ich für nicht stichhaltig (siehe auch folgender Punkt).
Framing der Industrie. Es gibt in CRISPR/Cas9-Systemen ≥50% so genannte off-target Mutationen, also Mutationen in Genregionen die nicht beabsichtigt sind. Das ist zugegebenermaßen präziser als die ‘alte’ Gentechnik mit A. tumefaciens, aber dennoch schießt man pro Schuss einmal noch woanders ins Genom, ohne zu wissen wo und mit welchem Effekt.
Die Analogie mit Impfgegner=NGT-Kritiker halte ich für nicht korrekt. Es gibt den breiten wissenschaftlichen Konsens bezüglich den Vorteilen von NGT nicht. Auch das ist ein Framing ganz bestimmter Gruppen.